Bergbauer, Selbstfindung, leise-poetischer Schreibstil
Der Roman beginnt mit einem geplanten Ende. Joseph, ein Kleinbauer, hat schon den Gewehrkolben im Anschlag, um seinem Leben ein Ende zu setzen, als Birdie in sein Leben platzt. Birdie ist von zu Hause abgehauen und bringt einen neuen Akkord in Josephs Leben.Elena Fischer nutzt zwei Erzählstränge, um Joseph auf eine Reise zu sich selbst zu schicken. Der eine erzählt linear die Gegenwart, während der andere rückwärts in die Vergangenheit führt. Besonders interessant fand ich dabei, dass beide Stränge am Schluss miteinander verflochten werden, obwohl sie sich weiterhin auf unterschiedlichen Zeitebenen befinden.Joseph hat keinen wirklichen Zugang zu seinen Gefühlen. Birdie durchbricht diese Starre, wobei die Autorin sie angenehm im Hintergrund belässt. Joseph ist die eigentliche Hauptfigur. Er ist ein Mann, der gelernt hat, keine Schwäche zuzulassen und seine Traumata tief in sich zu vergraben. Seine Erkenntnis entsteht aus dem Wunsch, seinem kleinen Sohn Samuel näherzukommen. Trotzdem kann er seine Gefühle lange Zeit nur durch Taten zeigen - und am Schluss schließlich durch ein Hilfsmittel, ohne an dieser Stelle zu viel zu verraten.Seine Verwandlung geschieht leise und unaufgeregt. Genau das finde ich von Elena Fischer wirklich zart und wunderschön umgesetzt.Sehr gefallen haben mir auch die Beschreibungen der Natur, der Tiere und der Arbeit auf dem Bergbauernhof. Für mich hatte der Roman dadurch stellenweise fast märchenhafte Züge.Wer subtile und fein gezeichnete Geschichten mag, ist bei "Wirf einen Schatten" an der richtigen Stelle.