"Sommerrauschen" von Christiane Adlung (HC, geb., 281 S.) erschien 2026 im Dumont-Verlag, Köln. Ausgehend vom Buchtitel wie auch vom Cover, habe auch ich eine interessante und eher leichte Sommerlektüre vermutet, jedoch eine ganz andere Geschichte gefunden.
"Seit Kindheitstagen reist Judith in das Sommerquartier ihrer Familie im Médoc. Der Atlantik, die Wälder und Seen hinter den Dünen - der August verhieß einst endlose Wochen gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und Natascha, dem Mädchen aus dem Nachbarhaus. Das Schicksal zerbrach die besondere Freundschaft, die Heranwachsenden verloren sich aus den Augen.
Heute bewohnt Judith, mittlerweile eine erfolgreiche Bildhauerin, mit Robert, den beiden Töchtern und ihrer Mutter das Quartier. der Verkauf des leer stehenden Nachbarhauses scheint Robert Gelegenheit, die beengten Räumlichkeiten zu erweitern. In Judith jedoch rühren jene vier Wände mit ihren Geschichten an lang Vergangenem. Als Natascha unvermittelt in Begleitung ihres Mannes eintrifft, kehren all die Erinnerungen, denen Judith seit jenem Sommer vor vierzig Jahren zu entkommen versucht, jäh zurück." (Quelle: Klappentext des Verlages)
Meine Meinung:
Die Themen des Romans sind vielfältig: Sie führen über Kunst und Bildhauerei, Freundschaft, Loyalität und Liebe bis hin zu Unaufrichtigkeit, Trauma, Schuld und Lügengeflechte innerhalb einer Familie, die jedes Jahr im Sommer ihren Urlaub an der Atlantikküste verbringt, die atmosphärisch sehr gut von der Autorin beschrieben wird (mich allerdings auch betroffen machte, da genau in der Zeit, in der ich diesen Roman las, verheerende Waldbrände in besagter Gegend aufflammten, die allerdings in den 70er und 80er Jahren wohl nicht vermutet werden konnten.
Ich fand diesen Roman, auch wenn er eine gewisse Tiefe besitzt und "zwischen den Zeilen" vieles zu lesen ist, recht anstrengend zu lesen, da ein roter Faden sehr lange fehlte - ebenso wie die Spannung; das Romanende fand ich ziemlich verstörend; von leichter Sommerlektüre also eher keine Rede.
Ein weiteres Problem bestand darin, dass ich keinen wirklichen Zugang zu den Figuren fand; Oda (die Mutter von Judith, der Hauptprotagonistin) gar selbstsüchtig, auf sich bezogen, dominant gegenüber dem sanften Vater, dessen "Dichterjacke" noch nach seinem tragischen Tod am Nagel hing und demzufolge die Tochter-Mutter-Beziehung sehr schwierig war. Gegen Ende des Romans lösen sich dann manche Fragen, die mit dem jähen Ende einer tiefen, aufrichtigen Freundschaft zwischen Judith und Natascha zu tun haben und bedauernd kann man nur zu Notiz nehmen, wohin unaufgelöste Traumata führen können, wenn es Jahrzehnte dauert, die Wahrheit zu sagen. Andere von Schuld zu befreien, die gar nicht die Schuldigen sind, sich jedoch stets so gefühlt haben, dass sie dieses Kapitel stets weggeschoben haben.
Leider blieben mir die Protagonisten eher fremd, die zeitlichen Sprünge machten das Lesen eher anstrengend denn aufklärend und die ganz am Ende aufkommende Spannung konnte den Roman für mich auch nicht mehr retten, manches blieb auch lückenhaft. Bei "Sommerrauschen" handelt es sich um einen (für mich eher schwer verdaulichen) Beziehungs- und Familienroman, dessen Inhalt mich eher verstört denn begeistert hat. Dem jedoch sicher ein gewisser Wahrheitsgehalt (wie sich Menschen verhalten können) zugrunde liegt. Von mir knappe 3*