Dies ist mein erstes Buch der Autorin. Und wahrscheinlich mein letztes. Passt einfach nicht zu mir.
298 Seiten, und ständig dasselbe Gefühl: Dem Roman fehlt Fallhöhe. Und Dringlichkeit. Was steht hier eigentlich auf dem Spiel? Selbst ein Unterhaltungsroman braucht diesen Kick, dieses Was, wenn alles den Bach runtergeht?.
Ohne das fiebert niemand mit. Ich jedenfalls nicht. Ohne das wirds nett, harmlos und nach dem Zuklappen sofort vergessen. Genau das ist passiert. Doch ich wollte emotionale Tiefe, echte Spannung, irgendwas Originelles, das mich packt, berührt, überrascht oder umhaut.
Stellenweise war ich so gelangweilt, dass ich ganze Seiten überblättert oder das Buch weggelegt habe.
Was ich mochte? Die Griechenland-Hitze, die poetischen Momente, die zwischen den Zeilen aufblitzen. Die Tarot-Thematik gibt der Sache einen schönen mystischen Touch.
"Über dem zweiten Glas fällt ihnen ein, dass eine:r fahren muss." (S. 32)
Hoppla, was war das denn? In literarischen Texten wirken solche typografischen Genderformen auf mich wie Fremdkörper. Und weil es so schön ist, zähle ich sie auf, damit sie euch genauso nerven wie mich: Fanatiker:innen, Amerikaner:innen, Tourist:innen.
Dazu die TikTok- und Instagram-Drops. Für mich wirken sie wie ein Zeitstempel. Wenn ich ein Buch aufschlage, will ich analogen Safe Space und definitiv keine Social-Media-Referenzen, die mich an mein Smartphone erinnern.
Die Frischverliebt-Phase zwischen Flo und Matty? Für meinen Geschmack fast schon nervig. Denn ich hatte auf Reibung gehofft, auf Konflikte, Tiefgang, auf Kanten und Ecken aller Protagonisten. Doch es hat mich nicht mitgerissen und blieb schlicht pseudo-hip.
Und dieses ständige "Gleich passiert was Großes"-Gefühl in mir! Spoiler: Es passiert nicht wirklich.
Wo ist der Spannungsbogen? War er je wirklich da?
Irgendwann wirkt es sogar so, als würde auf Seite 215 noch schnell eine überraschende Idee eingestreut, damit die Leserschaft nicht ganz verloren geht. Eine Erfahrung, bei der plötzlich ein Geheimnis ans Licht kommt. Für mich ersetzt das keinen echten Spannungsaufbau.
Und insgesamt? Zu wenig Feuer. Zu viel Salz ohne Biss.
Träume aus Salz hat viel poetische, atmosphärische Würze. All die schönen Bilder, Griechenland-Vibes, mystische Elemente, salzige Lippen und auch die Familiengeschichte, aber keinen echten Biss. Keine echte Schärfe, keinen schmerzhaften Punch, keine harte Kante, die richtig reinhaut oder nachwirkt.
Kurz: Schade um die Atmosphäre, die angedeutete Tiefe und die guten Ansätze. Für mich persönlich blieb es leider beliebig. Kein Nachhall. Kein "Wow".
"Ihre Lippen schmecken salzig. Sie will Sofia von ihren Träumen erzählen. Von den Gesängen darin, weil sie sich an diesem Ort so gruselig echt anfühlen. Wüsste sie es nicht besser, würde sie behaupten, hierhergelockt worden zu sein." (S. 50)