Bin ich wirklich Schuld? von Anna Ziegler ist ein Buch, das eigentlich Pflichtlektüre sein müsste, für alle Menschen, die mit Kindern und Familien arbeiten. Pädagogische Fachkräfte, Mitarbeitende in Jugendämtern, Ärzt:innen, Therapeut:innen, Richter:innen und alle, die an Schnittstellen stehen, an denen über das Leben eines Kindes entschieden wird.
Anna Ziegler nimmt uns mit in ihre Kindheit und Jugend, die über viele Jahre von der schlimmsten Form sexualisierter Gewalt geprägt war. Ursprünglich schrieb sie ihre Autobiografie als Teil ihres eigenen Heilungsweges. Gerade dadurch berührt sie so eindringlich: Sie schildert nicht nur die Taten, sondern das ganze System des Wegschauens, Beschwichtigens und Versagens, das es dem Täter ermöglichte, immer weiterzumachen.
Man liest und fragt sich:
Wie konnte es so weit kommen?
Warum wurde nach ihrem Hilferuf alles noch schlimmer, sogar nachdem das Jugendamt informiert wurde?
Wie kann es sein, dass die eigene Mutter nicht schützt, sondern Teil des Schmerzes wird?
Und gleichzeitig stellt sich eine andere Frage:
Wie schafft es ein Mensch, nach so vielen entsetzlichen Jahren heute ein gutes Leben zu führen?
Anna Ziegler erzählt nicht nur von Gewalt, sondern auch vom Überleben. Von innerer Stärke. Von dem Mut, sich Hilfe zu suchen. Von der Klarheit, die entsteht, wenn man endlich verstanden hat, dass die Schuld niemals bei sich als Kind liegt.
Dieses Buch rüttelt wach.
Es macht einen fassungslos, unbeschreiblich traurig und gleichzeitig ist es voller Mut und Hoffnung.
Anna Ziegler möchte betroffenen Mut machen, den Schritt zu gehen, sich Unterstützung zu holen und nicht aufzugeben.
Nicht-Betroffenen macht sie Mut, endlich hinzuschauen, einmal mehr nachzufragen und Verantwortung zu übernehmen.
Ihr Buch und ihr Engagement heute, zeigt wie wichtig es ist, unsere Kinder und uns selbst so zu stärken, dass sie Schutz und Sicherheit finden, wo sie sie dringend brauchen.
Ein wichtiges, kraftvolles und schmerzhaft ehrliches Buch.