Velvet schlägt sich als Dämomenreiterin durch. Einst durch einen bezwungenen Dämon zu übermenschlichen Fähigkeiten gekommen, macht sie nun beruflich Jagd auf solche. Bis eines Tages furchtbare Visionen über ein magisches Virus sie heimsuchen. Sowohl die Visionen als auch den Weltuntergang kann sie nur mit Hilfe der Göttersöhne auf Erden aufhalten. Leider ist einer davon Kashmere, ihr Exfreund, und seitdem ihre Beziehung vor Jahren ein grausames Ende nahm, haben sie sich nie wieder gesehen. Doch nun müssen sie zusammenarbeiten während alte Wunden aufreißen und Gefühle wieder hochkochen ...
Erstmal ist Julia Dippels Schreibstil wie immer absolut grandios und fesselnd. Das Buch hat mega Spaß gemacht, wahr kurzweilig, und hat eine ziemliche Sogwirkung entwickelt. Ich bin echt durch die Seiten geflogen. Auch die Idee dahinter, die Charaktere und die Welt waren genial. Ich hab mit Velvet mitgefühlt, fand die Szenen emotional, achtionreich, humorvoll, einfach generell sehr abwechslungsreich.
So ungefähr im letzten Drittel haben dann allerdings doch einige Dinge angefangen, mich etwas rauszubringen. Leiche Spoilerwarnung:
Zum Beispiel einige kleinere Logiklücken, wie die Tatsache, dass Velvets Lehrling plötzlich mehrere Kapitel lang nicht mehr auftauchte und nicht erwähnt wurde, als hätte er nie existiert, und dann war er plötzlich wieder da als wär nichts gewesen. Oder der generell etwas plumpe Grund, ständig über S*x zu sprechen oder ihn nötig zu haben das hat mich schon bei der Sonnenfeuer-Balade etwas gestört ("das Wetter ist sonst schlecht, also müsst ihr es bitte ständig miteinander treiben"). Dass das irgendwie ... ja plump halt ... als großer, unbedingt notwendiger Teil der Handlung eingebaut wurde. Das wurde mir am Ende etwas zu viel.
Dazu kam, dass ich das Ende ja definitiv schockierend fand. Aber ein bisschen hat es mir auch die Dynamik bzw. den Love Interest Kashmere "kaputt gemacht". Denn irgendwie erschien mir das nicht hundertprozentig logisch, worauf das alles hinaus lief. Wir lesen das Buch ja aus beiden Perspektiven, gucken also auch in Kashmeres Kopf, und der Twist am Ende kam völlig aus dem Nichts und hat bei mir eher ein "Hä?" ausgelöst als Mitfühlen. Zudem weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie diese Beziehung in Band 2 gerettet werden soll, denn wenn das wirklich so war, dann ist Kash in meinen Augen ziemlich unten durch und ich hoffe nicht, dass Velvet sich nochmal auf ihn einlässt. Aber auch der ganze Hintergrund mit der Verschwörung, was sich da auf den letzten Seiten alles überschlagen hat, hat bei mir etwas Stirnrunzeln hinterlassen.
Deswegen war ich am Ende ein bisschen raus, und ich freue mich immer noch auf Band 2, es ist aber nicht so, als wär die Wartezeit nicht auszuhalten oder als bräuchte ich die Fortsetzung jetzt unbedingt sofort. Trotzdem bleibe ich dabei, dass Julia Dippel fantastisch schreibt. Ich liebe es, wie actionreich und humorvoll ihre Geschichten sind, wie flüssig sie sich lesen lassen, und ihren Fokus auf dynamische Dialoge. Wie gesagt, die meiste Zeit des Buches hab ich das alles mehr als genossen, auch wenn das oben jetzt etwas negativ klang.
Ich empfehle das Buch trotz der Kritik definitiv.
4 Sterne