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Offene See

Roman. Originaltitel: The Offing.
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"Ein intensiver und bewegender Roman, der an J. L. Carrs 'Ein Monat auf dem Land' denken lässt."

The Guardian
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Produktdetails

Titel: Offene See
Autor/en: Benjamin Myers

ISBN: 3832181199
EAN: 9783832181192
Roman.
Originaltitel: The Offing.
Übersetzt von Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
DuMont Buchverlag GmbH

1. März 2020 - gebunden - 270 Seiten

Beschreibung

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

Portrait

Benjamin Myers, geboren 1976, ist Journalist und Schriftsteller. Myers hat nicht nur Romane, sondern auch Sachbücher und Lyrik geschrieben. Für seine Romane hat er mehrere Preise erhalten. Er lebt mit seiner Frau in Nordengland.

Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, beide 1955 geboren, haben Anglistik in Düsseldorf studiert. Seither arbeiten sie als Übersetzerteam und haben u. a. Dave Eggers, Tana French, Andre Dubus III., Harper Lee, Jeanette Walls, Zadie Smith und Jess Kidd ins Deutsche übertragen.

Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, beide 1955 geboren, haben Anglistik in Düsseldorf studiert. Seither arbeiten sie als Übersetzerteam und haben u. a. Dave Eggers, Tana French, Andre Dubus III., Harper Lee, Jeanette Walls, Zadie Smith und Jess Kidd ins Deutsche übertragen.

Pressestimmen

"Man kann von einer Reise an die Küste Englands in ungewisser Zeit träumen. Oder man liest gleich jetzt Benjamin Myers' 'Offene See'."
Barbara Weitzel, WELT AM SONNTAG

"In der Frische der Landschaft, weg von den Eltern und kurz bevor er die exzentrische Dulcie trifft, fühlt Robert sich, 'als hätte ich ein Gemälde betreten'. Exakt so geht uns auch."
Dorthe Hansen, BARBARA

"Zauberhaft"
Silvi Feist, EMOTION

"Zauberhaft"
PSYCHOLOGIE BRINGT DICH WEITER

"'Offene See' lebt von seiner starken Atmosphäre, von den intensiven und detailreichen Beschreibungen der Natur und deren Wandel"
Christoph Schröder, DLF BÜCHERMARKT

"Ein großartiges, ungewöhnliches Buch, wie ich es selten gelesen habe"
Rainer Moritz, NDR KULTUR

"Der Roman 'Offene See' von Benjamin Myers entführt Leser [...] in herrliche englische Landschaften."
Mike Wilms, BERLINER KURIER

"Eine Geschichte für die Seele"
Buchhandlung Klauder, HAMBURGER ABENDBLATT

"Wunderbar zu lesen"
Buchhandlung CoLibris, ABENDZEITUNG MÜNCHEN

"Benjamin Myers [lädt] zu einer ganz besondere Reise im Kopf ein. Seine ausführlichen, dabei jedoch nie ermüdenden Naturbeschreibungen lassen die Küste Englands vor dem geistigen Auge erscheinen. Sein poetischer, ruhiger Erzählton passt dabei perfekt zu der Geschichte, die er erzählt."
Anne Burgmer, KÖLNER STADT-ANZEIGER

"Ein sehr positives, anrührendes Buch über Werte, Selbstfindung und Freundschaft mit viel Sommeratmosphäre."
Christiane Bays, NEUE RUHR ZEITUNG

"Ein literarischer Entwicklungsroman mit wunderbaren Charakteren, Naturbeschreibungen und voller Lebenslust"
Dagmar Strubl, Die RHEINPFALZ

"Eine endlose Ode an die Natur und die englische Landschaft entfaltet sich über die Seiten und zieht den Leser behutsam in das fragile Gebilde namens Leben."
Barbara Hoppe, FRANKFURTER RUNDSCHAU

"Ein poetischer, farbenfroher und wunderbarer Roman"
Sabine Piechaczek, Buchhandlung Junius in Gelsenkirchen, WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

"Mit feinsinnigem Humor beschreibt Benjamin Myers, wie ein junger Mann den vorgegebenen Lebensplan verlässt, das Undenkbare wagt und seinem Herzen folgt. Ein Mut machendes Buch für Zeiten wie diese."
Angela Raum von der Buchhandlung BücherRaum, NÜRNBERGER STADTANZEIGER

"In seinem poetischen Roman 'Offene See" stellt Benjamin Myers auf zartfühlende Weise die Freundschaft zweier gegensätzlicher Menschen in den Mittelpunkt."
Barbara Hoppe, NEUE RUHR ZEITUNG

"Ein Buch, bei dem einem das Herz aufgeht, feinfühlig und warmherzig erzählt."
Christine Lehner, MITTELBAYRISCHE SONNTAGSZEITUNG

"Benjamin Myers erzählt eine zeitlose und geradezu zärtliche Geschichte über die Bedeutung und Kraft menschlicher Beziehungen."
Erika Angst, ZÜRICHER UNTERLÄNDER

"Wer [...] herrliche Naturschilderungen von der Küste mag, ist bei 'Offene See' bestens aufgehoben."
DELMENHORSTER KREISBLATT

"Ein Roman, in den der Leser kopfüber eintauchen und beglückt und erfrischt daraus wieder auftauchen wird, voller neuer spannender Eindrücke."
Sabine Jünemann, DELMENHORSTER KREISBLATT

"Die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, sehr poetisch - unbedingte Leseempfehlung!"
Büchhändlerin Regina Maier, Buchhandlung Gattner in Murnau, WEILHEIMER TAGBLATT

"Myers beschreibt die Initiationsreise eines jungen Mannes zum Schriftsteller berührend und mit einer tiefen Zuneigung zur englischen Literatur und Landschaft."
Julie August, BÜCHERSCHAU

"Ein Buch über Sandbänke und Klippen, über die Kraft der Lyrik. [...] Wundervoll."
Harff-Peter Schönherr, STADTBLATT OSNABRÜCK

