Der unsichtbare Roman

Originaltitel: Der unsichtbare Roman.
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"Mit Worten gewinnt man Kriege."
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Der unsichtbare Roman als Buch (gebunden)

Produktdetails

Titel: Der unsichtbare Roman
Autor/en: Christoph Poschenrieder

ISBN: 3257070772
EAN: 9783257070774
Originaltitel: Der unsichtbare Roman.
Diogenes Verlag AG

25. September 2019 - gebunden - 270 Seiten

Beschreibung

Wer ist schuld am Ersten Weltkrieg? Im Jahr 1918 wird die Frage immer drängender. Da erhält der Bestsellerautor Gustav Meyrink in seiner Villa am Starnberger See ein Angebot vom Auswärtigen Amt: Ob er - gegen gutes Honorar - bereit wäre, einen Roman zu schreiben, der den Freimaurern die Verantwortung für das Blutvergießen zuschiebt. Der ganz und gar unpatriotische Schriftsteller und Yogi kassiert den Vorschuss - und bringt sich damit in Teufels Küche.

Portrait

Christoph Poschenrieder, geboren 1964 bei Boston, studierte Philosophie in München und Journalismus in New York. Seit 1993 arbeitet er als freier Journalist und Autor von Dokumentarfilmen. Heute konzentriert er sich auf das literarische Schreiben. Sein Debüt >Die Welt ist im Kopf< wurde vom Feuilleton gefeiert und war auch international erfolgreich. Mit >Das Sandkorn< war er 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Christoph Poschenrieder lebt in München.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 06.02.2020

Vom Gustl und Gigerl zum Yogi
Gut sichtbar und lesbar: Christoph Poschenrieders "Unsichtbarer Roman" über Gustav Meyrink

Wie Pat Barker hat auch Christoph Poschenrieder eine Trilogie des Ersten Weltkriegs geschrieben. Aber im Gegensatz zu der englischen Schriftstellerin erzählt er nicht chronologisch-realistisch, sondern eher ironisch augenzwinkernd, mit einem dokumentarischen Gestus, der die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion verschwimmen lässt. In seinem etwas überambitionierten Roman "Der Spiegelkasten" ließ Poschenrieder die Phantomschmerzen und echten Neurosen der Kriegszitterer in den Gerätschaften und magischen Effekten der digitalen Moderne aufscheinen. In "Das Sandkorn" fiel ein homosexueller Kunsthistoriker aus seiner Rolle als Indiana Jones deutschnationaler Geschichtsklitterung und begann in den Straßen Berlins buchstäblich Sand ins Getriebe der Kriegsmaschinerie zu streuen. Im dritten Band seiner Weltkriegstrilogie porträtiert Poschenrieder nun wieder einen Künstler, der die wilhelminische Kriegs- und Lügenindustrie von innen her zersetzt: Gustav Meyrink (1868 bis 1932), Autor des "Golem" und als Mitarbeiter des "Simplicissmus" ein scharfer Kritiker des deutschen Spießertums.

Historisch verbürgt ist, dass Meyrink 1917 im Auftrag der Propagandaabteilung des Auswärtigen Amts einen Roman schreiben sollte, der die damals schon leidige Kriegsschuldfrage ein für alle Mal beantworten würde: Verantwortlich für alles war, natürlich, wieder mal das internationale Freimaurertum. Wie das Außenministerium ausgerechnet auf den "Golem"-Autor verfiel, lässt sich heute nur noch schwer nachvollziehen. Meyrink war berühmt und berüchtigt für seine Exzentrik, seine Freigeisterei und seine Satiren auf Vaterlandsaffen, Pastorenweibsen und "Teutobolde"; die Rechten beschimpften ihn als dekadenten "völkischen Schädling" und mutmaßlichen Juden.

