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Wir sehen uns im August

Roman | Bisher unveröffentlichte Neuentdeckung aus dem Nachlass des Nobelpreisträgers

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23,00 €inkl. Mwst.
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Eine Geschichte über die Liebe, wie nur Gabriel García Márquez sie schreiben konnte.

Jedes Jahr fährt Ana Magdalena Bach im August mit der Fähre zu einer Karibikinsel, um dort auf das Grab ihrer Mutter einen Gladiolenstrauß zu legen. Jedes Jahr geht sie danach in ein Touristenhotel und isst abends allein an der Bar ein Käse-Schinken-Toast. Dieses Mal jedoch wird sie von einem Mann zu einem Drink eingeladen. Es entspricht weder ihrer Herkunft oder Erziehung noch ihrer Vorstellung von ehelicher Treue, doch geht sie dennoch auf seine Avancen ein und nimmt den Unbekannten mit auf ihr Zimmer.

Das Erlebnis hat sie und ihr Leben verändert. Und so fährt sie im August des kommenden Jahres wieder erwartungsvoll auf die Insel, um nicht nur das Grab ihrer Mutter zu besuchen.

Wie immer bei Gabriel García Márquez faszinieren die kunstvolle Figurenzeichnung, die bilderreichen und atmosphärisch dichten Beschreibungen sowie die Musikalität der Sprache. »Wir sehen uns im August« ist ein kleines Kunstwerk, das sowohl García-Márquez-Fans als auch neue Leserinnen und Leser begeistern wird.

Produktdetails

Erscheinungsdatum
07. März 2024
Sprache
deutsch
Auflage
4. Auflage
Seitenanzahl
140
Autor/Autorin
Gabriel García Márquez
Übersetzung
Dagmar Ploetz
Verlag/Hersteller
Originaltitel
Originalsprache
spanisch
Produktart
gebunden
Gewicht
210 g
Größe (L/B/H)
191/121/19 mm
ISBN
9783462006421

Portrait

Gabriel García Márquez

Gabriel García Márquez


, geboren 1927 in Aracataca, Kolumbien, arbeitete nach dem Jurastudium zunächst als Journalist. García Márquez hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt. Seit der Veröffentlichung von »Hundert Jahre Einsamkeit« gilt er als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der Welt. 1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Gabriel García Márquez starb 2014 in Mexico City.

Dagmar Ploetz


, geboren 1946 in Herrsching, übersetzt seit 1983 u.a. Werke von Isabel Allende, Julián Ayesta, Rafael Chirbes, Manuel Puig, Mario Vargas Llosa und Gabriel García Márquez. 2012 wurde sie mit dem Münchner Übersetzerpreis ausgezeichnet. 2010 erschien von ihr »Gabriel García Márquez. Leben und Werk« bei Kiepenheuer & Witsch.


Pressestimmen

»Auf gut 140 Seiten findet sich all das wieder, was den Schriftsteller Márquez auszeichnet: die feine poetische Sprache, seine große Vorstellungskraft, die Zuneigung, die er seinen Figuren und ihrem Unglück entgegenbringt.« Christine Westermann, WDR 2 Lesen

»Ein Roman, der nur 141 Seiten hat, aber eine kleine Sensation ist.« Christine Westermann, WDR 5 Bücher

»Dieser schmale und stellenweise sehr poetische Roman bietet aber mehr als einen unerwarteten Schluss, er ist auch mehr als ein nostalgisches Lesevergnügen. [...] Zugleich setzt der Roman den Schlusspunkt hinter den magischen Realismus, der untrennbar mit García Márquez Werk verknüpft ist.« Michi Strausfeld, NZZ

»Im Sinne der Weltliteratur ist es manchmal weise, einen letzten Willen nicht zu befolgen. Das hat das Beispiel Kafka gezeigt. Wir Leser können dankbar sein für diesen späten Gruß des Verfassers von Meisterwerken wie Hundert Jahre Einsamkeit und Liebe in den Zeiten der Cholera .« Cornelia Geissler, Berliner Zeitung

»Weil es von Gabriel García Márquez am Ende seines langen, großen Lebens stammt, ist dieses kleine, kurze Buch trotzdem lesenswert auch entgegen aller Einwände gegen den Prozess seiner Publikation.« Kurt Kister, Süddeutsche Zeitung

»Dieser Verrat an Gabriel García Márquez ist überwältigend.« Tobias Wenzel, SRF

»Man kann den Söhnen des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers nur dafür danken, dass sie diesen Roman zur Veröffentlichung freigegeben haben.« Tobias Wenzel, WDR Kultur

