Panikherz

Buch (gebunden)
Abschied von der Nacht: Benjamin von Stuckrad-Barres Comeback



Er wollte genau da rein: zu den Helden, in die rauschhaften Nächte - dahin, wo die Musik spielt. Erst hinter und dann auf die Bühne. Unglaublich schnell kam er an, stürzte sich hinein und g … weiterlesen
Buch (gebunden)

22,99 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Panikherz als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Panikherz
Autor/en: Benjamin von Stuckrad-Barre

ISBN: 3462048856
EAN: 9783462048858
Kiepenheuer & Witsch GmbH

10. März 2016 - gebunden - 576 Seiten

Beschreibung

Abschied von der Nacht: Benjamin von Stuckrad-Barres Comeback



Er wollte genau da rein: zu den Helden, in die rauschhaften Nächte - dahin, wo die Musik spielt. Erst hinter und dann auf die Bühne. Unglaublich schnell kam er an, stürzte sich hinein und ging darin fast verloren. Udo Lindenbergs rebellische Märchenlieder prägten und verführten ihn, doch Udo selbst wird Freund und später Retter.



Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt eine Geschichte, wie man sie sich nicht ausdenken kann: Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort - im mythenumrankten »Chateau Marmont« in Hollywood, in das ihn Udo führte. Was als Rückzug und Klausur geplant war, erweist sich als Rückkehr ins Schreiben und in ein Leben als Roman. Drumherum tobt der Rausch, der Erzähler bleibt diesmal nüchtern. Schreibend erinnert er sich an seine Träume und Helden - und trifft viele von ihnen wieder. Mit Bret Easton Ellis inspiziert er einen Duschvorhang, er begegnet Westernhagen beim Arzt und Courtney Love in der Raucherecke und geht mit Thomas Gottschalk zum Konzert von Brian Wilson. Andere sind tot und werden doch gegenwärtig, Kurt Cobain, Helmut Dietl.



Stuckrad-Barre erzählt mit seiner eigenen Geschichte zugleich die Geschichte der Popkultur der letzten 20 Jahre. »Panikherz« ist eine Reise in die Nacht, eine Suche nach Wahrheit, eine Rückkehr aus dem Nebel.

Portrait

Benjamin von Stuckrad-Barre, 1975 in Bremen geboren, ist Autor von »Soloalbum«, 1998, »Livealbum«, 1999, »Remix«, 1999, »Blackbox«, 2000, »Transkript«, 2001, »Deutsches Theater«, 2001, »Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft - Remix 2«, 2004, »Auch Deutsche unter den Opfern«, 2010, »Panikherz«, 2016, »Nüchtern am Weltnichtrauchertag«, 2016 und »Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal hinlegen - Remix 3«, 2018.

Pressestimmen

»Stuckrad-Barre hat den Kampfhund Erinnerung gereizt, und herausgekommen ist ein großes Buch, ein Buch, das bleiben wird, weil er sein Leben in die Waagschale geworfen hat, um Ruhm und Erfolg zu erlangen.« taz

» Panikherz ist der erstaunlichste Großerfolg dieses Frühjahrs.« Süddeutsche Zeitung

»Jetzt hat er [Benjamin von Stuckrad-Barre] sein bestes Buch geschrieben, geschenkt. Es ist ehrlich, anrührend, voller Ironie (auch Selbstironie, natürlich), es schlägt einen traumhaften Bogen zwischen Anektdotischem und Literatur, es ist eine große Erzählung.« Peter Huth, Bild

»Damit das vorweg klar ist: Das Buch ist geil.« spiegel.de

»Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein interessanter Fall und wahrscheinlich das größte Talent, das der auf Popkultur spezialisierte Journalismus in den vergangenen Jahren gesehen hat.« FAZ

»In Panikherz erzählt Stuckrad-Barre aus dem Backstage-Bereich dieser Show, die sein Leben war. Von dem Glanz und dem Dreck, von der Lust und den Schmerzen dieser Jahre und wie er sie erst gesteigert und dann betäubt hat, mit Musik, dann mit Alkohol, mit Drogen, bis es nicht mehr ging. Er seziert wieder, diesmal sich selbst.« stern

» Panikherz ist aufregend und nervös, eins der pulsierendsten Bücher in diesem Frühjahr« rp-online.de

