Ich mag das Cover von Sommerrauschen gerne, denn ich habe beim Anblick des Titelbildes sofort den unvergleichlichen Duft von Sonne, Sonnencreme und Meer in der Nase. Zudem kann ich erkennen, dass die beiden Freuen in enger Verbindung zueinander stehen und das passt hervorragend zur Geschichte. Die Schrift ist mir dagegen eigentlich zu plakativ und zu farbstark, auf der anderen Seite mag ich sie jedoch auch irgendwie und es ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild.
Die Geschichte erzählt von Judith, die mit ihrer Familie schier endlose Sommer am französischen Atlantik verbringt. Mit dabei ist immer auch Natascha, Judiths beste Freundin, die im Nachbarhaus lebt. Doch dann ändert sich in einem Sommer alles und die Freundinnen sehen sich 40 Jahre lang nicht mehr, bis sie eines Tages, wieder in den Ferienhäusern ihrer Kindheit, aufeinander treffen. Doch kann die Vergangenheit ruhen? Was ist mit der Gegenwart und was bringt die Zukunft?
Christiane Adlung hat mit Sommerrauschen einen Roman geschrieben, der mir wirklich unter die Haut gegangen ist und der mich begeistert hat. Leise, zart und zurückhaltend, aber kraftvoll und eindrücklich erzählt sie eine Geschichte, die einen großartigen Bogen zwischen Innenschau und Handlung spannt und die das innere Erleben kunstvoll mit der Außenwirkung verflicht. Eigentlich beginnt die Handlung ganz harmlos, nach und nach tun sich jedoch immer mehr Facetten der Geschichte auf, die Spannung, Verstrickungen und unerwartete Wendungen in das Geschehen einbringen. Viele der Ereignisse hätte ich in dieser Form überhaupt nicht erwartet, aber trotz der Überraschungen ist es der Autorin gelungen, dass die Handlung nahbar und stimmig bleibt und ihren zarten Charakter nicht verliert.
In die Sprache der Autorin habe ich mich sehr schnell verliebt, denn sie ist so wohlgeformt ohne aufgesetzt zu wirken und besonders begeistert bin ich von der poetischen Zartheit ihrer Worte. Es gab immer wieder Stellen, die ich erneut gelesen habe, weil mir ihr Klang und/oder der Inhalt so sehr gefallen haben. Denn die Geschichte an sich enthält auch immer wieder sehr kluge oder gar weise Momente, die ich mir noch einmal durch den Kopf habe gehen lassen und die nachwirken.
Judith als Hauptperson dieser Geschichte lernen wir nach und nach immer besser kennen und es hat mir wirklich Freude gemacht herauszufinden, welche Persönlichkeit in ihr steckt. Aber auch dieses langsame Ausschälen ihrer Facetten an sich war sehr reizvoll und hat den Spannungsbogen der Geschichte bis zuletzt aufrecht erhalten. Die anderen ProtagonistInnen der Geschichte sind der Autorin meiner Meinung nach ebenfalls gut gelungen und im Gesamtbild ergibt sich eine sehr stimmige und interessante Mischung.
Am Ende ist für mich eine wesentliche Frage offen geblieben, was mich im ersten Moment ein wenig frustriert zurück gelassen hat (und weshalb ich leider einen halben Stern abziehen muss), insgesamt habe ich dieses Buch jedoch ausgesprochen gerne gelesen und denke, dass es auch noch länger präsent bleiben wird. Ich durfte mitfühlen, mich einfinden und bin überzeugt von der Mischung aus sommerleichten und tiefgreifend emotionsgetränkten Inhalten. Deshalb möchte ich es von Herzen allen LeserInnen empfehlen, die kunstvolle Sprache lieben und Lust auf eine flirrende Sommergeschichte voller Tiefe und emotionaler Fragen haben viel Freude beim Eintauchen!