»Eine herausragend gut geschriebene, sehr literarische Geschichte über Liebe und Treue und die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung. Das faszinierende Psychogramm einer Frau, die sich und ihr Leben neu entdeckt.« Tobias Wenzel, BR

»die grandiose Abschiedsvorstellung des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers» Südwest Presse

» Wir sehen uns im August ist eine berührende Liebesnovelle, ein stimmungs- und atmosphäregeladenes Prosastück, in dem man das Herz pochen, das Blut der Leidenschaft strömen fühlt. Eine Erinnerung daran, welch wunderbarer Sprachmagier dieser kolumbianische Literaturnobelpreisträger war und bis heute ist.« Dirk Fuhrig, Deutschlandfunk Büchermarkt

»Es ist eine herausragend gut geschriebene, dicht erzählte, sehr literarische Geschichte über Liebe, Betrug und den Bruch von Konventionen. Das faszinierende Psychogramm einer reifen Frau, die sich neu erfindet.« Tobias Wenzel, NDR Kultur

»Beim Lesen des Romans vergisst man schnell die Diskussion um sein Erscheinen und ist einfach nur überwältigt von der berührenden, wunderbar atmosphärisch geschriebenen Geschichte.« Tobias Wenzel, Deutschlandfunk Kultur

» Wir sehen uns im August ist ein poetisches Kammerstück über das Verkümmern der Liebe und den Blick einer Frau auf ihre Ehe, die Familie, das Leben selbst.« Paul Ingendaay, FAZ

Besprechung vom 06.03.2024

Noch einmal in die karibische Wunderwelt

Ein letztes, allerletztes Werk von Gabriel García Márquez aus dem Nachlass. Und ein bewegendes Buch seines Sohnes Rodrigo über die Demenz des Vaters: Wer muss da nicht heulen?

Als Gabriel García Márquez 2014 im Alter von 87 Jahren starb, war er schon seit einiger Zeit dement. Wie lange lässt sich nur ungefähr sagen, denn der Verfall der schöpferischen Kraft des kolumbianischen Nobelpreisträgers ging in kleinen Schritten über einen längeren Zeitraum vor sich. Über den letzten großen öffentlichen Auftritt von "Gabo", wie man ihn in der spanischsprachigen Welt nennt, am 26. März 2007 beim Kongress der spanischen Sprache in Cartagena de Indias (Kolumbien) haben nicht nur wir in der F.A.Z. berichtet, die Szene diente auch dem Biographen Gerald Martin als eindringliches Schlussbild seines Buches "Gabriel García Márquez: A Life" (2008).

Martin schildert dort einen Mann von achtzig Jahren, der auf seinen vierzig Jahre zuvor erschienenen Kultroman "Hundert Jahre Einsamkeit" und den 25 Jahre zuvor erhaltenen Literaturnobelpreis zurückblickt; der die Ehrung durch fünf kolumbianische Präsidenten und den spanischen König entgegennimmt und dann auch noch seinen Freund Bill Clinton begrüßt, weil man sich unter Superpromis eben kennt; der sich an die Entbehrungen erinnert, die er mit seiner Frau Mercedes geteilt hat, bevor ihn 1967 der Weltruhm und der Aufstieg zur lateinamerikanischen Kulturikone ereilten; und der nun, während er es einigermaßen achtbar durch seine Rede schafft, die größte Distinktion nach dem Nobelpreis erlebt: dass die Königlich-Spanische Akademie ihn ehrt, indem sie zu seinem Geburtstag in die Karibik reist und dem neuen Literaturspanisch denselben Rang zuweist wie dem alten. Cervantes und García Márquez, vier Jahrhunderte voneinander entfernt, Verfasser der beiden größten, wirkmächtigsten, meistverkauften Romane der spanischen Sprache. "Hundert Jahre Einsamkeit", so der Biograph Gerald Martin, sei sogar der erste "globale Roman" überhaupt. So steckt alles voller Symbolik, tönendem Pathos und Panhispanismus, was an Gabo natürlich vorbeigeht, denn er hält nichts von salbungsvollem Quaken und Männern im dunklen Anzug. Minutenlange Ovationen folgen. Doch der leicht verwirrte Schriftsteller, dem sie gelten, kann sich nicht einmal mehr an alles erinnern, was er in seinem Leben geschrieben hat.

