Dieses schmale Büchlein aus dem Mare-Verlag hat eine ganz eigene düster-spannende und kribbelige Atmosphäre. Irgendwo habe ich gelesen, dass der Roman an Shutter Island erinnert - diesen Vergleich finde ich sehr passend.
Der Psychiater Dr. Pierce behandelt in den 1920er Jahren einen ganz besonderen Patienten, Ingenieur David Bradley, in seiner Anstalt St. Bartholomew nahe Edinburgh. Sobald man ihm die Zwangsjacke auszog, legte er sich bäuchlings auf den Boden, und begann zu schwimmen bis zur totalen Erschöpfung. Zuvor war David Bradley auf dem Leuchtturm Goliaths Auge, um dort Reparaturarbeiten zu erledigen. Und davor war er in den Schützengräben des 1. Weltkriegs. Goliaths Auge ist die Hölle aller Leuchttürme. Der letzte Leuchtturmwärter hatte sich dort das Leben genommen. Seine Erlebnisse und Erfahrungen schreibt Bradley in sein Tagebuch, das später in Dr. Pierce Hände fällt, der damit versucht, der Psychose seines Patienten auf die Spur zu kommen.
Dr. Pierce ist von seiner neuen Heilmethode, der Hypnose, überzeugt und reiche Familie bringen ihre Angehörigen gerne in St. Bartholomews unter, weil hier größte Diskretion herrscht. Besonders Kriegsveteranen aus dem 1. Weltkrieg sind seine Patienten. In einer Publikation möchte er seine Kollegen, insbesondere jene in München, von seiner neuen Methode überzeugen.
Ein Roman mit düsterer, beklemmender Stimmung, Einsamkeit in einem Leuchtturm und einem Tagebuch, das die Ereignisse in Goliaths Auge erzählt. Der Roman ist richtig fesselnd, schaurig und liest sich wie ein Roman aus der Zeit vor 100 Jahren. Sehr literarisch.
Ganz große Empfehlung