Nach dem Cliffhanger aus Band 1 war ich natürlich gespannt, wie es mit Velvet und Kashmere weitergeht, und ich muss sagen, Band 2 legt in einigen Punkten nochmal ordentlich zu. Die Geschichte wird größer, düsterer und gleichzeitig auch emotionaler. Besonders der Weltenaufbau hat mir wieder richtig gut gefallen. Das Zusammenspiel aus Göttern, Göttersöhnen, Hexen, Dämonen, Dämonenreitern und den Ataxía wirkt komplex, ohne dass die eigentliche Geschichte komplett darin untergeht. Ich mag besonders diese Mischung aus unserer modernen Welt und den ganzen übernatürlichen Strukturen, weil dadurch etwas Eigenes entsteht und sich die Welt gleichzeitig immer weiter öffnet.
Velvet war für mich wieder eine der großen Stärken. Sie ist tough, schlagfertig und definitiv keine Protagonistin, die sich einfach herumkommandieren lässt. Gleichzeitig bekommt man in diesem Band noch mehr von ihrer verletzlichen Seite zu sehen, ohne dass sie dadurch plötzlich ihre Stärke verliert. Gerade diese Mischung fand ich sehr gelungen. Auch Kashmere entwickelt sich weiter und seine Beziehung zu Velvet bleibt alles andere als einfach. Vertrauen, Verletzungen und die ganzen unausgesprochenen Dinge zwischen den beiden sorgen immer wieder für Spannung. Die beiden funktionieren für mich gerade deshalb so gut, weil ihre Beziehung nicht einfach nur aus romantischen Momenten besteht.
Auch die Nebencharaktere konnten mich wieder überzeugen. Vor allem Monty bringt immer wieder genau die richtige Portion Humor mit und lockert die teilweise ziemlich düsteren und emotionalen Szenen auf. Einige Figuren hätten für meinen Geschmack trotzdem noch etwas mehr Raum bekommen können, gerade weil die Welt inzwischen so viele verschiedene Parteien und Charaktere umfasst.
Insgesamt passiert stellenweise wirklich sehr viel auf einmal. Dadurch hatte ich manchmal das Gefühl, dass einzelne Entwicklungen etwas schnell abgehandelt wurden und ich mir an manchen Stellen ein bisschen mehr Ruhe gewünscht hätte. Auch die ganzen Machtstrukturen, Bündnisse und Hintergründe können teilweise etwas überwältigend sein. Gleichzeitig sorgt genau dieses Tempo aber auch dafür, dass es eigentlich nie langweilig wird.
Für mich ein spannendes, emotionales und sehr bildhaftes Finale mit starken Charakteren, einer interessanten Welt und einigen richtig guten Wendungen. Nicht alles hat mich gleichermaßen abgeholt und an manchen Stellen war mir die Geschichte etwas zu vollgepackt, aber insgesamt hat mir der Abschluss der Dilogie gut gefallen und vor allem Velvet ist mir definitiv im Kopf geblieben.