Man muss dieses langsame Verlöschen eines der großen Sprachkünstler des vergangenen Jahrhunderts vor Augen haben, wenn man von seiner Spätzeit spricht. Es gibt keinen besseren Zeugen dafür als Rodrigo García Barcha, den älteren der beiden Söhne. García, der schon seit Jahrzehnten als Filmregisseur und Produzent in Los Angeles lebt, konnte bei seinen Besuchen in Mexiko-Stadt oder auf Familienfesten über Jahre hinweg das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit seines Vaters beobachten. In einem bewegenden Buch, das jetzt bei Kiepenheuer & Witsch auf Deutsch erschienen ist - "Abschied von Gabo und Mercedes" (F.A.Z. vom 28. Mai 2021) -, erzählt der heute Fünfundsechzigjährige von den schwierigen, traurigen, aber auch abgrundtief komischen Szenen, die sich zwischen den Söhnen und ihrem weltberühmten Vater in Mexiko-Stadt ereigneten. "Wer sind die Leute da im Nebenzimmer?", fragt der Schriftsteller einmal die Haushälterin. "Ihre Söhne", lautet die Antwort. "Wirklich? Diese Männer? Carajo. Das ist ja unglaublich." Zwischen Sorge und Einsicht, Kummer und Krankenschwester-Witzen (Gabo bleibt ein kolumbianischer Macho) entfaltet sich in dem schmalen Buch ein Sterbedrama, das durch die pointierte Prosa des Sohnes auch literarisch beeindruckt.

Er habe sich an Joan Didions "Das Jahr des magischen Denkens" und Philip Roths "Mein Leben als Sohn" orientiert, sagt Rodrigo García im Videochat von Los Angeles aus. Doch die absurde Seite von Verfall und Tod habe ihn schon lange fasziniert. Nicht umsonst hat er an der gefeierten HBO-Serie "Six Feet Under" mitgearbeitet, deren Dreh- und Angelpunkt ein familiengeführtes Bestattungsunternehmen ist. "Schon die Tatsache, dass das Leben endet, ist ja absurd. Und obwohl wir uns daran gewöhnt haben sollten, macht uns das Ende des Lebens immer noch sprachlos."

Dann kommt García auf die Erinnerung zu sprechen, memoria - die eigene, die durch das Sterben in Gang gesetzt wird, und die andere, deren Verschwinden den Vater zur Verzweiflung treibt, bis er lernt, ein Leben ohne persönlichen Echoraum zu akzeptieren. Im Buch gelten dem Gedächtnisverlust des Vaters die traurigsten Szenen. Einmal sagt eine Sekretärin: "Was machen Sie hier draußen, Don Gabriel?" - "Weinen." - "Weinen? Sie weinen doch gar nicht." - "Doch. Aber ohne Tränen. Ist Ihnen nicht bewusst, dass mein Kopf jetzt kaputt ist?" Es ist zum Heulen, es ist die Wahrheit, es ist das Ende eines beispiellosen Lebens. So geht es einem Mann, der den erstaunlichen Satz gesagt hat, nach seinem achten Lebensjahr habe er eigentlich nichts Wichtiges mehr erlebt. "Erinnerung", sagt Rodrigo García, "ist das einzige Thema des Schriftstellers. Für meinen Vater war sie der wichtigste Rohstoff."

Eine Rekonstruktion ganz anderer Art stellt das globale literarische Ereignis dieser Tage dar: Heute erscheint, in vielen Sprachen zugleich, García Márquez' nachgelassenes Buch "Wir sehen uns im August" (Kiepenheuer & Witsch). Die Übersetzung stammt wie beim Buch des Sohnes von der begnadeten Dagmar Ploetz. Zwei Kapitel waren schon vor vielen Jahren in Spanien und Kolumbien in der Presse erschienen, man war beeindruckt, aber Genaueres wusste niemand. War das schmale Werk, eher eine Novelle als ein Roman, überhaupt fertig geworden? Hatte García Márquez es freigegeben?

Wir sehen uns im August" ist ein poetisches Kammerstück über das Verkümmern der Liebe und den Blick einer Frau auf ihre Ehe, die Familie, das Leben selbst. An jedem 16. August fährt Ana Magdalena Bach, 46 Jahre alt - den Namen hat sich der Autor von Bachs zweiter Ehefrau geliehen -, auf eine kleine Karibikinsel, legt Gladiolen an das Grab ihrer Mutter, erzählt dem Grabstein vom abgelaufenen Jahr und nimmt am nächsten Tag wieder die Fähre nach Hause. Nur dass sie diesmal die Nacht nicht allein verbringt.

