
Besprechung vom 15.05.2026
Was kostet die Welt?
Ein neues Sachbuch führt Kinder ins Finanzgeschehen
FRANKFURT. Der Döner wird immer teurer, Mama regt sich über den Benzinpreis auf, und das Taschengeld ist viel zu knapp: Kinder beschäftigen sich irgendwann automatisch mit Wirtschaftsthemen. In der Schule kommen diese meist zu kurz, die ökonomische Bildung liegt in Elternhand. Dabei wird Finanzwissen immer wichtiger. Unterstützung versprechen Sachbücher für Kinder und Jugendliche wie "Was kostet die Welt? So funktioniert Wirtschaft" von Axel Täubert.
Täubert ist "Spiegel"-Bestsellerautor. Er verantwortet im Hauptberuf die Start-up-Sparte für Deutschland, Nord- und Osteuropa bei Google und bringt den Kunden die Google Cloud näher. Nebenberuflich investiert Täubert in mehrere Start-ups und hat selbst Erfahrungen als Gründer. In dem Buch behandelt er sechs Oberthemen: Wirtschaft, Ökonomie, Angebot und Nachfrage, Geld, Handel und Unternehmen. Einige Kapitel ergänzen lebensnahe Aspekte der Kinder- und Jugendkultur. So findet der Leser "Wirtschaft im Gaming", Influencermarketing, Smartphones und Flixbusse vor, kurz vor Schluss außerdem ein Interview mit der bekannten Youtuberin und Unternehmerin Sally Özcan.
Erschienen ist das Buch im Februar im Tessloff-Verlag, es kostet 17 Euro und gehört zur Unterkategorie "Wissenschaften easy" der Reihe "Was ist was". Empfohlen wird der Band für Kinder ab elf Jahren. Die Lektüre zeigt: Sie sollten ein besonderes Interesse am Thema mitbringen. Denn hier geht es ans Eingemachte, von der Wirtschaftswissenschaft über Preisfindung bis hin zu Kryptowährungen.
Jedes Kapitel nutzt ein Alltagsbeispiel, um den jeweiligen Schwerpunkt einzuleiten. Über den Gang in eine Bäckerei werden Grundbegriffe wie "Arbeit" oder "Wettbewerb" erklärt. Am Beispiel einer Pizza wird verdeutlicht, was es mit dem abstrakten Konzept von "Arm" und "Reich" auf sich hat: Die eine Hälfte ist mit Pilzen, Salami und Paprika belegt, die andere hat nur ein paar Oliven abbekommen. So ähnlich verhalte es sich auch mit Geld und Ressourcen auf der Welt: Manche bekommen viel, andere wenig, fair ist das selten. Ein Besuch auf dem Campingplatz, den einige Menschen zumüllen, zeigt wiederum, was es bedeutet, wenn Unternehmen es mit dem Umweltschutz nicht so genau nehmen.
Für die auf die Beispiele folgenden Erklärtexte ist ein gutes Leseverständnis nötig. Erwachsene und Kinder, denen das Lesen keine Schwierigkeiten bereitet und die ein Grundinteresse für Wirtschaft mitbringen, werden an dem Buch ihre Freude haben. Wer dagegen Gelesenes noch nicht gut abstrahieren kann, bekommt wohl trotz einfacher Sprache und anschaulicher Beispiele Verständnisprobleme. Auch muss der Leser ein gewisses Vorwissen haben, auf eine Erklärung des Treibhausgaseffekts beispielsweise wird verzichtet.
Die Gestaltung von "Was kostet die Welt?" in gedeckten Farben ist altersgerecht gestaltet für die Zielgruppe ab elf Jahre und optisch ansprechend, die Fotoauswahl gelungen. Illustrationen werden nur sparsam, aber sinnvoll eingesetzt. Darunter befindet sich eine vereinfachte Weltkarte, um den Weg eines T-Shirts bis in den Laden darzustellen. Mit einem Auge markierte Kästen liefern dem eiligen Leser Informationen in Kurzform, farblich abgesetzt sind Ergänzungen wie die fünf größten Konzerne im Kapitel zu Unternehmen.
Das Sachbuch eignet sich für kleine und große Leser mit einem besonderen Interesse an Wirtschafts- und Finanzthemen, sie sollten über ein gutes Leseverstehen und eine Grundbildung verfügen. Sind alle Voraussetzungen gegeben, steht dem gemeinsamen Lernen nichts mehr entgegen. Denn auch der durchschnittliche Erwachsene braucht in vielen Fällen Nachhilfe in Wirtschafts- und Finanzthemen.
Aktuelle Umfragen und Studien bescheinigen den Deutschen immer wieder mindestens Unsicherheit, wenn nicht gar Unwissen in wirtschaftlichen und finanziellen Fragen. Wer könnte schon aus dem Stegreif erklären, was Kryptowährungen ausmacht oder was Komplementärgüter sind? Nach der Lektüre von "Was kostet die Welt?" schafft man das. jufi.
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