Eine schrecklich kalte Familie, in der jeder jeden belügt...
Eine schrecklich kalte Familie, in der jeder jeden belügt. Und eine unscheinbare ältere Dame, die tiefer in den Abgrund blickt als die Polizei¿Die Grundidee vonDas Geheimnis der Amselnhat mir richtig gut gefallen, vor allem die Idee einen klassischen Kinderreim in die Mordermittlung einzuweben fand ich super. Auch der Schreibstil war wunderbar flüssig zu lesen und der Unterhaltungswert absolut solide.Der Lesegenuss war buttrig und luftig, sehr angenehm zu lesen, aber am Ende fehlte einfach eine kleine aromatische Note zur Vollkommenheit. Das liegt vor allem an zwei Punkten: den Charakteren und dem Finale. Miss Marple ist wie gewohnt super, allerdings war sie mir hier leider viel zu wenig präsent ¿ ich hätte mir deutlich mehr Ermittlungszeit für sie gewünscht. Der zuständige Kommissar war zwar okay, aber ihm wurde von einigen skurrilen Nebencharakteren regelrecht die Show gestohlen. Das Finale war mir zu ¿In your face¿ Für mich wirkten die Personen und ihre Motive am Ende etwas zu überladen und an den Haaren herbeigezogen, dennoch war es ganz ok.Auch in puncto Nachdenklichkeit hallt die Geschichte kaum nach. Abgesehen von ein paar interessanten Einblicken in die Familiendynamik bleibt das Buch ein reiner Unterhaltungskrimi. Mein absoluter Christie-Favorit bleibt daher weiterhinMord im Orient-Express.Lesegenuss: ¿¿¿Gut gebacken, solide Konsistenz, etwas trocken an den Rändern. Kann man trotzdem noch essen.Literarische Qualität: ¿¿¿Solide, mit einigen gelungenen Momenten, aber zwischendurch etwas bitter.