
Eine Umarmung tut allen gut.
Konrad Kröterich von Keks lebt allein. Er liebt es, sich mit seinem Spiegelbild zu unterhalten und staunt, was für ein amüsanter Gesprächspartner er doch ist. Eines Tages wachter auf und ruft zu sich selbst. »Ich habe von der schönsten Umarmung geträumt". Sofort macht er sich auf die Suche. Die Giraffe Georgette hat einen zu langen Hals, er rutscht bei der Umarmung mit ihr immer wieder von oben nach unten. Mit dem Goldfisch Geri ist es Konrad zu nass. Er versucht es mit anderen Tieren. Doch manche Umarmung ist zu weich, zu hart, zu eng, zu wild. Und manch einer kann er kaum entkommen. Am Ende des Tages ist Konrad entmutigt. Mit einer Anzeige in der Zeitung ruft er schließlich zu einer spektakulären Umarmungsaktion im Stadtpark auf. Würde er hier die vollkommene Umarmung finden? Konrads Umarmungsversuche mit den verschiedensten Bewerbern sind irgendwie ansteckend. Plötzlich beginnen alle im Park Anwesenden einander zu umarmen. Eltern ihre Kinder, Freunde ihre Freunde, ja sogar Fremde nehmen sich in die Arme. Gerade noch rechtzeitig erkennt Konrad Kröterich, dass die perfekte Umarmung auch etwas mit Loslassen zu tun hat.
Eine feinsinnige Geschichte des international bekannten Musikers Oren Lavi kongenial von der Künstlerin Anke Kuhl illustriert.
Besprechung vom 26.05.2026
Aber bitte mit Liebe
Oren Lavies und Anke Kuhls Konrad Kröterich macht sich auf die Suche nach einer Speise, die besser schmeckt als sein Freund Freddie, die Fliege
Konrad Kröterich von Keks ist eine gutmütige, aber ichbezogene Figur. Er meint es nicht böse, doch gegenüber dem Hahn, der die wöchentlichen Treffen der "Anonymen Amigophagen" leitet, einer Selbsthilfegruppe für Tiere, die genau jene Tiere zu ihren besten Freunden zählen, die zugleich ihre Leibspeisen sind, kann er sich nicht zurückhalten: "Du hast leicht reden! Du frisst ja auch keine Fliegen!", herrscht er ihn an, bevor er die Versammlung polternd verlässt. Der Kröterich möchte sich nicht belehren lassen. Er muss seine eigenen Erfahrungen machen.
Was könnte noch besser schmecken als eine Fliege? Das ist die Frage, mit der Konrad Kröterich von Keks der Reihe nach alle seine Freunde aufsucht - genauso wie er es bereits im ersten Abenteuer getan hat, das der in Tel Aviv geborene Musiker und Autor Oren Lavie dem Kröterich auf den Leib schrieb. Für "Konrad Kröterich und die Suche nach der allerschönsten Umarmung" wurde Lavie gemeinsam mit der Illustratorin Anke Kuhl vor zwei Jahren für den deutschen Kinder- und Jugendbuchpreis in der Sparte Kinderbuch nominiert. Der nun erschienene, zweite Band ist analog zum Vorgänger aufgebaut. Die Suche nach der "allerleckersten Mahlzeit" führt Konrad Kröterich auch diesmal als Erstes zu seiner Freundin, der Giraffe, deren Salat aus trockenen Blättern er "grässlich" findet. Bei Ratte, Pferd und Bücherlaus schmeckt es nicht besser.
Dass Oren Lavie und Anke Kuhl nicht zum ersten Mal miteinander arbeiten, legt die dramaturgisch geschickt aufgebaute Text-Bild-Komposition nahe. Lavie schreibt immer wieder und offenkundig mit Absicht so, dass Kuhl den Raum bekommt, durch ihre, wie üblich mit dunkler Tusche vorgezeichneten und am Computer colorierten Zeichnungen, eigene Bildgeschichten zu erzählen. Diese ganzseitigen, manchmal wie Comics in kleine Panels unterteilten Bilder zeigen Konrad Kröterich auf einer Suche, die alles andere als eine Vergnügungsreise ist. Missmutig sieht er aus, als er in die Höhle des Maulwurfs hinabsteigt, von der leeren Küche über den Fitnessraum und das Schlafzimmer bis in die Kellerwerkstatt; schreiend läuft er vor den grimmigen Eichhörnchen davon, die ihn mit ihren Nüssen bewerfen; die Wolfsmutter knurrt ihn zum Teufel; die elegante Storchenfamilie verspeist seine Artgenossen.
Am Ende und auch in dieser Dramaturgie bildet "Konrad Kröterich und die Suche nach der allerleckersten Mahlzeit" eine Fortsetzung, die nahelegt, dass die Bilderbücher über dieses Tier mit seiner ganzen, sehr menschlich anmutenden Obsessivität das Potential haben, sich zu einer Buchreihe auszuwachsen, findet er sein Glück natürlich dort, wo er es nicht gesucht hat. Und er versteht es sogar zu teilen. Nicht nur mit Freddie, der Fliege. LENA BOPP
Oren Lavie, Anke Kuhl: "Konrad Kröterich und die Suche nach der allerleckersten Mahlzeit".
Aus dem Englischen von Mathias Jeschke. Fischer Sauerländer, Frankfurt 2026. 40 S., geb., 17,- Euro. Ab 4 J.
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