Wes bekommt sein Happyend und das macht mich glücklich. Ein emotionaler Ritt mit High- und Lowlights.
Die "London is Lonely"-Reihe von Anna Savas wird immer als etwas besonderes in Erinnerung bleiben, ist es der Autorin gelungen, in einem doch recht festgefahrenen Genre gegen Prinzipien zu verstoßen und Liebesgeschichten zu erzählen, die ineinander verwoben sind und dadurch eigentlich eine gehörige Portion Realismus eingestreut haben. Auch das Verlagswesen als Basis war immer ein Highlight. Mit "Between Fading Stars" ist nun doch schon wieder das Ende parat und Wes, der in Band 1 unsere Herzen im Sturm erobert hat, bekommt sein eigenes Happyend.Die Aufregung zwischen Band 1 und 2 konnte nur so groß sein, weil Wes als eigenständige Person so gut funktioniert hat. Er hat Maddie zum Strahlen gebracht und auch wenn ich gut mit Savas' Aufbau leben konnte, dass sie nicht die wahre Liebe füreinander waren, so war es doch Band 1, der überhaupt alle erst zu der Reihe hingezogen hat. Dementsprechend war das richtiges Gefühlschaos und so war das Happyend für Wes nur folgerichtig und wichtig. Es gab zuvor auch schon Andeutungen zu Hailey und nun wird die Vergangenheit der beiden ausgerollt und sie bekommen eine zweite Chance. Hailey war für uns so eine völlige Unbekannte, aber gleichzeitig wurde sie doch schnell sehr vertraut. Das liegt natürlich an Savas als Autorin, aber vor allem an dem Fakt, dass sie im Nachwort selbst zugibt, wie persönlich die Geschichte geworden ist, weswegen sich Hailey wohl auch so echt anfühlte. Sie ist eine Autorin wie Savas und durch sie konnte sie ihre eigenen Ängste, Sorgen und Nöte ausleben und uns verstehend darlegen.Auch wenn es auf eine Art schade war, dass wir nicht nochmal so intensiv ins Verlagswesen wie in Band 1 eingekehrt sind, so war die Lesereise ebenfalls eine clevere Art. Es ist eine andere Perspektive auf die Buchwelt, die dazu gehört und sie wurde wunderbar als Background der Liebesgeschichte genommen. Die ganze Reihe ist wirklich eine tolle Hommage und sie wird uns allen lange im Kopf bleiben. Insgesamt kam ich aber dennoch erstmal schwer rein. Was genau Hailey und Wes einst auseinandergetrieben hat, das bleibt natürlich erstmal verborgen, aber es war schon schwierig, Wes' völlige Antipathie zu erleben, aber genau Ähnliches von Haileys bester Freundin gespiegelt zu bekommen. Dann waren die ersten Begegnungen auch maximal seltsam, sodass für mich zunächst kein Lesefluss zustande kam, der mir die logischen Brüche erklärt hätte. Es war zwar auf der Gefühlsebene unwahrscheinlich intensiv, aber es hat mich sehr an den vierten Band von Sarah Sprinz und ihrer Dunbridge Academy-Reihe erinnert. Wenn zu viel gefühlt wird und zu wenig passiert, dann ist mir das emotional irgendwann zu schwer und der Effekt ist hier zunächst auch entstanden. Etwas realistisch darzustellen, lässt sich immer nicht gut lesen und das ist echt ein gemeiner Zwiespalt für Autoren.Mit der Lesereise kam aber mehr Zug rein. Auch wenn das gesamte Buch sehr auf der emotionalen Ebene angesiedelt ist, so haben sich hier Action und Gefühlschaos besser die Klinke in die Hand gegeben. Wir haben immer mehr Andeutungen bekommen und es war auch einfach spannend, wann welcher Schritt zwischen den beiden erfolgt. Ich persönlich fand es für die Lesefreundlichkeit nicht so geschickt, dass die Rückblenden unmittelbar in die Gegenwart eingebunden wurden. Ich hätte eigenständige Kapitel besser gefunden, weil so ging alles zu sehr ineinander über, sodass die Kohärenz nicht immer sofort da war. Aber das war nur ein kleiner Makel. Ich habe das Buch irgendwann immer schneller lesen wollen, was auf jeden Fall ein Kompliment ist. Aber ich muss auch eingestehen, dass ich bei Hailey und Wes jetzt schlechter verstanden habe, warum sie besser funktionieren als Maddie und er. Das ist natürlich sehr subjektiv, aber weil Wes sich einst in eine Version von Hailey verliebt hat, die viel von sich zurückgehalten hat, ist die Vergangenheit arg belastet. Aber für die Gegenwart mochte ich auf jeden Fall die Botschaft, dass sich beide Figuren so entwickelt haben, dass sie jetzt genau richtig füreinander sind und dass sie endlich ehrlich zu sich sein können.Wir haben auch abseits der beiden noch einige Baustellen. Bei Hailey ist das Autorendasein. Ich habe tatsächlich auch noch auf einen Ausflug in die Familiengeschichte gewartet, der das Jetzt betrifft, aber das ist nicht schlimm, denn wenigstens wurde bei Wes alles rund beendet. Das war wichtiger, weil er uns durch alle drei Bände begleitet hat und da fühlt sich das wie der größere emotionale Sieg an.Fazit: "Between Fading Stars" ist für mich emotional ein wilder Ritt gewesen. Er beendet für mich die Reihe absolut richtig, aber es gab auch genug Aspekte, die für mich nicht ideal waren. Aber es wurde auch genug richtig gemacht. Schreiben und Lesen ist einfach so subjektiv und das habe ich hier krass gemerkt. Aber sich so Gedanken zu machen, ist auch etwas, was ich immer mitbekommen möchte. Deswegen ist jeder Band der Reihe absolut empfehlenswert.