Tilla und Rena sind beste Freundinnen, zumindest glaubt Tilla das. Denn als Rena plötzlich verschwindet, stellt Tilla fest, dass kaum etwas von dem, was Rena erzählt hat, wahr ist. Die Mädchen wachsen in Halle, in der noch jungen DDR auf. Tilla glaubt fest an das System, sie ist überzeugt, dass ihr Papa aus dem Krieg nur dank Stalin zurückkehren konnte. Und so nimmt sie die Gründe, warum sich Freundinnen aus der Klasse zurückziehen, nicht wahr. Nur mit Rena ist sie glücklich. Als sich aus der Klasse dann Roman, aus einer ebenfalls hundertprozentig überzeugten Familie und Sohne des Polizeichefs der Stadt, beginnt, sich für Tilla zu interessieren, beschäftigt sich auch Tilla langsam mit sich, ihrem Umfeld und beginnt Fragen zu stellen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Rena und stoßen auf eine Wand voller Hindernisse und Geheimnistuerei. Dies alles passiert in der Zeit, als sich die Arbeiter im Staat langsam offen zusammentun und beginnen sich gegen, mehr oder wenige sinnhafte Vorgaben zu wehren. Tilla beginnt zu begreifen, dass sie auch ihren Vater nicht richtig eingeschätzt hat. Sie beginnt zu hinterfragen und lernt, selbst Schlüsse zu ziehen und zu erkennen. Wie weit geht sie und kann sie feste Überzeugungen zugunsten von Freundschaft und Wahrheit aufgeben?
In der Erzählung begleiten wir Tilla von einem doch recht naiven jungen Mädchen auf dem Weg, sich eine eigene Meinung zu bilden, Dinge zu hinterfragen, auch kritisch, berechtigte Zweifel zu teilen und letztlich für sich Entscheidungen zu treffen. Im Vordergrund steht die Freundschaft um die beiden Mädchen. Nach und nach klärt es sich auf, wie es dazu kam und was eigentlich passiert ist. Bei den Zeitsprüngen musste ich daher ab und an zurückblättern, in welchem Monat wir uns gerade befinden. Aber die Geschichte hat mir gut gefallen. Das Unrecht, der fast Zwang zum Gehorsam, der Ideologie zu folgen, kam dabei sehr gut raus, ohne dominant zu sein oder zu offensichtlich, sondern hat sich geschickt einweben lassen in die Handlung. Dabei lässt diese auch Spielraum für eigene Interpretationen. In welche Richtung der Roman geht, kommt erst im Laufe des Buches heraus. Begonnen bei einer Mädchenfreundschaft, hin zu Zweifeln, ob Rena je existierte bis hin zum politischen Hintergrund machen wir beim Lesen eine Reise mit. Große Empfehlung.