»Die Begegnungen mit Bret Easton Ellis, Courtney Love, Thomas Gottschalk, Musikern von Rammstein das alles liest sich ganz wunderbar. Denn Stuckrad-Barre ist nicht nur ein glänzender Beobachter, er weiß es eben auch in die richtige Form zu bringen.« Kölnische Rundschau

» Panikherz erhebt den Überlebenskampf zur Kunstform: mit kluger Beobachtungsgabe und klarer Wirkungsabsicht.« Tageblatt, Luxemburg

»Klug, ehrlich, durchgeknallt. Applaus!« Cosmopolitan

»Eine brillante Erzählung über die Obsessionen unserer westlichen Kultur...`Panikherz ist kein Roman, sondern ein Memoir und dennoch viel mehr als nur der Offenbarungseid eines Extrembegabten. Das Buch liest sich wie ein Roman über einen fallenden Helden unserer Zeit...Ein Entwicklungsroman über die Strahlkraft der Popkultur und die Leere, die sich dahinter verbirgt...Stuckrad-Barre verfügt über die Erzählkraft, diese existenzielle Oberflächlichkeit genau und intensiv und grotesk zu beschreiben.« Thomas Hüetlin, Der Spiegel

»Ein Buch über die Freundschaft, über Helden, Schmerz und Rettung und über all die anderen Dinge, die uns ausmachen. Ich habe lange nichts gelesen, was mich so berührt hat, es ist klug, schnell, poetisch, komisch und vor allem ist es wahr. Stuckrad-Barre ist einer der begabtesten Schriftsteller seiner Generation, und endlich hat er das Buch geschrieben, das er schreiben musste.« Ferdinand von Schirach

»Der Mann kann schreiben, der Mann ist schnell, auf den Punkt und dabei witzig, ironisch, ein bisschen selbstverliebt und sehr sehr charmant.« braunschweiger-zeitung.de

» Panikherz ist der Roman eines Schriftstellers, der sich selbst bis aufs Schmerzhafte zum Sujet gemacht hat und dabei mit sensiblem Gespür sein Ich endlich wieder in schillernde Literatur verwandelt hat.« Deutschlandfunk

»Ob man »Stuckiman« lesen muss? UNBEDINGT! myself

»Ich bin ja eher ein bürgerlicher Mensch, aber eines weiß ich nach diesem grandiosen Buch gewiss: Ich habe eine Menge verpasst!« Joachim Meyerhoff

»Nach seinen Reportagen über den deutschen Politikbetrieb, in denen er oft wahrnahm, wofür sonst niemand einen Blick hatte, kehrt Benjamin von Stuckrad-Barre zurück zu sich selbst. Er fährt sehr weit weg, um nah bei sich zu sein: nach Amerika, wo er sich so klein fühlt wie lange nicht mehr. Von Los Angeles aus erzählt er die Geschichte seines Aufstiegs und Absturzes mit Rückblenden in die Kindheit und zu den Vaterfiguren seines Lebens (Frauen kommen nicht vor). Er tut dies in einer wunderbar klaren Sprache.« Julia Encke

»Benjamin von Stuckrad-Barre hat eine 600-Seiten-Hymne auf seine Helden geschrieben.« Neon

»Eines der besten Bücher der vergangenen Jahre.« Markus Lanz, ZDF

» Panikherz ist vor allem ein sehr schmerzhafter und entlarvender Text. Stuckrad-Barre schreibt schnell, hektisch, rücksichtslos und phasenweise brillant. Ob man das lesen muss? Nicht unbedingt. Aber dann bitte alles andere von ihm!.« Emder Zeitung

»Benjamin von Stuckrad-Barre hat ein etwas langes Buch geschrieben. Mit klugen Erkenntnissen. Er hat immer noch den Punch.« ARD ttt

»lächerlich gut, schmerzhaft schön.« Barbara

»Ein sehr ungewöhnliches Buch.« Berliner Morgenpost

» Panikherz, die schönste autobiographische Literatur.« bz-berlin.de

»Mit Panikherz ist Stuckrad-Barre das most welcomed Comeback gelungen, seit es im deutschen Literaturraum Comebacks gibt. Es hat Substanz, Humor, Tiefe, eine Wucht an Ehrlichkeit, einen rasanten herzhaften Sound, kurzum: ein echter Wurf. Ganz ohne freundschaftliches Blubgezwitscher. Lesen Sie dieses Buch.« David Schalko, derstandard.at

