Als Fan von Philipp Hochmair musste ich dieses Buch natürlich lesen. Im vergangenen Jahr hatte ich die Gelegenheit, ihn in Salzburg im Jedermann zu sehen - was für ein Erlebnis! Die Biografie "Hochmair, wo bist du?" von Katharina von der Leyen zusammen mit Philipp Hochmair ist viel mehr als ein klassisches Künstlerporträt - sie ist eine intensive, literarisch vielschichtige Annäherung an eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Gegenwartskunst: Philipp Hochmair. Dieses Buch entfaltet sich nicht als lineare Lebensgeschichte, sondern als vibrierendes Geflecht aus Eindrücken, Reflexionen und Momentaufnahmen, das den Leser tief in das kreative Universum dieses außergewöhnlichen Schauspielers hineinzieht.Hochmair erscheint darin als eine künstlerische Naturgewalt - ein Grenzgänger zwischen Ekstase und Kontrolle, zwischen radikaler Hingabe und existenzieller Fragilität. Seine Arbeit, ob auf der Bühne oder vor der Kamera, wird als kompromissloser Ausdruck eines inneren Drangs sichtbar, der sich jeder Konvention entzieht. Die Autorin zeichnet das Bild eines Schauspielers, der Rollen nicht nur interpretiert, sondern sie durchlebt, durchleidet und bis zur Selbstauflösung verkörpert. Gerade in seinen legendären Bühnenarbeiten - etwa als Mephisto, Werther oder in seinen expressiven "Jedermann"-Inszenierungen - wird diese künstlerische Radikalität greifbar.Statt sich auf bloße Fakten zu beschränken, wählt von der Leyen eine besondere Form. Sie begleitet Hochmair, beobachtet ihn in Proben, Gesprächen und Zwischenräumen, und schafft so ein dichtes, atmosphärisches Porträt. Besonders beeindruckend ist, wie es ihr gelingt, die Spannung zwischen Hochmairs öffentlicher Persona und seinem inneren Ringen sichtbar zu machen. Der Schauspieler erscheint als jemand, der sich in der Kunst verliert, um sich immer wieder neu zu finden - oder vielleicht auch, um dem eigenen Ich zu entkommen.Besonders berührend finde ich die Darstellung Hochmairs als Mensch: rastlos, suchend, mitunter zerrissen, aber immer von einer tiefen künstlerischen Notwendigkeit getrieben. Er ist kein leicht zu fassender Charakter, sondern ein offenes System, ein permanenter Prozess. Genau darin liegt die große Stärke dieses Buches: Es versucht nicht, ihn abschließend zu erklären, sondern hält die Ambivalenzen aus und macht sie produktiv. Fazit: Für alle Fans ist das Buch ein Muss!