Einfühlsamer Roman über Kindheitstraumata, Liebe, Verlust und Ungerechtigkeit
Der Roman entführt uns in die nördlichsten Orte dieser Welt, über den Norden Finnlands bis hin zur Baffin-Insel in Kanada geht unsere Reise. Dabei begleiten wir Unni und Jon, und lernen deren Geschichten kennen. Beide stammen von indigenen Völkern Finnlands bzw. Kanadas ab, sind in den frühen 70ern geboren und jetzt um die 30 Jahre alt. Nach und nach tauchen wir in deren Gedanken ab und erfahren die Ungerechtigkeit, die ihnen, wenn auch in gänzlich verschiedenen Weisen, widerfahren ist. Unni wurde als Kind schwer gehänselt, nachdem ihre Mutter mit ihr in den Süden gezogen ist. Sie hat den Norden immer vermisst und es scheint, als hätte sie nie so ganz zu sich selbst gefunden. Jon war als Kind beliebt im Norden Dänemarks aufgewachsen, jedoch ist ihm schon als Neugeborener große Ungerechtigkeit passiert, was er versucht im Laufe seines Lebens aufzuarbeiten und daran leider eher scheitert. Es geht um die eigene Geschichte, die Last, die man auf den Schultern trägt, das Loslassen der eigenen Kinder und ganz am Rande auch um verzweifelte Liebe, die als eine Art letzter Anker in einer verwirrenden Welt dient. Ein schönes Buch, das sich an mancher stelle verwirrend liest und viele teils seltsame Monologe beinhaltet. Das Thema rund um Unnis Forschungen ist spannend und auch die geschichtliche Einordnung gelingt gut. Unnis Reise tut einem fast noch mehr leid als Jons, sie ist ein wenig greifbarer und wirkt unglaublich heimatlos und verzweifelt, wohingegen ich Jons Leid nicht so ganz greifen konnte. Viel mehr trifft einen da die Geschichte seiner Mutter, die anschaulich und liebenswert geschildert wird und einen sehr bedrückt zurück lässt. Ein weiteres zentrales Thema ist der Verlust der Natur und das Menschen, die der naturnah und eher abgelegen leben, wie in dem Buch die Samen oder Inuit, das teilweise viel besser einordnen können und erleben, als in großen Metropolen lebende Leute, von denen dieser Wandel viel weiter entfernt ist. Der sich wandelnde und verschwindende Lebensraum dient als eine Art Metapher der Machtlosigkeit für z.B. verschwindende Sprachen der Inuit oder Samen oder die komplette Auslieferung ans System.