»Diese rund 600 Seiten lange Reise ins Herz der Finsternis der westlichen Popkultur ist so wahnsinnig und intensiv, sie haut einen um.« Frankfurter Neue Presse

»[...] Stuckrad-Barres dichtestes, ehrlichstes und ganz einfach grandioses Buch.« annabelle

» Panikherz ist ein Buch wie sein Leben atemlos, ohne rechtes Maß, ausufernd, eitel, egozentrisch. [...] Zurück bleibt ein atemloser Leser aber genau das war wohl auch das Ziel.« Kölner Stadt-Anzeiger

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 10.03.2016

Es kenne ihn die Welt

Man wusste oder hoffte, dass er so ein Buch in sich hat: Benjamin von Stuckrad-Barre legt seine Autobiographie vor. Sie hat über weite Strecken Format, nur das Ende ist hässlich und klein.

Benjamin von Stuckrad-Barre muss durch die Hölle gegangen sein; nach allem, was er erzählt, ist es ein Wunder, dass er noch lebt: viel Drogen, Alkohol sowieso, dazu noch Bulimie (Ess-Brechsucht). Das Buch, das er darüber geschrieben hat, wird man am ehesten als Autobiographie bezeichnen können. Neuerdings wird auch von einem "Memoir" gesprochen (gibt es "Ferien" in der Einzahl?). Aber "Memoiren" klänge zu edel, außerdem ist der Autor dafür noch nicht alt genug und seine Bedeutung für die Kultur, mit Verlaub, insgesamt (noch?) zu gering.

Eine Autobiographie bedarf, frei nach Goethe, der Liebe zu sich selbst. Demnach wäre Benjamin von Stuckrad-Barre dafür gar nicht qualifiziert, denn er hegt eine gegenteilige Empfindung für sich selbst. Nach Auskunft von Ärzten wie von Betroffenen wird der Bulimiker meistens von Selbsthass geplagt. Vielleicht ist das Buch deswegen so gut geworden. Wer ertrüge schon 560 Seiten Eigenliebe? Die achtzig Seiten, die sie dann trotzdem noch enthalten, reichen und sind, bei Lichte betrachtet, ein Makel, über den nur Fans hinwegsehen werden. Dazu kommen wir noch.

Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein interessanter Fall und wahrscheinlich das größte Talent, das der auf Popkultur spezialisierte Journalismus in den vergangenen zwanzig Jahren gesehen hat. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre haute er in Zeitungen und Zeitschriften seine Idole Marius Müller-Westernhagen und, vor allem, Udo Lindenberg gehörig in die Pfanne, und wer das las, konnte kaum glauben, dass dieser schlagfertige, scharfzüngige Autor damals erst Anfang zwanzig war. Solche Verrisse sind natürlich Anfängerfehler; der Versuchung, jemanden öffentlich zu beleidigen, gibt man, wenn man jung ist und Aufmerksamkeit braucht, schon mal nach; aber es ist durchaus nicht so, dass Stuckrad-Barre dies ganz ohne Argumente getan hätte. Er hatte immer ein Auge für die Schwachpunkte von Popmusikern, denen damals fast ausschließlich sein Interesse galt, für Eitelkeiten, künstlerische und altersmäßige Angemessenheiten, kurz: für die Frage, ob jemand, wie man so sagt, "in Würde altert". Dass er das selbst noch nicht gelernt hat, ist eine Tatsache, der wir "Panikherz" verdanken, eine ausgesprochen egomanische, aber nur gegen sich selbst rücksichtslose, gegenüber allen anderen eher milde, gerechte oder geradezu liebevolle Erzählung. Was Lindenberg betrifft, so wird der Leser, der ein Normalverhältnis zu ihm unterhält, schnell feststellen, dass Stuckrad-Barre es in dieser Hinsicht übertreibt, wie man überhaupt fragen kann, was ausgerechnet diesen Sänger, der gewiss etwas geleistet hat, aber die vergangenen fünfundzwanzig Jahre nur noch betrunken und undurchsichtig vor sich hin nuschelt, so zum Helden prädestiniert.