"Ein wahres Sehnsuchtsticket."
Eike Brick, MEIN BIELEFELDER

Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Ihrem Buchhändler
von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung Stralsund Ossenreyerstr. - 16.07.2020
Wundervoll erzählt, poetisch und voller Bilder!
Kai Uwe Hampel
Vielen Dank für dieses Buch, darum liebt man das Lesen
von Kai Uwe Hampel - Hugendubel Buchhandlung Würzburg Kürschnerhof - 19.03.2020
Gleich vorweg, dieses Buch muss man gelesen haben. Wenn es ginge würde ich gleich 10 Sterne vergeben. Die Geschichte ist mit einer solchen Poesie und Liebe erzählt, in einer so gefühlvollen und einfühlsamen Sprache, dass man es nicht mehr aus der Hand legen will und traurig ist, wenn es zu Ende ist. Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, einer tiefen Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Menschen und es ist eine Geschichte über das Leben nach dem Krieg in England. Aber auch ganz am Rand, die Geschichte einer großen Liebe, die nur kurz währt. Und dann, ganz am Rand, ist auch noch Poesie ein Teil der Geschichte. Die Gedichte sind so anrührend, dass sie selbst mich, zu Tränen gerührt haben, ohne allerdings kitschig oder rührselig zu sein. Man wünscht sich mehr von diesem wunderbaren Erzähler. Danke tausendmal für dieses Buch.
Bewertungen unserer Kunden
Ein inspirierender Aufenthalt bei der Honigschleuderin
von Kaffeeelse - 29.07.2020
Ein schönes Buch! Ein betörendes Buch! Ein Jüngling, der 16-jährige Robert begibt sich in der Nachkriegszeit auf eine Reise durch England, möchte sich darüber klar werden, was er will. Er möchte nicht in den Fußstapfen des Vaters in den Bergbau gehen, wie von der Familie vorgesehen. Er weiß aber auch nicht, wie er das dem Vater mitteilen kann, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen. Er weiß allerdings auch nicht, wohin er überhaupt will/was ihn interessiert. Und er begegnet auf seiner Wanderung einer älteren eigenwilligen und autarken Frau in einem Cottage am Meer, der Honigschleuderin. Aus dem Begegnen wird ein langsames Annähern und schlussendlich beeinflussen und helfen sich beide gegenseitig. Denn die eigenwillige und autarke, unkonventionelle und kluge Dulcie trägt auch manche Verletzungen und Wunden mit sich herum. Dieses gegenseitige Annähern bringt auch nach und nach ein Vertrauen, ein Vertrauen, welches Früchte tragen wird. Denn die starke und freiheitsliebende Dulcie hilft Robert, fördert bisher unbekannte Ressourcen zu tage und stärkt ihn auch sonst für die Anforderungen des Lebens, wie auch Robert Dulcie hilft, Verletzungen und Wunden heilen zu lassen und neue Kraft zu finden. Eine wirklich wunderschöne Geschichte, in der es um den Lebenssinn geht, wie auch um Fragen der Schuld, insbesondere auch um die Schuld der Deutschen im zweiten Weltkrieg, aber auch um das wichtige Thema Verlust und eine starke Geschichte, in der es ebenso um die Kraft der Literatur geht. Das ist sicher etwas, was unsere Leserherzen besonders berührt. Eine wunderschöne Geschichte, die in inspirierenden Naturbildern daherkommt und in schöne und poetische Worte gekleidet ist. Eine wunderschöne Geschichte, die tief berührt, mit zwei wunderbaren Charakteren, die einen Platz tief in meinem Herzen finden. Eine Geschichte, die ich empfehlen möchte und die mir satte 5 Sterne wert ist. Einfach wunderschööön!!! Benjamin Myers kann man nur gratulieren zu diesem echt gelungenen Buch und ich bedanke mich herzlichst für diesen Lesegenuss.
Poetische Geschichte
von Miri - 20.06.2020
Robert ist sechzehn und geht von zu Hause weg, um die Welt zu sehen. Er will in die Natur, einfach in die freie Natur. Dabei trifft er Dulcie, bei der er ungeplanterweise mehrere Wochen bleibt. Durch die Gespräche eröffnen sich neue Sichtweisen für ihn und sein Leben verändert sich auch. Das Cover dieses Buch passt, für mich, perfekt zur Geschichte. Es ist schlicht und trotzdem bedacht und wundervoll gestaltet worden. Es spiegelt die poetische Ader dieses Buches wieder. Die Geschichte ist liebenswürdig und gut nachempfindbar. Der Schreibstil ist wirklich schön und beschreibt die Geschehnisse in einer poetischen Weise, die mich wirklich mitgerissen hat. Das Lesen hat mir viel Spaß gemacht und ich kann das Buch nur empfehlen!
Sehr poetisch
von Julia Lindner - 19.06.2020
Um Offene See wirklich genießen zu können, muss man Myers blumiger, bildhafter Sprache eine Chance geben. Die Geschichte um den jungen Robert, der den Zwängen seiner Familie, Bergbauarbeiter zu werden, entkommt, indem er auf große Wanderung quer durch England geht und dabei auf Dulcie trifft, ist vieles: eine Hommage an die Natur; ein Aufruf, sich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu besinnen und auch mal inne zu halten und auf seine Umgebung zu achten; sich mehr mit seinen eigenen Wünschen und Interessen auseinander zu setzen, dabei aber auch aufgeschlossen gegenüber anderen Meinungen zu bleiben. Dieser Roman ist wirklich etwas für Liebhaber, Liebhaber der Literatur und bildhaften Sprache. Obwohl er in der Vergangenheit spielt, spricht er überraschend aktuelle Themen an und zeigt mit Dulcie ein erfreulich fortschrittliches, aufgeschlossenes, selbstständiges, ins ich ruhendes Frauenbild. Fazit: Insgesamt bekommt man mit Offene See ein literarisches Gesamtpaket für Liebhaber, dem man unbedingt eine Chance geben sollte.
Großartig
von Insta.amreading - 18.06.2020
