Zu viel gewollt und zu wenig gekonnt, I'm sorry
Ich habe wirklich wirklich lange kein Buch mehr gelesen, über das ich mich so aufregen wollte, wie über dieses.Worum geht's? Die Grundidee ist so simpel wie bewährt. Mädchen aus dem Armenviertel des Königreichs (?) ist super klug und bekommt ein Stipendium für die Elite-schule. Doch schon an ihrem ersten Tag wird klar ~es ist nichts so wie es scheint~.Mild Spoiler für die ersten 300 Seiten des Buches!!!Als mir das Buch in die Hände fiel und ich die Trigger Warnung und so gelesen habe, war ich sehr sehr skeptisch, aber ich habe ein Stück reingelesen und habe festgestellt (wobei viele geschrieben haben, dass sie lange gerätselt haben, also liege ich da vielleicht auch falsch), dass die x-Boys Vampire sind und bei Vampiren bin ich immer dabei.Das erste was mich gestört hat, und das fing schon an, bevor sich die beiden Hauptfiguren das erste mal begegnet sind, war das world Building. Was soll das für ein Königreich sein? Also erstmal steht auf der Karte, dass die Insel zwischen der Ostsee und Schottland liegt? Geografisch unwahrscheinlich. Dann beschreibt sie, wie sie vor ihrem Spiegel steht (was ich auch als einen sehr sehr unmotivierten Einstieg in die Geschichte wahrnahm) sich ihre billige Plastik-Lichterkette ansieht, die Treppen von ihrem Cottage (!!!) runtereilt und uns dann mitteilt, dass es sonst nie so etwas gutes zum Frühstück gibt wie diese Eierkuchen, und dass die Leute bei den Steinbrechen ganz nah am Gefängnis und den Folterkammern (!!!) des Königreichs arbeiten. Hier sind Welten aufeinander gekracht. Einerseits sollte die Geschichte anscheinend in einem modernen Setting spielen mit U-Bahn, Autos. Handys etc. andererseits sollte wohl auch ein Gefühl der Unterdrückung geschaffen werden, wie in Panem. Das ist leider vollends missglückt. Wenn man will, dass die Leser wissen und auch fühlen, dass das Königreich totalitär und die Königsfamilie korrupt ist, dann ist der Weg dorthin nicht, es von dem FMC alle par Seiten erwähnen zu lassen, dass "wir denen da oben egal sind", "sie uns wie Dreck behandeln" etc. In einem System, in dem Beleidigungen gegen den König wirklich verboten sind, hätte ihr Bruder niemals am Telefon so sprechen können. Nicht in einem Land, in dem es so viel Überwachung gibt, dass der Fernseher immer nur funktioniert, wenn Meldungen aus dem Palast kommen. Außerdem würde ein Mensch, der tatsächlich unter so widrigen Bedingungen aufgewachsen ist, nicht nach ein paar Tagen anfangen, sich mit den Reichen zu betrinken und sich dem gossip anschließen. Überhaupt nicht so schnell ihre am Anfang so häufig betonten Prinzipien bezüglich "nicht auffallen" und "unterm Radar laufen" über den Haufen werfen.Das war der erste Punkt, der schlecht umgesetzt war und sich trotzdem durch das ganze bisherige Buch zog. Die vulgäre Sprache wird von allen in den Rezensionen erwähnt und ich stimme zu. Grafischer Schreibstil und mehr Beleidigungen als üblich sind ja nicht das Problem, aber dennoch muss man die Sprache aller Figuren auf sie anpassen. Wessen Oma sagt denn "ich bin ein abgefucktes Stück Scheiße"? Ich verstehe auch, dass das Buch sehr unapologetic sein soll, aber in dem Brief, den die Oma an sie geschrieben hat, als sie für ihre Oma gerade 6 Jahre alt war und die Oma Anspielungen darauf macht, dass sie sich nicht zu sehr von Calix durchnehmen lassen soll? Eww.Die Kontinuitätsfehler haben mich auch mit der Zeit zunehmend gestört. In einer Szene trägt sie ne Jogger und zwei Sätze später hot Pants, Einmal schreibt sie, sie habe den ganzen Vormittag Bücher gewälzt und eine Seite später, dass sie den ganzen Vormittag Shay gesucht hätte..?Dann kommen noch so Sachen dazu, die mir einfach zu realitätsfern waren. Sie sticht sich an einer Diestel und leckt sich danach das Blut von den Fingern? blutige Finger von einer Diestel?Es gab noch mehr Sachen, die mich inhaltlich gestört haben, aber die haben dann doch eher damit zu tun, dass dark romance/romantasy einfach nicht mein Genre ist. Obwohl die Gewalt hier trotzdem sehr inhaltslos und ohne Zusammenhang stand. Einfach nur Gewalt für den Schock. Das ist kein gutes Schreiben, das ist dann nur noch Clickbait. I'm sorry.Calix als Figur hat sich außerdem unstet angefühlt. Mal ist er sehr anzüglich, spicy, flirty und dann ist er eklig, grenzüberschreitend und weird. Nur weil die Autorin in ihrem Vorwort schreibt, dass ihr Protagonist kein weiches Herz hat sondern einfach so ist wie er ist, ist das leider keine Entschuldigung dafür einen unausgeglichenen, unlogischen und unreflektierten MMC zu schreiben.Ich könnte für jeden der Punkte noch viel mehr Beispiele aufzählen, aber die Kritik ist klar, denke ich.Die Grundidee hat mir dennoch gefallen bzw. nein ich habe nur gedacht, bei so vielen angefangenen Konflikten und unerklärten Mysterien, muss der Plot dahinter doch ultra krass sein und die Aufklärung mind blowing. Deswegen habe ich zunächst weiter gelesen, aber bin doch froh, jetzt abgebrochen zu haben, da ich einige male gelesen habe, dass nicht einmal die Hälfte der Fragen, die entstehen, auch aufgeklärt werden.