Weniger eine Geschmacksfrage ist, was man davon halten soll, wenn ein Suchtkranker so dermaßen viel verbrannte Erde hinterlässt. "Es kenne mich die Welt, auf dass sie mir verzeihe"? Man ist geneigt, an den Ausspruch August von Platens zu denken. Denn tatsächlich erschließt sich manches aus Stuckrad-Barres Werdegang und seinem bisweilen fast schnöselig wirkenden Gehabe nun doch ganz gut: Viel Unsicherheit war dabei im Spiel, dazu der unbedingte Wille, "dazuzugehören", den Stars so dicht wie möglich auf den Fersen zu sein, ja im Grunde auch so ein Leben zu führen.

Das ist ihm, jedenfalls gemessen am Suchtverhalten und den vielen Abstürzen, gelungen. Folglich muss dieser Wille ungeheure Kräfte aktiviert haben, nur, dass sie sich rasch gegen den Autor selbst richteten. An einer Stelle, die man als so rührend wie alarmierend empfindet, legt der WDR-Moderator Friedrich Küppersbusch ihm die Hand auf die Schulter und sagt: "Junge, du hast ganz schön viel Energie."

Mit Leichtigkeit trägt es ihn fort aus dem norddeutschen Pfarrhaus, dem er entstammt. Die gewissenhaften, durchaus an Weltverbesserung interessierten Eltern sind dermaßen alternativ, dass er sich schon als Kind nach Oberflächlichkeit sehnt: Markenkleidung, Nutella, Unterhaltungsmusik (statt Klassik), Urlaub im Süden (statt Wandern), überhaupt nach allen Versatzstücken, welche die damals noch in vollem Ernst so kritisierte "Konsumgesellschaft" bereithielt. Aber Stuckrad-Barre reitet auf dieser Herkunft nicht herum, er konturiert sie mit wenigen Strichen und erspart einem langweilige Details. Sein Sinn für Tempo und Dynamik, den er mit der Lektüre von Hunter S. Thompson und Jörg Fauser geschärft haben dürfte, ist bemerkenswert.

Mit Einfallsreichtum und Mut gelingt es dem Außenseiter, der von der Klassenschönen geschnitten wird, für die Abiturfeier eine Punkband anzuheuern. Von da an geht alles sehr schnell: Praktikum bei der "taz", Redakteur beim deutschen "Rolling Stone", Referent bei Küppersbusch, Gagschreiber für Harald Schmidt - dies alles absolviert er mit einem für sein damaliges Alter bemerkenswertem Durchblick und der Hartnäckigkeit eines Groupies. Und er schildert es, von einigen wenigen Erklärungen zu allzu bekannten Phänomenen abgesehen, ausgesprochen kurzweilig, pointiert und mit der Selbstironie eines "Hein vom Dorf", der weiß, dass er mit noch so energischen Vorstößen in großstädtisch-glamouröse Sphären seine Herkunft nicht abschütteln kann. Das ist gar nicht so weit weg vom schnörkellosen Ton entfernter Verwandter wie Heinz Strunk oder Walter Kempowski.

Den Kopf hat er voller Ideen, aus denen später immer großspurigere "Projekte" werden, die er den Leuten aufschwatzt, und das Geld dürfte dafür reichlich geflossen sein, ohne dass Stuckrad-Barre hier ins Detail ginge. Vielleicht hat er da schon den Überblick verloren oder wollte gar keinen haben. Als seine ersten beiden Romane, "Soloalbum" und "Livealbum", die man immer noch gerne liest, 1998/99 erscheinen, ist er selbst ein Popstar, das Genre heißt ja "Popliteratur". Es ist sympathisch, dass Stuckrad-Barre von diesen und den folgenden Büchern ("Remix" und "Blackbox") kaum ein Wort sagt und noch nicht einmal deren Titel erwähnt. In den späten Neunzigern stand er, mit noch nicht einmal 25 Jahren, auf dem Höhepunkt in seiner Karriere.

