Unterhaltsam, abwechslungsreich, mit interessanten Einblicken in die Anfänge der Filmindustrie
Und da ist der Psychiater Dr. Cowan 1959 in Los Angeles eisern: sein Patient, Curtis Melnitz, der ihm von seinem Tennisfreund Dr. Goldsteen überwiesen wurde, bekommt die gewünschten Schlaftabletten nur, wenn er regelmäßig zu den anberaumten Sitzungen bei ihm kommt.Und seinem Patienten bleibt nichts anderes übrig, als sich darauf einzulassen: zuerst widerwillig (Seelenbohrer' und ¿Erinnerungsvampier' schimpfend), dann tolerierend, später anerkennend und zuletzt können wir sogar eine gewisse Vorfreude auf die (insgesamt 37) Sitzungen erkennen. Die ¿Eiterbeulen sollen aufgestochen' werden, die die Ursachen für seine Albträume sind.Und so erzählt der Protagonist, wie er in Leipzig als Kurt Chmelnitzki geboren wurde, mit fünf Jahren auf tragische Weise seine Eltern verlor und bei der Familie des Bruders seines Vaters aufwuchs - mehr geduldet als geliebt. Wir erfahren seinen beruflichen Werdegang, seine erzwungene Auswanderung in die USA, sein Verhältnis zu den Frauen: angefangen bei Selma, seiner Cousine, später seinen zwei Ehefrauen und etlichen anderen.Der Schweizer Schriftsteller Charles Lewinsky lehnt sich in seinem 416 Seiten starken Roman an die reale Figur Curtis Melnitz (1897 - 1962) an, der als deutsch-amerikanischer Pressevertreter, Studio-Repräsentant, Firmenmanager und Filmproduzent tätig und bekannt war. (Und wenn der Protagonist seine Erzählungen nicht gelegentlich mit dem Hinweis ¿das ist eine andere Geschichte' gestoppt hätte, wäre das Buch höchstwahrscheinlich doppelt so dick geworden!)Wir bekommen einen Einblick in diese, von zwei Weltkriegen geprägte Zeit, in die Welt des Filmes (erfahren auf diesem Weg, was z.B. ¿Loser-Formulierungen sind) und in vieles weitere. Begeistert hat mich nicht nur die geniale Erzählkunst des Autors, sondern auch herrlich markante Sätze, wie z.B.: "Wer hungrig aussieht, wird nicht zum Essen eingeladen" oder "Wenn man dort, wo man gern wäre, nicht willkommen ist, muss man dort hingehen, wo sie einen haben wollen" und der tiefsinnige jüdische Humor.Ich hätte mit dem Protagonisten nicht bekannt sein und schon gar keine Beziehung führen mögen, dafür war er mir vom Charakter her nicht sympathisch genug (auch wenn ich seine Entwicklung auf Grund seiner Geschichte gut nachvollziehen konnte). Das Buch hat mich jedoch bestens unterhalten! Fünf überzeugte Sterne vergebe ich deshalb und spreche eine große Empfehlung aus.