Ich war, insbesondere während der ersten 200 Seiten, echt begeistert. Am Ende zog es sich, 300 statt knapp 400 Seiten. Das wär's gewesen.
Mein erster Roman von Julia Holbe und sicherlich nicht der letzte. Dennoch lässt mich das Buch etwas zwiegespalten zurück. Ich war, insbesondere während der ersten knapp 200 Seiten, echt begeistert. Am Ende zog es sich, 300 statt knapp 400 Seiten. Das wär's wohl gewesen.Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Schwestern, Flora und Millie, die sich nach sehr vielen Jahren in ihrem Elternhaus wiedersehen. Die Eltern sind verstorben, nun muss entschieden werden, wie es mit dem Nachlass weitergeht. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise in ihre Kindheit. Sie streiten, schweigen und nähern sich wieder an, treffen Freunde und Bekannte von früher, suchen Orte ihrer Vergangenheit auf. Im Mittelpunkt der Gespräche: die Lügen ihrer Eltern, alte Verletzungen, die zerrüttete Eltern-Beziehung, das gesamte chaotische Familiengefüge. All das hat die Schwestern massiv beeinflusst und nachhaltig geprägt.Ich mag die Aufarbeitung der Eltern-Kinder-Beziehung sowie Schwestern-Verbindung. Sie gehen trotzig miteinander um. Und dann doch wieder zärtlich, vertraut, innig. Mit einem unterschiedlichen Blick auf ihre Kindheit, irgendetwas zwischen Verdrängen und Vergessen. Auch Humor fehlt nicht. Die Vergangenheit verbindet sie, so unterschiedlich sie sein mögen. Ich mag den Schreibstil. Und meine persönliche Quintessenz des Romans: Egal, was war, lass uns nicht ewig an der Vergangenheit abarbeiten oder gar als Entschuldigung für alles sehen. Sondern lass es besser machen, Frieden schließen, nach vorn blicken. Zum Schluss leider zu viel Länge. Per se aber ein gutes Buch, das dazu einlädt, Beziehungen zu beobachten und zu analysieren.