Ich bin ein wenig spät dran mit meiner Hymne über die Liebeschgeschichte von Hannes und Polina. Begeisterung wurde geteilt, Loblieder wurden gesungen und doch muss ich diesen eine weitere Strophe hinzufügen. Meine Strophe. Denn auch mich hat dieser Roman tief berührt und in eine andere Welt entrückt. Nur widerwillig habe ich beim Lesen das Buch zwischendurch zugeschlagen, wollte sofort zurückkehren und Hannes Prager weiter auf seinem so nicht zu erwartenden Weg begleiten.
Charaktere, die einem direkt ins Herz greifen, begegnen mir auf diesem Weg. Schmerz, den man beim Lesen kaum auszuhalten vermag. Aber auch tiefe Hingabe.
Verwegen wäre es, über Metaphorik und wiederkehrende Motive zu reden, denn diese sind so kunstvoll eingeflochten. Das Wort Stilmittel käme einem Brecheisen gleich, doch hier wurde mit zarten Fingern eingestreut und gewebt. Ob Gorilla John Daniel oder Motive Kilim, rufende Wale oder ein ganz und gar unpassender Applaus. Hier ist alles am rechten Ort.
Mich hat dieses Buch auf die allerbeste Weise an Das Parfum erinnert. Nicht wegen inhaltlicher Ähnlichkeiten, sondern wegen der geradezu magischen Fähigkeit, einen Sinn und seine Wahrnehmung so fulminant darzustellen, dass man beim Lesen vergisst. Vergisst, dass man eigentlich nichts riecht. Vergisst, dass man all die wunderbaren Töne gar nicht hört. Und doch hört man sie und spürt man sie beim Lesen in einer Weise, die über eine Darstellung in Worten weit hinausgeht. Taucht in sprachliche Klangwelten ein.
Ein Roman wie eine Melodie!