"Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einen mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint." (S. 50)
Halbinsel ist ein Buch, getragen von Atmosphäre und Beobachtungen, weniger von Handlung. Ich mochte das Setting sehr: das Wattenmeer, die Weite, dieses norddeutsche Dazwischen von Land und Wasser.
Thematisch berührt das Buch vieles, was mich eigentlich sehr anspricht: Mutter-Tochter-Beziehungen, Einsamkeit, Verantwortung, die Frage nach Zugehörigkeit, Zukunft und Klimawandel. Besonders einzelnde Gedanken sind mir hängen geblieben...
Etwa die Angst, dass Veränderung nicht automatisch Befreiung bedeutet, sondern neue Einsamkeit mit sich bringen kann.
-> "Wo würde die Einsamkeit lauern? Hinter der Veränderung oder dem Vertrauten?" (S. 40)
Ebenso berührend war die Frage, woher Zuversicht für eine Generation kommen soll, die mit so vielen Krisen aufwächst.
-> "Wo um alles in der Welt sollte die Zuversicht herkommen, für junge Menschen wie Linn, woher?" (S. 147)
-> "Das Recht eines Kindes. Das Recht auf Schutz und Unversehrtheit. Das Recht auf Zukunft." (S. 220)
Insgesamt ist Halbinsel ein gutes, ruhiges Buch mit schönen Gedanken und starkem Setting. Und doch blieb in mir eine gewisse Leerstelle. Ich hatte mir mehr Tiefe in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter erhofft, mehr Entwicklung, mehr echtes Annähern. Die Gespräche wirkten auf mich oft oberflächlich. Viele wichtige Themen wurden aufgemacht, aber dann wurde nicht tiefer darauf eingegangen. Auch die Klimathematik blieb für mein Empfinden zu zurückhaltend.
Leider bleibt das Buch damit für mich hinter seinen Möglichkeiten etwas zurück.