Zuerst einmal: Band 2 kann problemlos unabhängig von Band 1 gelesen werden. Die Geschichten bauen inhaltlich nicht direkt aufeinander auf. Der Einstieg fällt leicht, der Charakteraufbau gelingt sehr gut, und man kann sich schnell in Grace hineinversetzen. Die Autorin schafft es, alle wichtigen Informationen, die Leserinnen und Leser eventuell aus dem ersten Band vermissen könnten, geschickt und unaufdringlich in die Handlung einzustreuen.
Meine Tochter hat den ersten Band regelrecht verschlungen und wollte unbedingt auch Band 2 lesen. Diesmal habe ich dank des Rezensionsexemplars mitgelesen und kann ihre Begeisterung absolut nachvollziehen. Das Buch bietet eine gelungene Mischung aus Abenteuer und Kriminalfall vor historischem Hintergrund. Außerdem werden Themen wie Freundschaft, Loyalität und auch Klassenunterschiede beispielsweise durch Grace' Freunde Ellie und Massou aufgegriffen. Das hat mir besonders gut gefallen, da diese Aspekte die Geschichte zusätzlich bereichern.
Besonders spannend fand ich die Handlung rund um das Verschwinden von Lady Sarah. Grace beschließt kurzerhand, sich als Junge zu verkleiden und mit Unterstützung ihres Freundes Massou auf ein verdächtiges Segelschiff zu schleichen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Diese Szenen waren nicht nur spannend, sondern teilweise auch sehr unterhaltsam. Ich fand es herrlich, wie schwer es einer jungen adeligen Dame fällt, sich plötzlich wie ein einfacher Arbeiter zu verhalten. Gleichzeitig zeigt Grace hier aber auch viel Mut und Entschlossenheit, denn trotz ihrer Ängste setzt sie alles daran, ihre Freundin zu retten. Das macht sie als Hauptfigur noch sympathischer.
Die Autorin verfügt über einen tollen, mitreißenden und sehr bildlichen Schreibstil. Durch die Tagebuchform erfährt man viel über Grace' Gedankenwelt, Gefühle und Vorstellungen, wodurch sie als Figur besonders nahbar wirkt.
Auch die Beschreibungen der Hofjungfern von Königin Elisabeth I. sind sehr lebendig. Ich konnte mir die Figuren und das Hofleben richtig gut vorstellen. Immerhin treffen hier viele Teenager mit ganz unterschiedlichen Charakteren aufeinander, was natürlich für jede Menge Trubel, Spannungen und Reibereien sorgt.
Grace selbst ist mir sehr sympathisch. Sie wirkt bodenständig, pragmatisch und wie eine echte No-Nonsense-Person, was sich auch in ihrer Art zu erzählen widerspiegelt. Besonders amüsant fand ich ihre Schilderungen der Streitereien zwischen Lady Sarah und Lady Jane. Die Wetten einiger Hofjungfern darüber, welche der beiden zuerst handgreiflich werden könnte, sorgen immer wieder für humorvolle Momente.
Wir werden die weiteren Bände auf jeden Fall ebenfalls lesen und freuen uns schon darauf, Grace bei ihren nächsten Abenteuern zu begleiten.