Jacob und Wilhelm Grimm reisen mit ihren Kinder- und Hausmärchen" durch Amerika. Doch im Wilden Westen interessiert sich kaum jemand für Schneewittchen, den Froschkönig oder Rotkäppchen. Die Lesereise droht zum totalen Flop zu werden - bis Lucky Luke auftaucht und den beiden deutschen Gelehrten unter die Arme greift.
Um das Publikum zu begeistern, brauchen die Brüder amerikanische Märchen". Sie wenden sich an Ma Dalton, die ihnen die Geschichte ihrer vier grundanständigen" Söhne erzählt. Das wird prompt ein Hit in den Saloons. Nur die echten Dalton-Brüder sind von ihrem plötzlichen Imagewandel alles andere als begeistert. Was folgt, ist ein turbulentes Crossover aus Western-Klassiker und Märchenwelt, gespickt mit Anspielungen, Running Gags und typischem Lucky-Luke-Humor.
Was das Album auszeichnet
Flix (bekannt u. a. durch Spirou in Berlin" und Das Humboldt-Tier") und Reinhard Kleist (u. a. Biografien über Johnny Cash, Nick Cave und David Bowie) bilden ein starkes Team. Flix liefert eine dichte, witzige und anspielungsreiche Geschichte, die sowohl die Märchen der Brüder Grimm als auch die Lucky-Luke-Welt liebevoll und kenntnisreich bedient. Hans im Glück" zieht sich wie ein roter Faden durch das Album, Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" kommt ebenfalls vor - und natürlich tauchen zahlreiche weitere Märchenmotive und -figuren auf.
Kleist zeichnet in einem etwas erdigeren, charakterstarken Stil, der wunderbar zum Wilden Westen passt, ohne den klassischen Lucky-Luke-Look zu verraten. Die Kolorierung von Thomas Gilke hält sich bewusst an die Ästhetik früherer Alben und unterstreicht die Hommage-Atmosphäre. Neben den Daltons und Ma Dalton treten auch Rantanplan und weitere vertraute Figuren auf. Zusätzlich versteckt Flix aktuelle und popkulturelle Cameos (u. a. Anspielungen auf David Bowie, Nick Cave oder Jeff Bezos), die das Ganze noch vergnüglicher machen.
Stärken und kleinere Einschränkungen
Das Album ist vor allem eines: unterhaltsam. Es fühlt sich wie ein klassisches Lucky-Luke-Abenteuer an - mit Tempo, Situationskomik und einem guten Gespür für Timing -, bleibt aber gleichzeitig eine eigenständige Hommage und kein reines Fortsetzungsalbum der regulären Reihe. Die Verbindung von deutscher Märchenkultur und amerikanischem Western-Mythos funktioniert erstaunlich reibungslos und liefert immer wieder schöne Momente.
Wer von früheren deutschen Lucky-Luke-Hommagen (etwa von Mawil oder Ralf König) mutigere Brüche erwartet, wird hier etwas enttäuscht: Flix und Kleist bleiben näher am Originalton. Das ist aber kein Nachteil - es macht den Band zugänglicher und genießbarer für ein breites Publikum.
Fazit
Die Grimm Brothers" ist eine gelungene, charmante und sehr lesenswerte Hommage zum 80. Geburtstag von Lucky Luke. Sie verbindet zwei scheinbar weit entfernte Welten mit Witz, Respekt und handwerklicher Klasse. Für Fans des einsamen Cowboys, der Brüder Grimm oder einfach guter Comics ist das Album eine klare Empfehlung - und ein schönes Beispiel dafür, wie lebendig und spielerisch die frankobelgische Tradition auch in deutschen Händen weiterlebt.
Ein gelungener Mix aus Western-Humor und Märchenzauber - schneller gezeichnet als sein Schatten und mit vielen kleinen Glücksmomenten.