Komplexer Krimi
Ein merkwürdiger Stromausfall lässt ganz Venedig in völliger Finsternis versinken. Der geneigte Leser wird schon ahnen, dass der nicht zufällig die Stadt lahmlegt, sondern Basis für ein Verbrechen ist, das nicht nur einen Toten, sondern weitere Opfer nach sich zieht. Edoardo Bianchi, ein bekannter Antiquitätenhändler, wird in seinem Geschäft, das in unmittelbare Nähe zum Café Capello Rosso, das Commissario Brassonis Cousin Caruso und dessen Lebenspartner Francesco gehört, erschossen. Zuvor ist er gefoltert worden, um die Kombination des Safes zu verraten. Zudem ist Francesco, der Bianchi zu Hilfe kommen wollte, brutal niedergeschlagen worden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Doch damit ist das Drama dieser Nacht noch nicht zu Ende, denn mehrere Halbwüchsige finden die Tatwaffe, fuchteln damit herum und einer der Jugendlichen wird getroffen und schwer verletzt zurückgelassen. Und dann gibt es noch einen Obdachlosen, der seine Chance wittert, als er die Pistole an sich nimmt und damit einen Tabakladen betritt ... Commissario Luco Brassoni hat also einen höchst komplexen Fall zu lösen, der durch die Tatwaffe zu einem mehrdimensionalen Puzzle wird. Der Überfall auf Bianchi führt Brassoni, der diesmal ohne seinen Kollegen Maurizio Goldoni auskommen muss, weil der in Elternzeit ist, in das Museo archeologico nazionale di Venezia, wo man gerade eine neue Ausstellung vorbereitet. Zunächst kommen die Ermittlungen nicht so recht voran, was auch daran liegt, dass Patrizia Bertuzzi, die Vice-Questorin, ein heimliches Verhältnis mit Paolo Cardi, dem Direktor des archäologischen Museums, unterhält, der jedes Mal, wenn sie sich treffen, sehr auffällig nach dem Stand der Ermittlungen fragt. Meine Meinung: Wie man ja aus anderen Venedig-Krimis weiß, ist die Lagunenstadt nicht unbedingt für ihre Kapitalverbrechen bekannt. Ja, vielleicht hin und wieder ein Eifersuchtsdrama, bei dem der Täter noch die Waffe in der Hand hält oder gar selbst die Polizei gerufen hat, aber sonst sind eher Taschendiebstähle an der Tagesordnung. Natürlich kann es Goldoni nicht lassen, über den Fall nachzudenken und bringt Brassoni auf die richtige Spur.Ehrlich, ich habe gleich gewusst, wer der Täter ist, zumal wir ihm über die Schulter schauen dürfen. Trotzdem habe ich die Ermittlungen gerne verfolgt, denn es ist immer wieder interessant zu lesen, welche Schlüsse die Ermittler ziehen und wie der Täter überführt wird. Daniela Gesing Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Da das "Stammpersonal" der sieben Vorgänger wieder in einer größeren oder kleineren Rolle vorkommt, ist es wie heimkommen, den Krimi zu lesen. Natürlich dürfen auch die Streifzüge durch die Lagunenstadt nicht fehlen. Schmunzeln musste ich, als sich bei Brassoni ein flaues Gefühl im Magen breit macht, weil die Lagun ein wenig kabbelig ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Band (Venezianischer Fluch), der schon auf den eBook-Reader geladen ist. Fazit:Diesem Krimi, der Commissario Luca Brassoni und seinem Team einiges aufzulösen gibt, gebe ich gerne 5 Sterne.