Irgendwie schon spooky, wie gut "Offene See" in die derzeitige Zeit/Lage passt. Ja, es geht im Buch über die Nachkriegszeit, aber eben auch um den Weg zurück zur Normalität nach einer Ausnahmesituation (Parallelen zur covid19 Pandemie sind da durchaus zu erkennen). Die Schilderung der ungewöhnliche Freundschaft zwischen Robert, einem jungen naiven Mann aus der Arbeiterklasse, und Dulcie, einer privilegierten, unkonventionellen älteren Frau hat mich voll überzeugt und begeistert. Für mich ist aber die Landschaft der heimliche Star des Buches - ein Sehnsuchtsort, der durch das Buch hindurch gebührend gefeiert wird und sehr ausführlich, meistens poetisch und sehr bildhaft beschrieben wird. Ich habe zwischendurch des öfteren Lesepausen eingelegt und einfach von dem Punkt geträumt, an dem sich Meer und Horizont treffen. Erinnerungen an die Nordsee sind für mich immer auch Urlaub von dem alltäglichen Covidioten- und Brexit Chaos. Offene See hat sich zu meinem absoluten Lieblingsbuch unter den Neuerscheinungen der letzten Zeit entwickelt. Es ist ein leises Buch, ohne viel Action, dafür mit beeindruckender Beobachtungsgabe des Autors und poetischer Sprache (wunderbar übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann). Benjamin Myers ist derzeit noch ein Geheimtip in Deutschland; hoffentlich ändert sich das durch Offene See. Mein Lieblingssatz von Dulcie (man muss sie einfach mögen): "Dieser impotente kleine Deutsche hat viele Dinge zerstört, aber nicht meine Teegewohnheiten."
Eine epische Reise
von Gisel - 17.06.2020
Mit 16 Jahren macht Robert sich auf den Weg zum Ort seiner Sehnsucht, zum Meer. Er weiß, dass er wie alle Männer seiner Familie als Bergarbeiter tätig sein wird, wenn er wieder zurückkommt. Es ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, noch sind das Land und die Menschen vom Krieg geprägt. Kurz bevor er zum Meer kommt, lernt er eine ältere Frau kennen, allein lebend, unkonventionell und vor allem mit Ansichten zu Ehe, Familie und Religion, die seine bisherige Weltsicht in Frage stellt. Aus dem gemeinsamen Tee-Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, Robert wird zu üppigen Mahlzeiten eingeladen und revanchiert sich mit Reparaturarbeiten am Haus. Dabei stößt er auf ein Manuskript mit Gedichten - es ist Dulcie gewidmet, doch diese will sie auf keinen Fall lesen. Dieses Buch über den jungen Robert, dessen Weg vorgezeichnet scheint, hat mich ziemlich nachdenklich hinterlassen. Denn Robert wird diesen vorgezeichneten Weg nur teilweise gehen, er wird in der Zeit, die er mit Dulcie verbringt, jede Menge für sein Leben lernen - ja, er wird lernen, das Leben zu leben. Während Robert sich auf die Suche macht, zunächst nur physisch, dann aber auch mit seiner Geisteshaltung, und sich dabei sich selbst annähert, hat Dulcie die Gabe, ein schlummerndes Talent zu wecken. Und so findet Robert den Teil an sich, den er ohne seine Suche nie hätte umsetzen können, er genießt es, im Einklang mit der Natur und mit viel Poesie im Alltag zu leben. Seine "epische Reise", wie Dulcie dies nennt, wird sein Leben von Grund auf veränden. Man würde jedem eine solche talentfördernde Dulcie wünschen, so wie jeder Mensch die Gelegenheit zu seiner eigenen "epischen Reise" erhalten sollte. Mir hat dieses Buch sehr gefallen, und deshalb möchte ich es weiter empfehlen und vergebe 4 von 5 Sternen.
Malerische Natur
von Sina2608 - 15.06.2020
Optisch hatte mich Offene See bereits gefangen, da wusste ich noch rein gar nicht, was mich inhaltlich erwarten würde - nur eben, dass ich es unbedingt lesen möchte. Und ich glaube, das war auch gut so! Was erwartet uns inhaltlich? Das Buch spielt an der Küste Englands. Es geht um Robert, einen jungen Mann, dessen Leben bereits durchgeplant ist - denn er soll unter Tage arbeiten, wie das bereits alle Männer der Familie getan haben. Robert geht jedoch, bevor es für ihn so weit ist, zu Fuß auf Reisen. Er entdeckt durch Zufall das Cottage in dem Dulcie, eine ältere Dame, gemeinsam mit ihrem Schäferhund ein einsames aber auch glückliches Leben führt. Dulcie und Robert sind gänzlich unterschiedlich - während Robert - trotz seines jungen Alters - sehr eingefahrene Denkmuster hat, ist Dulcie weltoffen und bringt eine wunderbare Leichtigkeit mit sich. Insgesamt verbringt Robert einige Zeit bei Dulcie und sie haben beide einen wertvollen Einfluss aufeinander. Viel mehr Handlung gibt es tatsächlich nicht. Das klingt nun vielleicht an dieser Stelle nicht sonderlich gut und spannend, allerdings schafft Ben Myers es, den Leser die Küste Englands und die dortige Natur durch seinen Schreibstil spüren zu lassen. Und das auf eine wunderbar poetische Weise. Das macht dieses Buch auch wirklich aus. Ich mochte das Buch sehr gerne. Wer sich an Lebensweisheiten und wunderbaren Naturschilderungen erfreuen kann ist hier richtig - wer eine spannende Geschichte sucht, der wird hier nicht fündig werden. Und letztlich können wir uns nach dem Lesen alle ein wenig bei Dulcie abschauen! Sie hat (trotz oder vielleicht auch wegen tiefsitzendem Schmerz, der ihr widerfahren ist) eine ganz leichte und wunderbare Art, das Leben zu betrachten.
Ein literarisches Sahnestückchen zum Genießen
von Lesendes Federvieh - 28.05.2020
Kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges: Der 16-jährige Robert ist sich nicht sicher, ob er der alten Familientradition folgen und Bergarbeiter werden soll. Er möchte mehr sehen als nur die Enge und Finsternis einer Kohlemine. So beschließt er die Natur zu erkunden und ans Meer zu wandern. Kurz bevor er sein Ziel erreicht, lernt er eine ältere Dame kennen, die ihn zum Tee in ihr verwildertes Cottage einlädt. Er ist von der unkonventionellen Dulcie fasziniert, von ihren modernen Ansichten und ihrem Weitblick, etwas, das es in der Enge seines Bergarbeiterdorfes schlichtweg nicht gibt. Statt weiter zu ziehen, bleibt Robert eine Weile bei Dulcie und hilft ihr bei allen Arbeiten, die anfallen. Dabei taucht er in eine ihm unbekannte Welt ein. Als er jedoch eine wild wuchernde Hecke zurückschneiden will, die den Blick aufs Meer versperrt, lehnt Dulcie das schroff ab. Das Gleiche gilt für ein Manuskript mit Gedichten, die er in einem heruntergekommenen Schuppen findet... Die letzte Seite ist gelesen und ich würde Offene See am liebsten sofort nochmal von vorne beginnen. Diese kraftvolle, atmosphärische Erzählweise entwickelt eine solche Sogwirkung, dass man wirklich glaubt mit Dulcie und Robert in diesem herrlichen Cottage mitsamt verwildertem Garten in Yorkshire zu sein. Man riecht, schmeckt, sieht die Landschaft, jede einzelne Knospe, jeden einzelnen Grashalm, spürt die Sonne, den Wind, hört das Meeresrauschen. In dieser wundervollen Kulisse weckt Dulcie in Robert die Neugierde auf das Leben und die Literatur. Sie ist einfach wunderbar direkt, witzig, unkonventionell und absolut liebenswert mit ihren lebensklugen Ansichten und Ideen, die sie Robert in den Kopf pflanzt. Die Geschichte verzaubert den Leser von Beginn an, jeder Satz ist so schön und treffend formuliert, dass es eine wahre Freude ist, Seite um Seite mehr davon zu entdecken. Ein kleines Beispiel aus dem Buch: Oberhalb der Bucht wachten herrschaftliche Häuser, während die Sonne kupferne Scherben wie Schrapnellsplitter über das Meer warf. Das ist wirklich ein ganz, ganz besonderes Lesevergnügen, denn er zeigt für mich wie schön Sprache doch sein kann. Eines meiner Lieblingsbücher - und nicht nur des Jahres 2020. Großartig Fazit: Ein literarisches Sahnestückchen zum Genießen
Eine wertvolle Ausgabe
von Shuzyki - 21.05.2020
Schon erste Moment - als ich erste Mal als ich das Buch in Hände haltet - war ich sofort mit dem Buch begeistert! Was von ein schönes Buch - so wertvoll und hübsch gestalten - leuchtende Buchstaben wie Sonne am Meer - lockern rein zu tauchen. Das Autor hat sehr mühsame Arbeit an dem Buch gemacht. Viele originelle Hörte und Beschreibungen trifft man während lesen. Das ist schon eine richtige wertvolle Literatur und sicher keine Belletristik! Protagonist und Protagonistin sind von erste Augenblick eine ordentliche Leute, aber jeder Mensch haltet sicher was besonderes drin, man muss nur sich erlauben andere Mensch richtig kennenzulernen. Und damalige Zeiten, Autor hat sicher viel nachgedacht um so eine Zeitreise für Lesern zu ermöglichen!
Ein wunderschönes noch lange nachwirkendes Buch
von Tigermaus - 21.05.2020
Der hochwertige Einband und das schnörkellose aber wunderschöne und passende Titelbild veranlassten mich, dieses Buch zu lesen. Kurz zum Inhalt: Als alter Mann blickt der Ich-Erzähler Robert Appleyard auf sein Leben zurück: Im Jahr 1946 ist der Krieg zu Ende und Robert hat endlich die Schule beendet. Er will eine Ahnung von seinem wahren Ich bekommen, das "Königreich Anderswo" entdecken, bevor er -wie sein Vater- im Bergwerk arbeiten soll. Er zieht los, nur das Notwendigste in einem Rucksack verstaut. Eines Tages kommt er zufällig zu einem kleinen Cottage. Es gehört Dulcie Piper, die ihn sofort zum Essen einlädt. Dulcie ist anders als die Menschen, die Robert bis jetzt getroffen hat. Sie ist eine Lebenskünstlerin, die trotz allem Schmerz und Traurigkeit, ihr Leben genießt. Robert ahnt nicht, welche Wendungen sein Leben durch diese Begegnung nimmt... Die Sprache ist voller bildhafter Vergleiche, manchmal schon überladen, da sich eine Metapher an die andere reiht. Besonders die detailierten Naturbeschreibungen lassen den Leser ganz in das Buch eintauchen. Man sieht die beschriebenen Bilder direkt vor sich. Fazit: Die Geschichte um Robert und Dulcie ist nicht neu und unerwartet - aber sie ist kunstvoll erzählt. Das Buch ist ein leises, aber wundervolles Buch, das noch lange nachwirkt. Ein schönes Geschenk für Bücherfreunde.
von Nele33 - 19.05.2020
Benjamin Myers Offne See ist ein absolut zeitlos und poetisches Buch, was sehr gut auch oder gerade in die heutige Zeit passt. Robert ist 16 Jahre alt, lebt in einem Dorf in Nordengland und hat nur einen Traum: Der enge des Heimatdorfes zu entfliehen und das Meer, die offene See zu sehen. Er macht sich auf die Wanderung seines Lebens, auf zum Meer. Kurz vor seiner Ankunft biegt er nicht nur real, sondern auch symbolisch von seinem gewählten Weg ab. In dieser kleinen Buch trifft er auf Dulcie Piper, eine Frau wie ein Orkan für den jungen Robert. Dulcie ist so anders, als all das was Robert aus seinem Dorf kennt. Sie ist konventionell, lebt alleine und sehr trinkfest. Es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft der beiden Protagonisten und Robert sind danch die Welt mit anderen Augen. Benjamin Myers schafft es dem Leser mit wunderbarer Sprache sowohl die Gefühlswelt, die Sinneseindrücke und die Landschaft näher zu bringen. Dabei wird es jedoch niemals kitschig oder schwülstig. Offene See ist ein Buch voller Lebensweisheiten und Entwicklungen ohne den Leser zu massregeln. Es war eine große Freude an Veränderung der Protagonisten teilzunehmen und die Reise ein Stück mit ihm zu gehen. Dieses Buch könnte zu einem persönlichen Highlight 2020 werden.
