Miriam Burdelskis Roman Ist doch schön hier thematisiert das Schicksal dreier Frauen und damit gleich mehrerer Frauengenerationen.
Während das Cover für mich eine gewisse Ruhe ausstrahlt, hat mich die Geschichte von Anfang an gefesselt und für ein Wechselbad der Gefühle gesorgt, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.
Seit Liesels Großmutter Emmi aufgrund ihrer Demenzerkrankung in einem Pflegeheim lebt, wohnt Liesel gemeinsam mit ihrer Mutter Melanie in einer Sozialwohnung. Melanie ist bereits seit längerer Zeit arbeitslos, und so trägt Liesel nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern zunehmend auch für ihre Mutter.
Eines Tages erfüllt Liesel ihrer Großmutter einen Herzenswunsch. Emmi möchte noch einmal in ihre alte Heimat, in die ehemalige Provinz Ostpreußen. Gemeinsam mit Jascha, einem jungen Altenpfleger, machen sie sich auf den Weg. Schon die Reise selbst wird zu einer Herausforderung. Liesel ist froh, Jascha an ihrer Seite zu haben, denn die Betreuung einer dementen Angehörigen ist alles andere als einfach.
Unterwegs erlebt Emmi immer wieder klare Momente und scheint regelrecht aufzublühen. Gleichzeitig gibt es Themen, über die sie nicht sprechen möchte, Themen, die für Liesel jedoch von großer Bedeutung sind. Denn sie möchte endlich Antworten auf die Fragen bekommen, die sie schon so lange beschäftigen.
Zutiefst berührend und gleichzeitig mit viel Feingefühl und Humor erzählt die Autorin die Geschichte dreier Frauen, deren Leben untrennbar miteinander verbunden sind. Je mehr man darüber erfährt, warum die Dinge sind, wie sie sind, desto besser versteht man manche Entscheidungen und Verhaltensweisen, die man zuvor vielleicht niemals hätte nachvollziehen können.
Die Erzählung wirkt sehr authentisch, und auch die Charaktere sind wunderbar klar und glaubwürdig gezeichnet. Die Geschichte zeigt eindrücklich, welche Spuren unverarbeitete Traumata über Generationen hinweg hinterlassen können, und erzählt zugleich von der schwierigen, aber notwendigen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Eine berührende Geschichte über Familie, Schuld, Erinnerungen, Verantwortung und die Suche nach Antworten und darüber, wie wichtig es sein kann, die Vergangenheit zu verstehen, um mit ihr leben zu können. Absolut lesenswert!