In Berlin war man aber offenbar geneigt, über Meyrinks zweifelhaften Ruf hinwegzusehen: Ein linker Autor konnte die Glaubwürdigkeit rechter Verschwörungstheorien nur fördern, und "wenn es außerdem unterhaltsam wäre, schadet es auch nichts". "Wir machen hier Propaganda", klärt bei Poschenrieder der zuständige Legationsrat auf: "Das ist nicht die feine Dichtkunst. Da muss sich nichts reimen. Es geht nicht um Stil. Es geht um Wirkung." Meyrink selber reagiert anfangs irritiert: Warum gerade er, warum nicht Frenssen oder Ganghofer? Und warum gerade Freimaurer? Warum nicht die Juden als übliche Schuldige, Friseure oder Mohikaner, wie Erich Mühsam spottet?

Andererseits, warum nicht? Meyrink erwies sich in seinem Leben mehrfach als außerordentlich wandlungsfähig. Geboren als Gustav Meyer, Spross einer Affäre zwischen einer Schauspielerin und einem württembergischen Minister, war er Bankier und verurteilter Betrüger, Okkultist und Aufklärer, Gigerl und Ruderer, Yogi, Spiritist und leidenschaftlicher Automobilist. Der Yoga, wie das damals noch hieß, heilt ihn von seinem Rückenleiden und wird zu seiner Religion. Mit dem Schreiben begann er erst spät, mit Mitte dreißig, und nur des Geldes wegen. Andererseits sagt seine Frau im Roman: "Der Gustl ist der Gustl so richtig nur, wenn der Gustl schreibt."

1917 ist der Ruhm des "Golem"-Gustl allerdings schon verblasst. Die Villa am Starnberger See, Segelboot und Automobil wollen bezahlt sein, und so nimmt Meyrink das unsittliche Angebot schließlich an. Sein Führungsoffizier ist übrigens Bernhard von Hahn, nicht Kurt Hahn, der im selben Amt arbeitet. Poschenrieder spielt die Namensgleichheit zwischen Legationsrat und Reformpädagoge bis hinein in Archivrecherchen und Briefwechsel mit seiner Lektorin durch. Aber ob Hahn, Huhn oder Ei: Als Ghostwriter eines zu allem fähigen Literaten läuft auch Poschenrieder (der sogar erst mit Mitte vierzig zu schreiben begann) zu großer Form auf.

Der Freimaurer-Roman wird darum nicht schneller fertig. Meyrink leidet zum ersten Mal an Schreibblockade und moralischer Prokrastination: Ihn ekelt vor der Vorstellung, seinen leidlich guten Ruf für Fake News und Lügenpropaganda zu verkaufen. So überhört er das lauter werdende Drängen aus Berlin und flüchtet sich lieber nach München, wo sich gerade Revolution und Räterepublik zusammenbrauen. Meyrink kennt die Helden der Bierhallen und Kaffeehäuser: Mit Erich Mühsam ist er befreundet, Kurt Eisner genießt seinen kollegialen Respekt. Als sich die Auftraggeber des Freimaurer-Machwerks nicht mehr länger hinhalten lassen, liefert er einen Roman ab, der, ohne Farbbänder rasch auf weißes Papier getippt, buchstäblich unlesbar wird. Was aber bleibt, stiften die Dichter, und was sichtbar oder jedenfalls gut lesbar ist, verdanken wir Poschenrieder. Sein erster, doppeldeutiger Satz "Es klopft" - mitten in eine spiritistische Sitzung in Meyrinks Villa platzt der Bote aus Berlin - ist auch der Anfang und das Ende von Meyrinks Auftragsroman.