Sinnliche Reise
von Renate Dill - 18.05.2020
Der junge Robert zieht, bevor er die Familientradition weiter lebt durch Englands Norden. Er lernt die viel ältere Dulcie kennen und lieben. Sie hat viele Geheimnisse, die er nach und nach mehr oder weniger lüftet. Dulcie ist nicht mit allem einverstanden. Dem Autor BENJAMIN MYERS ist mit seinem Buch OFFENE See ein wunderschönes, gefühlvolles und bezauberndes Buch gelungen. Er beschreibt die nordenglische Landschaft mit größter Liebe und Wertschätzung. Als Leser bekommt man dabei Fernweh. Die Geschichte zwischen dem ungleichen Paar ist sehr sinnlich geschrieben. Ich kam sehr schnell in das geschehen hinein. Es macht einfach Freude ein solch hochwertig geschriebenes Buch zu lesen. Dafür vergebe ich gerne 5 Sterne und hoffe, dass es noch weitere Bücher von ihm geben wird.
von Anonym - 12.05.2020
England 1946: Der junge Robert soll im Bergwerk arbeiten. Vorher möchte er einmal im Leben das Meer sehen und begibt sich auf Wanderschaft. Dabei lernt er die exzentrische Dulcie kennen, die ihn in die Welt der Literatur, Kunst und Musik einführt. Durch diese Freundschaft verändert sich sein Leben für immer. Ein großartiges Debüt mit tollen Naturbeschreibungen und einem Plädoyer für Neuanfänge.
von Sagota - 05.05.2020
Dieser bewegende, berührende, poetische und lyrische Roman von Benjamin Myers war für mich ein wahrer Glücksgriff , denn er zählt zu den bedeutendsten Büchern bis dato 2020 und zu meinen Jahreshighlights . Erschienen ist der (HC, gebunden) Roman 2020 im Dumont-Verlag. Einen herzlichen Dank möchte ich auch dem genialen Übersetzerpaar Ulrike Wasel und Klaus Timmermann aussprechen! England, 1946: Benjamin Myers entführt den Leser in die unmittelbare (und davon noch sehr geprägte) Nachkriegszeit in Nordengland. Genauer gesagt in ein Dorf, in dem Robert Appleyard geboren wurde und in einer Bergarbeiterfamilie aufwuchs. Um der Enge und dem Mief des ihm vorgezeichneten Weges zu entfliehen, entscheidet er sich für eine Wanderung, die ihn ans Meer, zur offenen See bringen soll, das er unbedingt sehen möchte. Hier wird bereits der Freiheitsdrang des 16jährigen Protagonisten überdeutlich, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass er sich mit diesem Akt von den Fesseln seines alten Lebens, die ihn auf - jedoch nicht von ihm - festgelegte Ziele trimmen sollten, befreit und einen anderen (Lebens)weg einschlagen sollte.... Kurz vor seinem Ziel folgt er einer Sackgasse in einer abgelegenen Bucht, die zu einem Cottage führt: Hier lernt er eine ältere Frau, Dulcie Piper, kennen, die am Ende dieses unscheinbaren Weges mit ihrem Hund Butler lebt: Solch eine unkonventionelle, unverheiratete, kluge Frau hat er bisher noch nicht getroffen und ihre Art, ihre Ansichten beeindrucken ihn zutiefst. In den zahlreichen gemeinsamen Gesprächen, denen man als Leser lauscht, eröffnet sich Robert - der sich entscheidet, eine Hütte auf dem Gelände des Cottage zu renovieren und ihr für die Verpflegung , die für die Nachkriegszeit in köstlichen Gerichten mündet, die er zuvor noch nicht kostete, damit zu danken, eine neue Perspektive und eine Welt, die er nicht kannte: Man braucht ein bisschen Farbe im Leben, selbst wenn sie illusorisch ist. Und das Leben ohne Aroma ist tot. (Dulcie) DAS sind die Sätze, die einen als Leser sehr berühren, der nur ein Beispiel für viele andere kluge Sätze und Lebensweisheiten von Dulcie sind. Der Roman benötigt nicht viel Personal, Robert, Dulcie und deren Dialoge und Handlungen reichen vollkommen aus, um zu bezaubern: Die Sinneseindrücke der Natur, die Wildblumenwiese, die Landschaft werden für Robert - und auch für den Leser zum Sinnenschmaus , der sehr bildhaft und gefühlvoll erzählt wird. War Robert eigentlich auf der Durchreise und wollte die Bucht runter , so wird klar, dass er durch die Bitte eines Fischers - und auch durch sein Vorhaben, die Hütte zu renovieren, die früher ein Atelier war, länger bleiben wird. Die Faszination von Dulcie, die als intelligent, klug, lebenserfahren, empathisch, sprachgewandt, freiheitsliebend mit einer Abneigung jeglicher Autorität, trinkfest und heroisch definiert werden kann, überträgt sich anhand der Dialoge nicht nur auf Robert, dem sie förderlich zur Seite steht, ihm eine Welt zeigt, die er zuvor nicht kannte (Musik, Literatur, Romantik, Lyrik), sondern sie fasziniert auch immer wieder den Leser. (Jedem Jugendlichen würde ich eine solche Dulcie nur wünschen können, die exemplarisch dafür steht, wieviel Kraft in förderlichen Beziehungen zwischen Menschen steht). Den geheimnisvolleren Teil der Geschichte nimmt die Zeit ein, in der das Atelier noch unversehrt war und in dem gemalt wurde: Dulcie kannte eine deutsche Dichterin, deren Gedichte Robert dort findet und sie liest: An einem brandyseligen Abend erzählt Dulcie von dieser Frau, die quasi eine Schlüsselrolle in dem Roman einnimmt, in dem es um Freundschaft, Kunst und Leidenschaft, aber auch Schmerz und Verlust sowie Authentizität geht, die über Pflichterfüllung und Gehorsam gehen (sollten). Fazit: Durch eine tief berührende, bildhafte und poetische Sprache gelingt es Benjamin Myers, das nördliche England