Bewegender Auftakt einer Familiensaga
Schwesternland ist der Auftakt einer vierteiligen Familiensaga von Katharina Fuchs und erscheint im Droemer Verlag.Inhalt: Antonia kehrt zum 100. Geburtstags ihrer Großmutter in das Ferienhaus der Familie im Havelland zurück. Auch ihre Schwestern Chiara, Elisa und Lucia wird sie wieder sehen. Erinnerungen an ihre Kindheit werden wach sowie der schmerzhafte Verlust durch den frühen Tod ihres Vaters. Unter den Geschenken gibt es ein Ahnengutachten ihrer Vorfahrin Jeanne Beauvais, einer Hugenottin aus dem Lyon des 17. Jahrhunderts, die ihre Heimat verlor und in Berlin-Brandenburg seßhaft wurde. Um mehr über ihr Leben zu erfahren, reist Antonia nach Lyon und verfolgt ihre Familiengeschichte. Welche Geheimnisse sie dort entdeckt und wie sich ihr eigener Weg entwickelt, müsst ihr selbst lesen.Katharina Fuchs erzählt die Geschichte in einem fließenden, bildhaften und mitreißenden Schreibstil, der mich total vereinnahmt hat. Es gibt zwei Zeitebenen: Im 17. Jahrhundert begleiten wir Jeanne auf ihrer gefährlichen Flucht von Lyon bis nach Berlin-Brandenburg. In der Gegenwart folgt die Handlung Antonia, die den Spuren ihrer Vorfahrin nachgeht, dazu reist sie nach Leon. Die Perspektiven wechseln zwischen Jeanne und Antonia. Ich fand beide Zeitebenen gleichermaßen spannend und auch sehr berührend.In der Gegenwart lernen wir Antonias Familie kennen, ihre Großmutter, ihre Mutter und die drei Schwestern Chiara, Elisa und Lucia. Das Haus der Großmutter ist Heimat, Geborgenheit - ihr "Schwesternland". Die Beschreibungen und Erinnerungen an die Kindheit der Geschwister fand ich total schön. Ein weiterer Erzählstrang sind die Umstände um dem Tod des Vaters, den Verlust und welche unterschiedlichen Wege die einzelnen Familienmitglieder mit ihrer Trauer gewählt haben.Besonders gefesselt hat mich Jeannes Geschichte. Katharina Fuchs schildert eindrucksvoll den Leidensweg der jungen Hugenottin, die auf ihrer Flucht nahezu alles verliert und trotzdem nie aufgibt und die Hoffnung verliert. Die historischen Ereignisse sind authentisch dargestellt und machen deutlich, welcher Verfolgung die Hugenotten ausgesetzt waren. Gerade die Parallelen zu aktuellen Themen wie Flucht und Vertreibung regen hier sehr zum Nachdenken an und verleihen dem Roman eine besondere Tiefe.Die Geschichte lebt von einer Vielzahl von Figuren, trotz der beträchtlichen Anzahl fiel es mir leicht, den Überblick zu behalten. Auch die Nebenfiguren, die sowohl Antonia als auch Jeanne auf ihren Weg begleiteten, fügen sich perfekt in die Geschichte ein. Durch viele Begegnungen eröffnen sich völlig neue Blickwinkel und Perspektiven und machen die Geschichte um so abwechslungsreicher.Fazit: das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt - eine Familiengeschichte über Glaube, Herkunft, Verlust, Neuanfang und Zusammenhalt. Schwesternland - der Auftakt einer grandiosen Familiensaga verdient eine ganz große Leseempfehlung. Ich freue mich sehr auf den nächsten Band, Chiara's Geschichte.