Ich habe "Tinte und Schwert - Verwandlung" von Matthias Soeder wirklich gerne gelesen.
Die Geschichte spielt ab 1618, mitten im Dreißigjährigen Krieg. Jacob Wolffen verliert durch die Gewalt des Krieges seine Familie und damit eigentlich auch sein bisheriges Leben. Sein Wunsch Priester zu werden wird vorerst zerstört und er landet schließlich in der Armee. Dort muss er lernen, als Soldat zu überleben. Auf diesem Weg begegnet er Anna, einer Heilerin. Nach und nach wird aus dem jungen, frommen, eher zurückhaltenden Jacob ein selbstbewusster, entschlossener Mann, der für das kämpft, was er für richtig hält.
Die Entwicklung von Jacob hat mir sehr gut gefallen. Im Buch geht es viel um Rache und Schuld, ich habe Jacobs Antrieb aber eher als sein Wunsch nach Gerechtigkeit empfunden. Er muss immer wieder entscheiden, wie weit er dafür gehen darf. Oft habe ich mich gefragt, wie ich entschieden hätte. Die typischen Themen aus der damaligen Zeit spielen dabei eine große Rolle. Frauen hatten es nicht leicht und standen sehr schnell unter Hexenverdacht. Damit kämpft auch Anna. Jacob merkt auch hier schnell, dass er an seine Grenzen zwischen Wissen und Glauben stößt. Die Darstellung der Hexenverfolgung, der gesellschaftlichen Verhältnisse und des Einflusses der Kirche wirkt glaubwürdig, ohne unnötig ausgeschmückt zu werden. Die Grausamkeiten werden spürbar, lassen aber genügend Raum für die eigene Vorstellungskraft. Mein Kopfkino hat den Rest dazu beigetragen und noch lang nachgehallt. Ich habe so oft mit Jacob mitgefühlt. Ohne zu spoilern bin ich froh, wie er sich entschieden hat.
Und dann ist da noch Ulrich. Bei ihm wusste ich bis zum Schluss nicht so richtig, woran ich bin. Freund? Gegner? Irgendwie beides. Genau solche Figuren machen eine Geschichte für mich interessant.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Das Buch lässt sich angenehm und flüssig lesen und war für mich durchgehend spannend. Ich wollte immer wieder wissen, wie es weiter geht. Es gibt viele Dialoge, aber auch Beschreibungen der Orte, des Lebens und natürlich des Krieges. Gerade die Einblicke in das damalige Soldatenleben fand ich interessant. Wie Truppen organisiert waren und gekämpft haben, wurde so beschrieben, dass man sich das gut vorstellen konnte. Man merkt, dass der historische Hintergrund gut recherchiert wurde. Trotzdem liest es sich nicht wie ein Geschichtsbuch.
Das Ende hat mich dann ziemlich kalt erwischt und lässt einige Fragen offen. Deshalb steht für mich fest, Band 2 möchte ich auf jeden Fall lesen. Ich muss natürlich wissen, wie es weitergeht.
Eine klare Leseempfehlung von mir. Übrigens auch für alle, die sonst nicht unbedingt historische Romane lesen.