Ein Thema was einen wichtigen Aspekt der Rückführung anspricht. Mit Humor aber auch dem nötigen Ernst geht es um wichtige Entscheidungen.
Nadia bekommt einen Job in der UN angeboten, ihre Aufgabe führt sie in den Iran. Dort ist Nadia zuständig, dass Frauen, die dem IS gedient haben, in die Gesellschaft, in ihr Land, zurückzuführen. Doch diese Aufgabe ist alles andere als leicht und flott abzuwickeln. Und die junge Sarai hat ein ganz eigenes Schicksal was Nadia zu Entscheidungen zwingt..."Ich hasste es, eine Religion verteidigen zu müssen, an die ich nicht einmal glaubte. Al- Qaida, al-Shabaab, Boko Haram, IS....Diese Männerbanden, die ihre phallischen Waffen schwenkten und alle anderen damit in Schwierigkeiten brachten." (Seite 29)Das Debüt der Autorin Nussaibah Younis hat mich vom Klappentext sehr angesprochen und das Thema interessiert und polarisiert, zeitweise.Der Schreibstil ist herrlich. Er hat den Humor, auch den bissigen, an den richtigen Stellen. Aber auch der Ernst der Lage wird nicht heruntergespielt oder verkannt, sondern auf den Kopf spitz getroffen.Wir haben Nadia, selbst im muslimischen Glauben großgezogen, begann aber, mit der Zeit, sich mit diesem Glauben auseinander zu setzen und sich von ihm abzuwenden. Sehr zum Leid ihrer Mutter. Dann zerbricht noch ihre Beziehung zu Rosy und somit ist der Job im Iran eine willkommene Abwechslung.Sara hingegen kommt ebenfalls aus London, wie Nadia, aber sie fühlte sich mit 15 Jahren nicht beachtet und ernst genommen, der Rassismus im Alltag setzte ihr zu und die Versprechungen ihres Freundes klangen so vielversprechend.Nadia und Sara könnten nicht unterschiedlicher sein und doch haben sie einige Gemeinsamkeiten die mehr als über den Glauben hinausgehen. Beide haben mich begeistert, schockiert und amüsant unterhalten.Wir erleben durch Nadia den Iran, die uneinige Arbeit der UN mit anderen Ländern und Staaten und dass die Rückführung alles andere als einfach werden wird. Was die verschiedenen Frauen erlebt haben und warum sie sich dem IS angeschlossen haben, das wird kurz beleuchtet. Doch das Augenmerk liegt hier auf der Zwischenbeziehung von Nadia und Sara. Sara spricht in gewisser Weise für viele Frauen. Diese Geschichte beschönigt und verherrlicht gar nichts. Das Leben im Iran ist alles andere als leicht, die Frauen müssen beweisen dass sie sich dem IS abgewandt haben, dass sie keine radikalen Glaubensbekenntnisen mehr nachjagen.Gerade der Aspekt des Glaubens und der Gemeinschaft dazu fand ich unglaublich gut dargestellt. Denn auch Nadia wird missverstanden und von ihrer Familie, gerade von ihrer Mutter, Verstößen und gemieden. Es ist in gewissen Kreisen auch nicht leicht nochmals bei Null zu beginnen, den eigenen Drang und Glauben nach hinten zu stellen um aufeinander zugehen zu können.Zurück in das "alte", früher gelebte Leben ist schwer. Und gerade dann wenn ein Land einem Rückkehrer nicht die Möglichkeiten und Chancen anbietet. Als Nadia Sara ihre eigene, nicht abgesprochene Hilfe anbietet, auch, um die kleine Tochter von Sara zu retten, gerät das Leben von beiden ins Stocken und Wanken und während das Misstrauen wächst, kehrt eine zu ihrem starken Glauben zurück.Das Buch zeigt wirkungsvoll und sehr eindrücklich dass es nicht ausreicht nur zu reden. Dass viele Parteien und die Personen, die es betrifft, an einen Tisch kommen müssen. Dass ein stabiles Umfeld das Zurückkehren umso angenehmer macht, einen neuen, sicheren Hafen schaffen kann.Wo liegen die Ursachen, dass sich gerade Frauen dem IS anschließen? Was sind die Auswirkungen auf sie, auf die Gesellschaft, auf ihr weiteres Leben?Nussaibah Younis hat ein tolles, berührendes Debüt hingelegt was sich toll und interessant liest.