Michael verliebt sich in die Unternehmertochter Caro, die beiden heiraten. Da keiner der Kinder in die Firma einsteigen möchte, wird Schwiegersohn Michael zum zukünftigen Nachfolger ausgebildet. Der Anfang des Buches gestaltet sich harmonisch. Die Schwiegereltern sind von Michael begeistert. Er wird als idealer Schwiegersohn gefeiert. Doch familiäre Probleme verursachen erste Risse in Michaels und Caros heile Welt. Unternehmer Ludwig stellt sich als Choleriker heraus, Mutter Bertha als herrschsüchtig und intrigant. Ganz langsam avanciert Michael zum Buhmann der Familie. Als die älteste Tochter doch noch ins Familienunternehmen einsteigt, eskaliert die Situation.
Der Rahmen des Buches hat mir an sich sehr gut gefallen. Die Entwicklung von Michael vom gefeierten Familienmitglied zur Persona non grata wird sehr eindrücklich geschildert. Am Ende konnte ich mich gut in Michaels Verzweiflung hineinversetzen.
Allerdings ist das Buch sehr zäh zu lesen, ich musste mich im wahrsten Sinne des Wortes durchkämpfen und habe zwei Anläufe gebraucht, was mir selten passiert. Der Autor schweift immer wieder ab und verliert sich in Nebenschauplätze. Es werden Dialoge ausführlich wiedergegeben, die wenig mit der Handlung zu tun habe. Wichtige Gespräche, die stattgefunden haben sollen, z.B. mit der Ehefrau Caro, sind dagegen nicht zu finden. Teilweise ist die Sprache sehr antiquiert, dafür dass die Handlung in den 2000ern stattfinden soll. Es kommt immer wieder zu Wiederholungen, was beim Leser für Langeweile sorgt.
Der Schreibstil hat mir ebenfalls nicht gefallen. Das gesamte Buch erinnert an ein Tagebuch. Es wird ausschließlich aus der Sicht von Michael erzählt, der anfangs selbstbewusst, fast überheblich erscheint und zum Ende hin sich als Opfer darstellt und in Selbstmitleid suhlt. Am Ende habe ich mich gefragt, ob nicht einige Tatsachen geschönt wurden, um sich ihnen nicht stellen zu müssen.
Durch diese einseitige Sichtweise erfahre ich als Leser sehr wenig über die Denkweise und Motivation der anderen Familienmitglieder. Die gesamte Familiensituation erscheint mir toxisch und erdrückend, geprägt von veralteten Wertvorstellungen. Die Familie redet übereinander, aber nicht miteinander. Es wird intrigier, verurteilt, angeschrieben, abgewertet und persönliche Grenzen missachtet. Persönliches Wachstum und eine vertrauensvolle Atmosphäre ist so nicht möglich. Die Familienmitglieder sind unlösbar miteinander verstrickt und schwimmen in der Familiensuppe, aus der es kein Entkommen gibt, solange niemand fähig ist, eine weitreichende Entscheidung zu treffen, wie beispielsweise wegzuziehen und ein eigenständiges Leben zu führen. Einzig Caros Schwester Marion startet einen Versuch, scheitert aber schon nach kurzer Zeit und wird im Familienklan wieder eingereiht. Dazu kommt natürlich noch das durch das Unternehmen angehäufte Vermögen, das zusätzlich als Klebstoff wirkt, man möchte ja nicht auf das Erbe verzichten und die Annehmlichkeiten, die mit Macht und Geld verbunden sind.
Keiner der Erwachsenen scheint wirklich erwachsen zu sein und erwachsen agieren zu können.
Fazit: Das Buch hat mir mehr Lesefrust als Leselust beschert und ich kann keine Leseempfehlung aussprechen, außer für Psychologiestudenten, die noch eine Fallstudie benötigen.