Wie habe ich Beatrice Salvionis ,Malnata' (Penguin 2024) geliebt! Die Geschichte des widerborstigen Mädchens Maddalena: die Unheilbringende, von der Gemeinschaft verstoßen, gemieden, beschimpft. Auch eine Geschichte der Freundschaft, denn für Erzählerin Francesca ist Maddalena der wichtigste Mensch im Leben. In ,Malacarne' treffen wir erneut auf die Freundinnen, nunmehr erwachsen im faschistischen Italien der 1940er Jahre, in dem die Freundschaft der ungleichen jungen Frauen auf viele harte Proben gestellt wird. Salvioni hat offenbar viel recherchiert über die Jahre des 2. Weltkriegs in Italien, über Faschismus, Mitläufertum und italienischen Widerstand, schon von daher eine interessante und lehrreiche Lektüre. Auf fast 500 Seiten treffen wir auf aus ,Malnata' Bekannte, lernen aber auch sehr viele neue Personen kennen, was manchmal ein bisschen unübersichtlich wird. Die energisch-zornige Erzählstimme, feministisch gesellschaftskritisch, manchmal fast schnoddrig und ergänzt durch lebensnahe Dialoge, erwacht erneut zum Leben, aber die Geschichte wird sehr breit aufgefächert und verliert ein wenig von der Energie, die ,Malnata' so mitreißend gemacht hat. Klar wollten wir wissen, wie die Geschichte weitergeht und dahingehend werden wir auch nicht enttäuscht. Insgesamt wäre von allem ein bisschen weniger mehr gewesen. Trotzdem: unterhaltsam, kritisch und voller Kraft und kluger Gedanken: ,Wir alle leben in den Ruinen der Vergangenheit: Jeder hat seine eigenen Tricks, um sie zu verdrängen.' Ob das auf Dauer gut geht?