Denn danach kommt der Abstieg, vor allem in Form von Kokain, das er erstmals mit dem amerikanischen Schriftsteller Bret Easton Ellis, auch so einem Meister kalter Pracht, einnimmt. Stuckrad-Barre beschreibt die Räusche und Ernüchterungen, den kalten Schweiß der Sucht, die Klinikaufenthalte und die dauernden Rückfälle ohne Zuhilfenahme von Psychologie, ohne Ausflüchte. Es geht ihm nur um das, was er tut und lässt, wobei die wiederkehrenden Verhaltensmuster selbst nach Hunderten von Seiten nicht ermüden. Immer wieder umkreist Stuckrad-Barre dabei den Kern seiner zwangsneurotischen Persönlichkeit: Unsicherheit, gepaart mit Geltungsdrang; Erlebnishunger, gepaart mit einem Ruhebedürfnis, dem er nur mit chemischer Hilfe nachkommen kann, die alle Nerven betäubt und das Denken abschaltet.

In der eigentümlichen Mischung aus Kurzweiligkeit und einer Selbstkritik, die das Ergebnis seiner mühsam wiedergewonnenen Nüchternheit, vielleicht auch Reue sein muss, liegt die eigentliche Leistung; darin und in dem noblen, diskreten Ton über seine Eltern und die drei Geschwister. Das Bekenntnis zur Familie, die ihn lange nicht geschert hat, kommt so überraschend wie glaubwürdig.

Bis hierhin ist es ein beeindruckendes, wenn auch naturgemäß extrem exhibitionistisches Buch. Aber dann stockt es plötzlich, Besinnung tritt ein. Stuckrad-Barre ist - das muss eine gewaltige Energieleistung gewesen sein - clean und trocken. Er treibt sich in Los Angeles herum, wo er das alles geschrieben hat, geht mit Thomas Gottschalk ins Brian-Wilson-Konzert, verabschiedet sich von seinem todkranken Freund Helmut Dietl und denkt ansonsten pausenlos über seine Helden nach. Passieren tut nichts mehr. Aber die Reflexion, zu der Stuckrad-Barre sich jetzt genötigt sieht, ist weniger seine Stärke. Die Kultur- und Medienkritik, zu der er sich aufschwingt, ist doch sehr von der Stange: Leute, die nur noch fotografieren, statt etwas zu erleben; das Altern der Popkultur und ihrer Protagonisten; das "Handgemachte" in der Musik als "Authentizitätskitsch"; die Beach Boys, die in Wahrheit wasserscheu waren - man hat das schon tausendmal gehört und wundert sich, wie dieser so auf Originalität erpichte Autor überhaupt noch davon anfangen mag.

Selbstzufriedenheit tritt ein - dieser Eindruck dürfte kaum beabsichtigt gewesen sein. Einige Fragen hätte man noch an ihn: Können die Ironiker, auf die er so große Stücke hält (Harald Schmidt, David Letterman, Bret Easton Ellis), überhaupt "Helden" sein? Und muss der bei Lindenberg abgeschaute und in großem Stil nachgemachte Dauerrausch zur "Haltung" hochgelogen werden, oder hätte es das Eingeständnis einer gewissen Haltlosigkeit nicht auch getan?

Schließlich, eine Stelle, die eine Art Sollbruchstelle ist und den Verdacht nahelegt, dass Stuckrad-Barre manchmal einfach auf dem falschen Dampfer ist: Zuletzt hört er die Band Blur. Der Sänger singt, dass Liebe das Allergrößte ist: "Und ja, dann ist Popmusik auf ihrer höchsten Stufe, wenn ein solcher Satz nicht als klebrige Schlagerformel versickert." Der Größenwahn, der ihn sich im Genie Brian Wilson narzisstisch spiegeln lässt, sei ihm zugestanden. Aber dass er sich zu guter Letzt über den Schlager erheben muss, steht ihm nicht gut zu Gesicht. Vom Recht auf Betrogenwerden, von Weltflucht müsste er inzwischen das eine oder andere begriffen haben. Stuckrad-Barre ist damit auf der niedrigsten Stufe angekommen, sein großes Buch hat einen auffälligen Kratzer.

EDO REENTS.

Benjamin von Stuckrad-Barre: "Panikherz".

Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016. 576 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Sicher & bequem bezahlen:
Bleiben Sie in Kontakt:
Hugendubel App
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

11 Bestellungen ins Ausland und der DHL-Paketversand sind von der kostenfreien Lieferung ausgeschlossen.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.