in der Nachkriegszeit wieder auferstehen zu lassen: Eine herrliche Landschaft tut sich vor dem inneren Auge auf, in der ein 16jähriger seinen Weg ins Leben sucht. Ein Roman, der sehr stimmig und wundervoll erzählt zum Ausdruck bringt, wie wichtig es ist, Förderung durch wohlgesonnene menschliche Beziehungen zu erfahren, ohne eine Gegenleistung zu verlangen: In diesem Roman ist es zudem so, dass beide Protagonisten sich gegenseitig wecken konnten: Während Robert erlebt, wie sehr ihn Literatur, Musik und auch die Natur inspiriert, stellt sich Dulcie den eigenen Schatten der Vergangenheit und kehrt zurück ins Leben. Offene See ist ein Roman, der mich sehr begeistern konnte und den ich absolut für lesens- und empfehlenswert erachte, daher erhält er von mir die volle Punktzahl! Sehr bemerkenswert im Nachwort/der Danksagung des Autors fand ich auch den Umstand, dass dieser Roman größtenteils mit Stift und Papier in einer Bibliothek verfasst wurde; den Hütern des Wortes ist er somit u.a. auch gewidmet. Schön!
Wohin führt das Leben?
von Anonym - 04.05.2020
Offene See ist für mich eine Liebeserklärung an die Natur, die Lyrik, die Freundschaft und das Leben. Benjamin Myers erzählt sehr detailliert, ruhig und poetisch von der Schönheit der Natur und einer wundersamen Freundschaft zwischen Dulcie und dem 16jährigen Robert. Eigentlich möchte er sein Elternhaus verlassen um das Meer und die Welt zu erkunden, aber als er auf die ältere Dame trifft, bleibt er bei ihr und ihrem Hund Butler hängen. Er pflegt ihr Anwesen und hilft ihr zeitgleich in die Vergangenheit zu blicken und neuen Mut für die Zukunft zu gewinnen. Dabei zeigt sich ihm eine Welt, die keinen Regeln und Konventionen folgt und die in der Abgeschiedenheit und Nähe zum Meer aufblühen kann. Bei der offenen See habe ich mit einem aufbrausenden Wellengang gerechnet und wurde mit etwas ganz anderem, entschleunigendem belohnt. Es ist ein sehr toller und ruhiger Roman, der mich über das Leben, die Menschheit und die Endlichkeit nachdenken ließ und zeigt, dass Begegnungen das Leben in ganz andere Bahnen lenken können.
Blick aufs Leben
von schliesi - 26.04.2020
Inhalt und meine Meinung: Der sechzehnjährige Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer in seiner Familie wohl Bergarbeiter werden wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus und so beschließt er kurz nach dem zweiten Weltkrieg sich auf eine Reise zum Meer zu begeben, welches er noch nicht gesehen hat. Kurz vor seinem Ziel lernt er Dulcie kennen, eine ältere Frau, die in einem recht heruntergekommenen Cottage wohnt und ihn auf eine Tasse Tee einlädt. Aus der Tasse Tee wird ein längerer Aufenthalt, Robert nimmt ihr schließlich Arbeiten rund ums Haus ab und bekommt dafür von Dulcie täglich allerlei Köstlichkeiten augetischt. Die beiden verbringen die Abende mit langen Gesprächen. Robert ist von Dulcies unangepasster Art, ihren Ansichten und ihrer Lebensweise fasziniert. Als Robert bei seinen Arbeiten auf ein Manuskript mit Gedichten stößt, reagiert Dulcie barsch und möchte nicht darüber reden. Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Benjamin Myers hat mich mit seiner Geschichte mit auf Roberts Reise genommen, die ich gemeinsam mit ihm durchlebt habe. Die Handlung hallt bei mir immer noch nach. Ich empfehle diesen Roman deshalb sehr gerne weiter.
Vom Glück, seinen eigenen Weg zu finden
von Xirxe - 18.04.2020
Es gibt Bücher, da hat man noch nicht mal eine Seite gelesen und ist sich trotzdem sicher: Mit dieser Lektüre wird man sich wohl fühlen, sogar sehr wohl. Und so war es bei Offene See. Die Geschichte selbst ist eher unspektakulär: Der II. Weltkrieg ist gerade vorbei, als sich der 16jährige Robert aufmacht, die Welt zu erkunden. Aufgewachsen im Norden Englands in einem armen Bergarbeiterdorf scheint sein Leben vorherbestimmt zu sein wie das seines Vaters und seines Großvaters und all der Nachbarn um ihn herum: Unter Tage zu arbeiten um Kohle zu fördern. Doch in ihm wächst das Fernweh und die Lust auf ein Leben, das nicht bestimmt ist vom grauschwarzen Staub der Kohle. Mit nichts als einem Rucksack und etwas Verpflegung macht er sich auf Richtung Süden, zu Fuß durch das zerstörte England. Fast am Meer angelangt, trifft er auf die ältere Dulcie, eine allein lebende, unkonventionelle Frau, die ihm ein Leben zeigt, das so völlig anders ist als alles, was er bislang kannte. Nein, hier geht es nicht um eine Liebesgeschichte ältere Frau verführt jungen Mann, sondern um eine Freundschaft im besten Sinne. Dulcie lässt Robert auf ihrem Grundstück übernachten und bei gemeinsamen Essen erzählt sie ihm von einer Welt und ihren Möglichkeiten, die er teilweise nicht einmal vom Hörensagen kennt. Sie bestärkt ihn, sich eigene Gedanken zu machen über das, was ER vom Leben erwartet, und nicht was seine Eltern wünschen; zeigt ihm Möglichkeiten auf, die er nutzen kann; und ermuntert ihn, seinen eigenen Weg zu gehen. Robert, der als alter Mann seine Geschichte im Rückblick erzählt, macht dies auf eine so einfühlsame Weise, dass ich mich mit dem Sechzehnjährigen eng verbunden fühlte. Die Entwicklung seiner Persönlichkeit vollzieht sich in jenem Sommer so eindrucksvoll und vielversprechend, dass man sich für jeden jungen Menschen eine Dulcie an seine Seite wünscht. Doch es ist nicht nur Roberts Entwicklung, die dieses Buch so lesenswert macht. All seine Sinne (sehen, hören, riechen, fühlen) nehmen die Welt überaus deutlich war und geben sie ebenso detailliert, farbig und lebendig wieder, sodass einem dieses Nachkriegsengland im Frühsommer fast vorkommt wie ein Garten Eden. Beispielsweise dieser kleine Absatz über Honig und Bienen (der allerdings von Dulcie ist ;-)): Weil Honig flüssige Poesie ist. Er ist wie ein Scheibchen Sonne auf deinem Brot. Er ist die Essenz der Natur - die Essenz von Land und Insekt und Mann oder Frau, die in vollkommener symbiotischer Harmonie zusammenarbeiten. Bienen sind wahre Wunderwesen, die unermüdlich Pollen in Gold verwandeln. Oder Da war das polyphone, gurrende Zweinoten-Mantra von zwei rastenden Ringeltauben, eine in der Nähe, die andere weiter weg, Doppelklänge der Zufriedenheit. Darüber das kleinliche Gezanke eines Möwenschwarms, ... ). Auch sonst gibt es reihenweise Sätze und Abschnitte, die ich mir am liebsten abschreiben und an die Wand heften würde (gäbe es noch Platz ;)), wie beispielsweise Denn niemand gewinnt einen Krieg wirklich; manche verlieren bloß ein bisschen weniger als andere. Oder Zeit war wertvoller geworden. Sie war das Einzige, das wir in Hülle und Fülle besaßen, obwohl der Krieg uns gelehrt hatte, dass auch sie eine begrenzte Ressource war und dass es eine der größten Sünden war, sie unklug zu verbringen oder verschwenderisch mit ihr umzugehen. Ein Buch, das man (ich) sicherlich mehrmals lesen kann - und jedes Mal wieder mit Gewinn.
Aufbruch
von mars - 18.04.2020
Robert hat gerade die Schule beendet und bevor er wie sein Vater und auch viele andere aus seinem Dorf anfangen wird im Bergwerk zu arbeiten, begibt er sich mit leichtem Gepäck auf eine Reise. Zu Fuß, er arbeitet, um im Gegenzug etwas Essen zu erhalten, schläft oft im Freien oder in Scheunen, was sich eben so gerade ergibt. Doch dann wird seine Reise ganz ungeplant unterbrochen, als er auf dem Grundstück von Dulcie ankommt, die ihn erst auf einen Brennesseltee mit Zitrone einlädt - Zitronen hat er noch nie gegessen. Dann bleibt er zum Abendessen, erledigt Arbeiten für Dulcie, von denen er denkt, sie müssten erledigt werden und so bleibt er auf einmal eine lange Zeit bei dieser exzentrischen Frau voller Geheimnisse. Denn Robert merkt schnell, dass sie Geschichten nur so erzählt, wie sie es möchte und sowohl den Zeitpunkt als auch die Ausführlichkeit selbst bestimmt. Durch Dulcie lernt er ein ganz anderes Leben kennen, er beginnt zu lesen, was sie ihm leiht. Ein unglaublicher Roman. Es geschieht gar nicht mal so viel und auch nicht so viel Spektakuläres, aber wie es geschrieben ist, das ist unbeschreiblich gut.
Ein zukünftiger moderner Klassiker
von Zauberberggast - 17.04.2020
Eskapismus und Sehnsuchtsorte aller Art, haben in der Literaturgeschichte eine große Tradition. Das Meer ist als Sehnsuchtsort prädestiniert, symbolisiert es doch mit seiner scheinbar unendlichen Weite und Tiefe das Mythische und Unerklärliche. Der menschliche Verstand sieht nur bis zum Horizont, die Phantasie kann darüber hinausschauen. Auch das Motiv des Wanderns ist ein altes in der Literatur - man denke nur an die Romantik, an Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre und andere Klassiker. Offene See ist das Buch der Wanderschaft eines jungen Mannes im England der 1940er Nachkriegsjahre. Eigentlich nimmt nicht die Wanderschaft, sondern sein Aufenthalt an der Küste des Landes bei einer älteren Dame die meiste Erzählzeit ein. Es ist im Grunde ein klassischer Bildungs- bzw. Entwicklungsroman, wenn man eine solche generische Einordnung denn vornehmen möchte. Der Ich-Erzähler, der in der Rahmenhandlung die Erlebnisse seiner Jugend niederschreibt, heißt Robert Appleyard. Als Sohn eines Bergarbeiters ist auch sein zukünftiges Leben als solcher quasi prädestiniert. Aber Robert bricht mit 16 Jahren auf, um sich treiben zu lassen. Er will das Meer sehen, die Küste, die er von seinem Heimatort im Landesinneren aus nur erahnen kann. Als er in einem kleinen, südlich gelegenen Küstenstädtchen ankommt, führt ihn sein Weg aber nicht bis ans Meer, sondern zu der quasi alterslosen Dulcie Piper. Diese wirkt, als hätte sie ihn schon erwartet und nimmt ihn wie selbstverständlich bei sich auf. Aus einem Tag werden Wochen und Monate des Aufenthalts, in denen Robert Dulcie, und vor allem auch sich selbst, immer besser kennenlernen wird. Das Buch hat etwas dezidiert Mythologisches, Märchenhaftes an sich. Wie Circe Odysseus, doch ohne jegliche Erotik oder Zwang zwischen den Parteien, nimmt Dulcie Robert bei sich auf, der eigentlich ganz andere Pläne hatte. Er wollte nicht irgendwo länger verweilen, schon gar nicht bei einer älteren Frau, die nah am Meer wohnt und dafür doch so gar nichts übrig zu haben scheint. Doch nun kam es anders und selbst ein kurzer Ausbruchsversuch bringt ihn wieder wie magnetisch - oder wie die Flut nach der Ebbe - in Dulcies kleine Welt zurück. Robert darf erst weiterziehen, wenn er selbst dazu bereit ist, also genug gelernt, sich gebildet hat. Dulcies unkonventionelle Art, ihr einnehmendes Wesen und ihre Schlagfertigkeit machen sie sofort sympathisch. Kontrastiert mit der stillen, stoischen Art Roberts, der vor allem durch seine handwerkliche Arbeit und Körperlichkeit besticht, bilden die beiden ein seltsames Paar. Als Robert Dulcies verlassenes Gartenhäuschen auf Vordermann bringt, kommen nach und nach die Geister ihrer Vergangenheit zum Vorschein... Offene