Die Gestaltung des Buches finde ich recht gut, vor allem weil ich das Cover wirklich schön finde. Es passt nicht perfekt zum Inhalt des Buches, allerdings dafür zu den anderen Teilen der Reihe. Allerdings hätte ich es besser gefunden, wenn man diese Ausgabe besonders gestalten wollte, besser einen Farbschnitt als eine Papierummantelung der Seiten. Diese ist leider schon beim ersten Öffnen des Buches verknickt und war auch beim Lesen immer wieder im Weg, sodass ich sie letztlich mit ein bisschen Knicken hinten im Buch untergebracht habe, was vermutlich nicht komplett Sinn der Sache war. Ein Farbschnitt ist für das Buch nicht unbedingt notwendig, wäre hier aber zumindest deutlich praktikabler gewesen.
Die Geschichte fand ich erst einmal vielversprechend: Nach einem enttäuschenden Monat in Afrika kehrt Kommissarin Pia Sander in den Taunus zurück und wird direkt in einen Mordfall verwickelt. Sie begleitet ihren Ex-Mann Henning Kirchhof eher zufällig in den Rohbau des berühmten Hochhaus Komplexes FIVE in Frankfurt, in dem der Bauunternehmer Axel Wiesheu kopfüber hängend aufgefunden wurde. Was zunächst nach einem Unfall aussieht, entpuppt sich schnell als Mordserie im Umfeld des am Mount Everest verunglückten Milliardärs Patrick Brinkhoffs. Dieser gilt als Erfinder eines der besten KI-Tools, das in der Branche zur Verfügung steht und deren Verkauf an das amerikanische Militär eine enorme Summe einbringen könnte. Doch jemand scheint hinter ein gut gehütetes Geheimnis gekommen zu sein und bringt langsam diejenigen um, die dieses ebenfalls kennen. Pia und Oliver von Bodenstein müssen tief in die Welt der Familie Brinkhof eintauchen, um weitere Morde verhindern zu können.
Ich habe die Bücher von Nele Neuhaus immer gerne gelesen und habe mich auch auf diesen Teil wirklich gefreut, es konnte mich aber leider nicht wirklich überzeugen, überraschenderweise liegt das auch teilweise am Schreibstil. Ich hatte in den vorherigen Teilen nie das Problem, mich von diesem in die Geschichte ziehen zu lassen, selbst wenn mich die Story als solche nicht überzeugen konnte. Das ist diesmal anders, ich konnte mich, bis ich mehr als die Hälfte des Buches gelesen hatte, nicht wirklich darauf einlassen. Er wirkt an einigen Stellen fast schon holprig und steif, ganz anders als ich ihn sonst in Erinnerung hatte und dadurch musste ich Passagen manchmal nochmal lesen, um auch alle Informationen wahrnehmen zu können. Dadurch habe ich deutlich länger gebraucht als normalerweise und ich musste mich manchmal richtiggehend überzeugen, weiterzulesen.
Das liegt auch an den Charakteren, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte schon in den letzten Teilen so meine Probleme mit Pia, konnte das aber zumeist ignorieren, das ist mir diesmal nicht wirklich gelungen. Ich verstehe, dass ihre Art eher brüsk und pragmatisch ist, aber ich fand sie diesmal extrem negativ und sie hat sich kein bisschen selbst reflektiert. Da reist sie, ohne mit ihrem Mann zu sprechen, nach einem Monat wieder aus Afrika ab, weil sie in keiner Lodge untergebracht ist, sondern in Zelten in der Wildnis (ich weiß jetzt nicht, was sie erwartet hat, wenn ihr Mann mit Tieren im Nationalpark arbeiten soll) und ist dann wütend, dass er sich nicht direkt bei ihr meldet. Ich habe darüber nur den Kopf schütteln können, weil ich zwar auch kein riesiger Fan von Christoph bin, aber ihr nun wirklich hätte klar sein können, dass es sich hierbei um keinen Urlaub gehandelt hat. Darüber hätte ich aber hinwegsehen können, wenn ich nicht auch das Gefühl gehabt hätte, dass sie kein großer Fan von anderen Frauen ist. Bei einer schwangere Kollegin, die sie nicht besonders sympathisch findet, denkt sie darüber nach, welcher arme Kerl denn der Vater sein würde, bei einer so schrecklichen Frau und ist froh, als sie wegen vorzeitiger Wehen im Krankenhaus liegt, weil die Zusammenarbeit mit ihr so schwierig ist, die Töchter von Christoph empfindet sie als faul, weil sie nicht immer mit ihr einer Meinung sind und auch die weiblichen Verdächtigen in dem Fall kommen nicht immer sehr positiv weg. Ich erwarte überhaupt nicht, dass alle Frauen sympathisch rüberkommen, das würde ja auch an der Realität vorbeigehen, aber hier fiel es mir schon negativ auf. Vielleicht ist das einfach Zufall, aber mir fehlten abseits von Pia (die ich in diesem Buch wirklich nicht mochte), fehlten mir einfach coole Frauenfiguren, zumal sie jetzt auch die einzige Ermittlerin im Team mit vier Männern ist. Normalerweise gleicht das Bodenstein auch ein bisschen aus, aber er wirkt erstaunlich blass und tritt sehr in den Hintergrund.
Wenn wenigstens der Fall überzeugend gewesen wäre, hätte ich darüber wahrscheinlich hinwegsehen können, aber er hat eine ganze Zeit gebraucht, um so richtig in Fahrt zu kommen. Das liegt auch an den verschiedenen Sichtweisen, die zum Teil alle paar Seiten zwischen den verschiedenen Charakteren hin- und herwechseln. Dass man dadurch mehr weiß, als die Ermittler, ist nichts Neues, hat mich hier aber irgendwie zunehmend gestört, weil ich ziemlich schnell wusste, womit die Fälle etwas zu tun haben müssen und es bis zum letzten Drittel des Buches gebraucht hat, bis auch Pia und Bodenstein an diesem Punkt waren, erst dann hat es mich richtig gefesselt und ich wollte wissen, ob ich mit meinen Vermutungen Recht hatte. Zudem fand die Darstellung der KI nicht so richtig überzeugend, weil es so wirkte, als hätte noch nie jemand von den Ermittlern (außer Kai) jemals davon gehört, dabei ist es den allermeisten Menschen zumindest seit ChatGbt ein Begriff. Ich fand es nachvollziehbar, dass nochmal erklärt werden muss, was genau die Möglichkeiten und die Gefahren sind, aber dafür, dass diese KI ein absolutes Meisterwerk hätte sein sollen, konnte sie dann doch recht wenig bzw. war noch sehr fehleranfällig. Das alles hat dazu geführt, dass ich so meine Probleme damit hatte, die ganzen Konflikt greifen zu können.
Alles in allem habe ich vermutlich einfach zu viel von diesem Buch erwartet und als ich mich erst einmal auf die Geschichte eingelassen habe, hat mich das Buch auch durchaus unterhalten. Allerdings habe ich mittlerweile so meine Probleme mit Pia und Bodenstein als Ermittlern, sie wirken irgendwie ein bisschen ausgebrannt und vielleicht würde ihnen und auch Nele Neuhaus eine Pause von den beiden gut tun. Ich habe einfach das Gefühl, ihre Geschichte ist ein bisschen auserzählt, allerdings würde ich sehr gerne andere Krimis der Autorin lesen wollen, vielleicht mit neuen Ermittlern in Frankfurt, die dann Berührungspunkt mit der Kripo in Hofheim haben, sodass man dadurch dann doch wieder auf bekannte Gesichter treffen kann.