Meyrink, der Hobby-Alchemist, Banker und Ungustl, macht aus Dreck Gold und aus Propaganda Literatur, und sein Doppelgänger Poschenrieder macht es ihm nach. "Der unsichtbare Roman" hat, wie jeder andere Roman auch, Anfang, Mitte und Ende, Vor- und Nachwort; er ist ein feines Lebensbild des Schriftstellers Meyrink, aber eigentlich eher eine Sammlung von Porträts, Anekdoten und ironischen Betrachtungen als ein richtiger Roman. Poschenrieder beschreibt das "innere Schauen" im Schreibprozess und reflektiert sich in Meyrink als gehobener Unterhaltungsautor mit politischer Verantwortung; derart hat die launig-luftige postmoderne Scharade immer auch einen ernsten doppelten Boden. Meyrink war 1918 als Schriftsteller erledigt; Spätwerke wie "An der Grenze des Jenseits" oder "Der Engel vom westlichen Fenster" verkauften sich nur noch schleppend. 1928 verkaufte er seine Villa und trat zum Buddhismus über. Seinen Freimaurer-Roman hat übrigens ein gewisser Friedrich Wichtl zu Ende geschrieben: Dieser Dr. Wichtl, Geigenlehrer und deutschnationaler Politiker, veröffentlichte 1919 das vielgelesene Schauermärchen "Weltfreimaurerei - Weltrevolution - Weltrepublik".

MARTIN HALTER

Christoph Poschenrieder: "Der unsichtbare Roman". Roman.

Diogenes Verlag,

Zürich 2019. 272 S.,

geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
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von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung München Karlsplatz - 14.03.2020
Poschenrieder erzählt kenntnisreich und mit heller Freude um des Erzählens Willen.Diesmal geht es um Gustav Meyrink, um Verschwörung und um München zur Zeit der Räterepublik.Leichtfüßig mit feinem Humor, ein wahrer Genuss!
Bewertungen unserer Kunden
Fakten und Fiktion mit Sprachwitz
von kingofmusic - 22.11.2019
Wer kennt sie nicht - die Übersetzungen von Charles Dickens¿ Romanen wie "Bleak House", "Oliver Twist" - um nicht zu viel Fremdwerbung zu machen *g*. Diese Übersetzungen wurden von Gustav Meyrink (1868 - 1932), dem Autor von "Der Golem" (seinem berühmtesten Werk) getätigt. Nun hat sich Christoph Poschenrieder in seinem neuesten Roman "Der unsichtbare Roman" einem Kapitel in Meyrinks Leben gewidmet, dass wohl nur den wenigsten von uns bekannt ist. So erhielt er nämlich 1917 vom Auswärtigen Amt in Berlin den Auftrag, einen Roman zu schreiben, der den Freimaurern die Schuld am Ersten Weltkrieg in die Schuhe schieben soll¿ Und hier kommt Poschenrieder ins Spiel :-). Mit "Der unsichtbare Roman" kredenzt der Autor der geneigten Leserschaft mehrere Bücher/ Geschichten in einem. Der Aufbau erinnert mich ein wenig an "Der blinde Mörder" von Margaret Atwood (ups, schon wieder Fremdwerbung *g*), wo auch nach und nach einzelne Schichten von Geschichten freigelegt werden, die sich nachher zu einem großen Ganzen verbinden. Alleine schon deshalb hat mir "Der unsichtbare Roman" gut gefallen. Es gibt jedoch noch mehr, was diesen Roman zu einem (versteckten) Highlight macht. Da sind zum einen die einzelnen Teile des Komplettpakets, als da wären: - Die reale Story mit historisch verbürgten Daten und Fakten (selten habe ich sooft während des Lesens weiter- bzw. nachrecherchiert!) - Die autobiografisch anmutenden Ich-Abschnitte aus der Sicht von Gustav Meyrink (Mischung aus fiktiven und realen Bezügen) - Die (Original-)Recherchenotizen von Christoph Poschenrieder - dadurch wird "der Leser zum Komplizen des Autors". (S. 268) - Das "Grande Finale" - einfach großartig, wie Christoph Poschenrieder hier alles verbindet. Über allem schwebt aber die große Kunst Poschenrieders, mit Wortwitz und Wortspielereien dem im Grunde ernsten Thema eine (nicht sofort offensichtliche) leichte Note zu geben und so den Roman auch über die ein oder andere (verschmerzbare) Länge hinwegzuhelfen. Es ist also nicht alles Gold was glänzt im "unsichtbaren Roman", aber wie heißt es sinngemäß in einem Abschnitt "Gold wird aus Dreck gemacht". Darum vergebe ich auch gerne 5* und eine Leseempfehlung. ©kingofmusic
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