See ist eine Feier des Gegenwärtigen, ist doch die Gegenwart die einzige Zeit, die uns wirklich gehört , wie Blaise Pascal sagte. Dulcie ist die personifizierte Zeitlosigkeit und eine Verfechterin dieser Theorie. Sie ist ein Mensch, der im Augenblick lebt und den man nicht in eine Schublade stecken kann. Intellektuell, nonchalent, sophisticated, aber auch derb, explizit und plakativ in der Ausdrucksweise. Die Besonderheit des Buches ist seine Sprache, die vor Metaphorik und lyrischen Sprachbildern nur so strotzt! In der Erzählstimme findet sich kaum ein Satz ohne Allegorie, kaum ein Wort, das nicht in einem bildlichen Zusammenhang mit anderen steht. Es wundert nicht, denn Benjamin Myers ist auch Lyriker. Seine starke weibliche Hauptfigur des Romans ist ebenfalls eine Advokatin der Poesie, eine Verfechterin des Lyrischen. Offene See ist einfach grandios, elegant und sprachlich einzigartig. Ich denke, wenn man in späteren Zeiten die Literaturklassiker der 2020er Jahre auflisten wird, wird man über diesen Roman nicht hinwegsehen können.
Ein intensiver und bewegender Roman.
von Inge Weis - 13.04.2020
Die Möglichkeiten eines Lebens. England 1946. Die Sehnsucht nach dem Meer, die Enge seines Elternhauses und das britische Kohlearbeiterdorf, in dem er aufgewachsen ist und wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird, veranlassen den jungen Robert Appleyard dazu, sich zu Fuß zur Küste aufzumachen. Einmal will er die offene See erleben, bevor er unter Tage arbeiten muß. Es ist Sommer, der Zweite Weltkrieg ist vorbei, und Robert ist hungrig nach Meer, Sonne und Weite. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Als er die unkonventionelle Dulcie kennenlernt, öffnet sich für ihn die Tür in ein ganz anderes Leben - ein Leben, in dem Freundschaft, Leidenschaft, Kunst, aber auch Schmerz erstrebenswerter sind als Wohlanständigkeit und Pflicherfüllung. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus diesem einen Nachmittag wird ein ganzer Sommer und Dulcie eröffnet dem jungen Mann auf unvergessliche Art die Welt der Poesie, der Musik und der Malerei. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will. Eine unwahrscheinliche Freundschaft entsteht, die ihrer beider Leben auf immer verändern wird. Ein bewegend poetischer Lobgesang auf das Land, tief empfunden und aufmerksam beobachtet zeigt, das ist ein Buch, das man einfach nur umarmen möchte!! Kunstsinnig, poetisch, charmant. Eine unaufgeregte Geschichte mit unaufgeregten Hauptfiguren. Für Alle, die sich vom Stress des Alltags erholen wollen. Dieser Roman ist in seiner sprachlichen Leichtigkeit und Eleganz eine echte Entdeckung. So poetisch und bildgewaltig geschrieben, mit vielen Anregungen für eine andere Sichtweise auf die Welt und einem Geheimnis, welches zeitgleich herzzerreisend wie wunderschön ist. Ich bin begeistert. Wer sensible Bücher voll menschlicher Zwischentöne mag, wird bei Benjamin Myers gut aufgehoben sein. Ein besonderer kleiner Roman hervorragend geeignet, um selber zur Ruhe zu kommen. Sehr wohltuend!!
Ein anderes Leben
von Klaraelisa - 13.04.2020
In Benjamin Myers¿ Roman "Offene See" hat der 16jährige Robert Appleyard im Jahr 1946 die verhasste Schule abgeschlossen. Bevor er wie seine Vorfahren in der Mine arbeitet, was seine Bestimmung zu sein scheint, begibt er sich mit dem Nötigsten ausgestattet auf eine Wanderschaft. Er will das Meer sehen, bevor er sein Leben in Dunkelheit und Dreck verbringt. Er genießt die Natur mit allen Sinnen und hat ein intensives Gefühl der Befreiung. Eines Tages stößt er auf ein verstecktes Cottage in Küstennähe und lernt in Dulcie Piper eine ungewöhnliche, wesentlich ältere Frau kennen. Sie lädt ihn zum Essen ein, und er bleibt länger, als er eigentlich wollte. Die unkonventionelle Dulcie führt ihn an Literatur, Kunst und Musik heran und macht ihm deutlich, dass er das Recht hat, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es ist jedoch keineswegs eine einseitige Beziehung zwischen dem Jungen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden und der älteren Frau. Als Gegenleistung für Unterkunft und hervorragende Verpflegung kümmert sich Robert um den Garten und renoviert ein Atelier. Er tut jedoch noch sehr viel mehr für seine Gastgeberin. Er hilft ihr, sich endlich der Trauer um die verlorene Liebe, die Dichterin Romy Landau, zu stellen, deren Gedichte Robert ihr sechs Jahre nach Romys Tod vorliest. Für beide öffnen sich Türen zu einem neuen Leben, für Robert langfristig auch im materiellen Sinn. Im Prolog und Epilog, die den Bericht über Roberts Leben als Rahmenhandlung umschließen, schaut er als alter Mann auf sein Leben zurück und zeigt, wie viel er Dulcie Piper zu verdanken hatte. "Offene See" ist ein berührender Roman in einer lyrischen Sprache, den ich sehr gern gelesen habe. Er besticht durch wunderschöne Landschaftsbeschreibungen und ist gleichzeitig eine Coming-Of-Age Geschichte und ein Porträt der Nachkriegszeit im Nordosten Englands. Der deutsche Titel kann leider den Doppelsinn des Originals - "The Offing" - nicht vermitteln. "Offing" bedeutet einerseits den Übergang zwischen Meer und Himmel am Horizont, andererseits ist die umgangssprachliche Nebenbedeutung (Selbst-)Tötung eine Anspielung auf ein wichtiges Element der Handlung. Ein sehr außergewöhnlicher Roman, der lange nachwirkt.
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