Solider Ratgeber-Autobiografie-Hybrid mit klarer Struktur, aber wenig Neuem für Genre-Kenner:innen.
Arnold Schwarzenegger destilliert in "Be Useful" die Werkzeuge, die ihn vom kleinen Dorf Thal in der Steiermark zum siebenfachen Mr. Olympia, zum bestbezahlten Actionhelden Hollywoods und schließlich zum Gouverneur der fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt gebracht haben. Sieben Regeln, verpackt in kompakte 288 Seiten: eine klare Vision entwickeln, niemals klein denken, sich den Arsch aufreißen, sich selbst verkaufen, umschalten, wenn etwas nicht funktioniert, den Mund schließen und den Geist öffnen sowie zerschlage deine Spiegel und gib an die Gesellschaft zurück. Über allem steht die Botschaft, die er nach eigenen Worten von seinem Vater eingebläut bekommen hat und die dem Buch seinen Titel gibt: "Be useful", sei nützlich. Nicht nur für dich, sondern auch für die Menschen um dich herum.Am besten funktioniert das Buch für mich in den autobiografischen Passagen. Arnold Schwarzeneggers Werdegang ist auch dann mitreißend, wenn man ihn im Groben längst kennt. Der Sprung vom rudimentären Englisch und einer Sporttasche mit 200 Dollar in New York bis zur Hollywood-Karriere trotz "zu starken" Akzents und "unaussprechlichen" Nachnamens, der Wechsel vom reinen Action-Star zur Komödie mit "Twins", der scheinbar unmögliche politische Aufstieg 2003, all das erzählt er mit spürbarem Stolz, ohne in falsche Bescheidenheit oder Leidens-Rhetorik zu kippen. Man merkt in diesen Passagen sofort, warum er als Vorbild funktioniert.Auch die Hauptbotschaft "Sei nützlich" finde ich stärker als vieles in vergleichbaren Erfolgs-Ratgebern. Sie verschiebt den Fokus weg von reiner Selbstoptimierung hin zu sozialer Verantwortung, und das siebte Werkzeug mit dem Bild vom zertrümmerten Spiegel ist erzählerisch richtig kraftvoll. In einer Ratgeber-Landschaft, die oft ausschließlich um Individualerfolg kreist, tut diese ethische Rahmung dem Buch gut. Auch der pragmatische, direkte Ton ist erfrischend. Arnold Schwarzenegger schreibt, wie er spricht, kurze Sätze, klare Bilder, kein akademisches Vokabular.Ganz ehrlich muss ich aber sagen, dass die Ratschläge nichts wirklich Neues bieten. Wer je einen Klassiker der Persönlichkeitsentwicklung gelesen hat, erkennt vieles wieder. Klare Vision, harte Arbeit, sich selbst verkaufen, das ist Grundvokabular des Genres. Für Einsteiger:innen ist das ein guter Rahmen, für erfahrene Leser:innen aber eher bekannte Kost. Dazu kommt, dass konkrete Handlungsanweisungen oft fehlen. Es bleibt viel bei der Aufforderung und der Anekdote und weniger bei einer wirklich umsetzbaren Schritt-für-Schritt-Anleitung. An einigen Stellen kippt der Ton in Selbstbeweihräucherung, besonders in den politischen Kapiteln, was sich mit der Botschaft "Zerschlag deine Spiegel" etwas beißt. Und der Universalitäts-Anspruch der Werkzeuge ist mir zu unreflektiert. Nicht jede Person startet mit denselben Chancen wie ein weißer Mann aus dem Nachkriegs-Europa mit außergewöhnlicher physischer Präsenz und dem Ticket in die USA. Diese systemische Blindstelle teilt "Be Useful" mit vielen Erfolgs-Ratgebern, sie ist trotzdem hinderlich.Für alle, die Arnold Schwarzeneggers Werdegang faszinierend finden, ist das Buch lohnenswert. Als Einstieg in die Ratgeber-Landschaft funktioniert es ebenfalls, für junge Leser:innen auf der Suche nach einem klaren Vorbild sowieso. Wer schon viele Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung gelesen hat, wird es solide, aber wenig überraschend finden.