Alma von Federica Manzon ist ein eindrucksvoller, atmosphärisch dichter Roman, den ich insgesamt sehr gerne gelesen habe. Besonders begeistert hat mich das Setting in Triest diese Stadt zwischen Ost und West wird so lebendig und vielschichtig beschrieben, dass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst durch die Straßen zu gehen, in den alten Kaffeehäusern zu sitzen und die Geschichte in der Luft zu spüren.
Im Mittelpunkt steht Alma, die nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimat zurückkehrt. Dort trifft sie nicht nur auf ihre Vergangenheit, sondern auch auf Vili, ihre Jugendliebe, der eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem väterlichen Erbe spielt. Während sie sich durch Erinnerungen an ihre Kindheit, an ihre Familie und an die rätselhafte Figur ihres Vaters bewegt, stellen sich immer drängendere Fragen nach ihrer eigenen Herkunft, nach Liebe und danach, wer sie eigentlich ist. Gleichzeitig liegt über allem der Schatten der politischen Spannungen jenseits der Grenze, die einst auch ihre Beziehung zu Vili geprägt haben.
Was mir besonders gefallen hat, ist die dichte, fast melancholische Stimmung und die Art, wie persönliche Geschichte und große historische Zusammenhänge miteinander verwoben werden. Die Figuren wirken vielschichtig und glaubwürdig, und Triest wird fast selbst zu einer Hauptfigur.
Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die Erzählstruktur: Stellenweise springt die Geschichte etwas, sowohl zeitlich als auch in den Perspektiven, was mich gelegentlich verwirrt hat. Man muss beim Lesen aufmerksam bleiben, um den Faden nicht zu verlieren.
Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Alma ist ein poetischer, kluger Roman über Erinnerung, Identität und die Spuren, die Orte und Menschen in uns hinterlassen mit einem ganz besonderen Schauplatz, der lange nachwirkt. 4 von 5 Sternen.