**** Mein Eindruck ****
Dieses Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Realität von Jugendlichen im Zusammenhang mit Straftaten. Dabei wird vor allem eines deutlich: Jugendkriminalität ist ein komplexes Problem, das viele Fragen aufwirft und bei dem es längst nicht nur um die eigentliche Tat geht.
Ich war über einige der geschilderten Fälle wirklich schockiert und teilweise auch emotional aufgewühlt. Gleichzeitig bleibt der Autor überwiegend nüchtern und sachlich. Nur an wenigen Stellen habe ich eine deutlichere Positionierung wahrgenommen dann aber punktiert und wirksam.
Besonders wichtig fand ich, dass hier nicht einfach nur einzelne Fälle aneinandergereiht werden, sondern auch die Frage nach Verantwortung, Umgang und den bestehenden Strukturen im Raum steht. Gerade die Diskussion um die Strafmündigkeit zeigt, wie komplex das Thema ist und wie viele unterschiedliche Aspekte dabei berücksichtigt werden müssen.
Persönlich hätte ich mir noch mehr konkrete Geschichten gewünscht. Teilweise fehlte mir dadurch ein wenig die Verbindung zum Buch und das Gefühl, von Anfang bis Ende wirklich abgeholt zu werden.
Auch ein einführendes Kapitel oder ein Nachwort hätte mir persönlich geholfen. Ich kenne die konkrete Arbeit und Rolle des Autors als Strafverteidiger nicht gut genug, um beurteilen zu können, welche Perspektive ich dadurch vielleicht noch hätte einordnen können. Gerade deshalb hätte mir etwas mehr Orientierung gutgetan.
Trotzdem bleibt für mich vor allem eines: Dieses Buch ist unglaublich wichtig. Es klärt auf, macht betroffen und bringt ein Thema näher, mit dem man sich sonst vielleicht nicht in dieser Tiefe auseinandersetzen würde.
**** Empfehlung? ****
Für alle, die sich mit Jugendkriminalität, den Hintergründen von Straftaten und dem Umgang unserer Gesellschaft mit jungen Tatverdächtigen auseinandersetzen möchten und dabei auch unbequeme Einblicke aushalten können.