Lieblingswesen des Kindes ¿
Seit Jahren gehört "Die Olchis aus Schmuddelfing" bei uns zum festen Inventar. Mein Kind ist vor etwa 4 Jahren in diese schräge Welt hineingestolpert und seitdem sind die Olchis geblieben. Erst lagen die Bilderbücher abends auf dem Sofa, inzwischen holt sich meine Zweitklässlerin die Geschichten selbst aus der Schulbibliothek. Diese Entwicklung kam nicht durch pädagogischen Druck, sondern durch echte Begeisterung zustande - und genau das macht dieses Buch für mich so wertvoll.Inhaltlich passiert in diesem ersten Band eigentlich kaum etwas. Kein klassisches Abenteuer, keine Spannungsbögen, keine dramatische Wendung. Stattdessen lernen wir die Olchi-Familie kennen - Kinder, Eltern, Großeltern und natürlich den Drachen Feuerstuhl. Es geht um Vorlieben, Abneigungen, um ihr Leben auf der Müllkippe und um all das, was Erwachsene oft irritiert und Kinder sofort begeistert.Die Olchis leben alles aus, was im echten Kinderalltag oft verboten ist. Dreck lieben, Regeln ignorieren, sich mit Schlamm bewerfen, laut sein, schräg sein. Diese Unangepasstheit zieht Kinder magisch an, weil sie sich darin wiederfinden oder zumindest davon träumen.Obwohl der Text für ein Bilderbuch vergleichsweise umfangreich ist, erinnere ich mich genau, dass meine damals 3-Jährige regelrecht an den Seiten hing.Stilistisch stolpere ich bis heute über einen Bruch im Text. Über weite Strecken wird flüssig erzählt, dann tauchen plötzlich Reime auf, die ebenso unvermittelt wieder verschwinden. Ich finde das irritierend, für mein Kind hingegen scheint dieser Bruch allerdings kaum relevant zu sein - er wird einfach mitgenommen.Was das Buch für mich dauerhaft trägt, sind die Illustrationen von Erhard Dietl. Die Seiten sind voll, lebendig und detailreich. Man liest dieses Buch nicht einfach vor, man bleibt hängen, zeigt, lacht und entdeckt immer wieder Neues.Mein Kind ist Olchi-Fan durch und durch. Diese Figuren haben etwas geschafft, woran viele wohlmeinende Leseförderprogramme scheitern: Sie haben mein Kind freiwillig zum Buch geführt.©2026 adlatb