Ehrlich gesagt, war ich mir zu Beginn nicht ganz sicher, was mich bei "Blaue Romanze" erwarten würde. Der Titel klingt leicht, ein bisschen verspielt, und auch der Einstieg lässt zunächst auf eine eher klassische Liebesgeschichte hoffen. Doch recht schnell wird klar, dass Nora Haddada mehr erzählen will als nur eine Romanze.Im Zentrum steht eine junge Frau, die in einer Karaokebar, mehr oder weniger zufällig, auf einen Mann trifft, der eine größere Rolle in ihrem Leben spielen wird, als sie zunächst ahnt. Dieses erste Zusammentreffen ist unspektakulär und gerade deshalb glaubwürdig: kein großes Drama, kein filmreifer Moment, sondern ein vorsichtiges Annähern, begleitet von Musik, Gesprächen und einer spürbaren, aber zurückhaltenden Anziehung. Aus diesem Abend entwickelt sich eine Beziehung, die langsam Form annimmt und die Protagonistin dazu zwingt, sich mit ihren eigenen Erwartungen, Ängsten und alten Verletzungen auseinanderzusetzen.Im weiteren Verlauf begleitet der Roman die beiden durch eine Phase des Kennenlernens, in der Nähe und Distanz immer wieder neu ausgehandelt werden. Haddada zeigt, wie frühere Erfahrungen und ungeklärte Gefühle aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirken und Entscheidungen erschweren. Dabei geht es weniger um große Wendepunkte als um leise Verschiebungen, um Zweifel, Unsicherheiten und die Frage, ob und wie sich zwei Leben wirklich miteinander verbinden lassen. Die große Stärke des Romans liegt in seiner Stimmung. Nora Haddada findet oft schöne, fast poetische Bilder und erzählt emotional, ohne ins Übertriebene zu kippen. Besonders die nachdenklichen Passagen, in denen die Protagonistin ihr eigenes Verhalten reflektiert, wirken authentisch und nachvollziehbar. An manchen Stellen bleibt das Buch jedoch eher an der Oberfläche hängen. Einige Konflikte zwischen den beiden werden zwar angedeutet, mehr passiert dann aber nicht. Auch die Nebenfiguren bleiben für die Leserschaft eher "unscharf".Fazit:Ein ruhiger, angenehm zu lesender Roman, der mit Atmosphäre und Gefühl überzeugt.