Die Lehrerin Frieda Brunner führt ein stetes Leben, in dem weder kleine noch große Ereignisse eine Bedeutung hätten. Mit Hingabe führt sie die Kinder durch den Grundschulalltag und kümmert sich nebenbei um ihren Vater, der in seiner eigenen Welt der toten Sprachen lebt. Glücklich ist sie nicht, wenngleich sie die Hoffnung, es einmal zu sein, noch nicht aufgegeben hat.Georg Neumann ist Anfang vierzig und Vertreter für medizinisches Gerät. Sein Leben weißt wenig erfreuliche Momente auf und eigentlich ist das gar kein Leben, dass er da führt. Nach fixen Mustern klappert er seine Kundschaft im Norddeutschen Raum ab und kommt an den Wochenende zu Frau und Sohn nach Hause. Dass aus ihren eintönigen Leben noch etwas werden könnte, das erwarten die beiden nicht, die sich an einem verregneten Morgen an der Haltestelle der Straßenbahn sehen und gleich ineinander verlieben.Es ist um ihn geschehen: er wusste es mit einem Mal, so wie alles Wissen plötzlich da ist. Etwas begann hier, und etwas andere hörte auf.So beginnt ihre Geschichte.Meine persönlichen Leseeindrücke Dirk Gieselmann ist ein Autor mit feinem Blick für das Normale, das so viel Außergewöhnliches zu bieten hat. Mit humorvollem Grundton erzählt er, ganz wie ein großer Geschichtenerzähler, ruhig und zärtlich von zwei Menschen, die sich per Zufall in einer durchaus ungewöhnlichen Situation kennenlernen und vom Blitz der Liebe getroffen werden.Friede Brunner, Georg Neumann, eine Lehrerin und ein Vertreter, sie Ende dreißig, er Anfang vierzig, ein großes und ein schwaches Herz, das endlich stark sein wollte: eine Geschichte von so vielen, die einander ähneln. Und doch ist jede einzigartig: Je länger man in das Normale blickt, desto mehr sieht man das Ungewöhnliche.Denn ungewöhnlich ist nicht die Affäre, die beide beginnen, sondern die Art und das Ausmaß derselben. Sie begnügen sich mit jeweils ein paar Tagen Intimität im Quartal, wenn Georg wieder in die Stadt kommt, ansonsten scheinen sich ihre Welten nicht zu berühren. Auch wenn Georg, der witzige und kluge Gespräche mit seinem Dackel führt, es zuhause nicht mehr aushält und kurz zur Telefonzelle läuft, um Friedas Stimme zu hören, so ist doch die räumliche Distanz eine Hürde, die nur alle Vierteljahre überwindbar scheint. Ihre Verbindung ist aus heutiger Sicht dermaßen unvorstellbar, dass es schon ungeheuerlich ist, dass beide das jahrelang so halten und aushalten. Es scheint, dass die Liebe, die nur wenige Tage im Jahr ihr Dasein beglückt, für beide vollkommen ausreicht, um es den langen Rest des Jahres in der eigenen unglücklichen Welt auszuhalten. Es ist ein Marathon an Selbstbeherrschung, der nur 4 Mal im Jahr eine Unterbrechung erfährt.Frieda und Georg sind ein Paar, das es nicht geben darf und das es dennoch gibt: ein wundervoller Widerspruch.FazitMit ¿Zeit ihres Lebens¿ gewährt Dirk Gieselmann einen zärtlichen und humorvollen Blick auf eine Affäre und zwei Menschen, die für wenige Stunden Glück ihrem Alltag entfliehen, vor dem sie ihr Liebe verbergen müssen.