Mit The House Saphir - Der blutige Schlüssel greift Marissa Meyer das düstere Märchen von Blaubart auf und mit einem verfluchten Anwesen, einem rastlosen Geist und einer jungen Frau mit einer ungewöhnlichen Gabe sind die Zutaten für eine atmosphärische Gothic-Romantasy definitiv vorhanden. Im Mittelpunkt steht Mallory, die zwar keine echte Hexenmagie besitzt, dafür aber Geister sehen kann. Als sie den Auftrag erhält, das Haus Saphir von einem uralten Fluch zu befreien, beginnt ein Spiel aus Täuschung, Vergangenheit und dunkler Magie.
Die Ausgangsidee macht einen sofort neugierig. Eine Neuinterpretation von Blaubart, kombiniert mit Spukhaus-Atmosphäre und einer Protagonistin, die zwischen Betrug und echter übernatürlicher Gabe steht, klingt vielversprechend. Gut gelungen ist auch das Setting. Das alte Anwesen wirkt lebendig, düster und stellenweise herrlich unheimlich. Die Mischung aus Geistern, Fluch, Magie und leichtem Humor sorgt zudem für eine unterhaltsame Grundstimmung. Mallory bringt mit ihrer schlagfertigen, teilweise etwas überstürzten Art Dynamik in die Handlung. Ihre Fähigkeit, Geister zu sehen, ist ein spannender Ansatz, auch wenn ihre Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar wirken. Die Nebenfiguren, insbesondere einige der übernatürlichen Gestalten, stechen teilweise stärker hervor als die romantische Komponente der Geschichte. Die Beziehung zwischen Mallory und Armand entwickelt sich solide, bleibt emotional jedoch etwas auf Distanz. Die Handlung selbst bewegt sich größtenteils auf vorhersehbaren Pfaden, gegen Ende zieht die Spannung jedoch spürbar an und liefert ein rundes, zufriedenstellendes Finale ohne übermäßige Cliffhanger. Als Märchenretelling bleibt die Interpretation eher zugänglich als tiefgründig und ist vor allem atmosphärisch stark.
Eine solide, stimmungsvolle Romantasy mit Gothic-Elementen, die vor allem durch ihr Setting und ihre Grundidee überzeugt. Man wird hier gut unterhalten mit Spukhaus-Vibes, Hexenflair und einer Prise Humor.