Der Ehebruch wühlt sie auf, aber irgendwie schafft sie es, das veränderte Wesen, das sie selbst ist, in ihr gewohntes Leben zurückzutragen, zu einem attraktiven Mann, einer Tochter, einem Sohn. Und doch geschieht es im Jahr darauf wieder. Nicht mit demselben. Und noch einmal. Ein zwielichtiger Playboy lädt sie ins Cabriolet ein. Ein Geschäftsmann hinterlässt ihr im Morgengrauen seine Visitenkarte. Der allererste Mann hat sie gedemütigt, indem er ihr einen Zwanzigdollarschein ins Buch schob. Jedes Mal, nur für einen Tag und eine Nacht, erschüttert die Reise zum Grab der Mutter die Lebensroutine, von der die Heldin dachte, sie sei alles, was noch vor ihr liegt.

Unter den Bewunderern von García Márquez bevorzugen manche die saftigen Romane, andere die gertenschlanken Novellen. Wer in den letzten Jahren noch einmal "Hundert Jahre Einsamkeit" gelesen hat, wird sich an die athletische Prosa erinnern, die schamlosen Übertreibungen und jede Menge karibisches Wunderzeug. Auch in "Wir sehen uns im August" blitzen Sätze auf, die nur García Márquez schreibt, weil nur er sich das traut. "Den Wunsch, auf der Insel begraben zu werden, hatte ihre Mutter drei Tage vor ihrem Tod geäußert" steht da. "Ana Magdalena wollte zur Beerdigung fahren, doch das hielt niemand für vernünftig, da nicht einmal sie selbst glaubte, den Schmerz überleben zu können." Ist das nicht ein bisschen viel? Wer soll denn das glauben?

Aber dann liest man weiter und glaubt es ihm. Schmerz und Begehren - hier ausnahmsweise weibliches Begehren! - haben bei García Márquez die Macht von Wirbelstürmen. Diese Weltsicht wirkt ansteckend, sie könnte den eigentlichen Zauber seiner Bücher ausmachen. Man wird davongetragen, aber ohne billige Tricks. Man glaubt dieser Stimme die markigen Aussagen und immer wieder verblüffenden Verallgemeinerungen und denkt: Tolstoi hat sich das auch getraut. Und: Schade, dass jetzt wirklich nichts mehr von ihm kommt.

Sie wusste, dass er gepflegt war und makellos gekleidet", heißt es über den ersten Liebhaber dieser Frau, die so unbefleckt in die Ehe gegangen ist, wie es Frauen bei García Márquez manchmal tun, weil die Männer bei García Márquez einen Kick daraus kriegen. Sie wusste weiter, dass er "tumbe Hände hatte, was der farblose Lack auf den Nägeln betonte, und ein gutes und zaghaftes Herz". Etwas Großzügiges, Unbekümmertes liegt in diesem Schreiben, und das ist eine seltene Kategorie. Im Bett übrigens stellt Ana Magdalena an ihrem Liebhaber fest, "dass er nicht so gut ausgestattet war wie ihr Mann, der einzige erwachsene Mann, den sie nackt kannte, aber der hier zeigte sich ruhig und aufgerichtet". Nicht schlecht, darauf muss man erst mal kommen; die Attribute gelten ja auch für die Prosa.

Vor zwanzig Jahren gab es schon einmal ein letztes Buch dieses legendären Autors. Es heißt "Erinnerung an meine traurigen Huren" und ist eine nobelpreisträgerhafte Macho-Phantasie, die García Márquez' karibische Welt viel ärmer darstellt, als wir sie in Erinnerung haben, als Abgesang eines neunzigjährigen Mannes und eine letzte Feier voyeuristischer Genüsse. "Wir sehen uns im August" ist von anderem Kaliber, schillernder, spannender, witziger und vitaler. Die letzte Szene beschert uns Lesern einen Schock, ein gelüftetes Geheimnis und eine rabiate Tat, wie sie nur den Figuren dieses Autors in den Sinn kommen.

Im Nachwort berichtet der Lektor und Verlagsleiter Cristóbal Pera von fünf verschiedenen Textfassungen und einer digitalen Masterkopie. Letztere habe lange bei der Agentin Carmen Balcells in Barcelona gelegen. Pera schildert den synoptischen Prozess und betont, nichts hinzugeschrieben zu haben. Mehr zum philologischen Verfahren erfahren wir nicht. Ein einziger Widerspruch wird nicht aufgelöst. Im Vorwort sagt Rodrigo García, das abschließende Urteil seines Vaters über sein letztes Werk habe gelautet: "Dieses Buch taugt nichts. Es muss vernichtet werden." Cristóbal Pera dagegen zitiert im Nachwort einen handschriftlichen Vermerk des Autors auf der fünften Fassung vom 5. Juli 2004: "Großes endgültiges OK." Vielleicht darf man es bei diesem Satz des Sohnes belassen: "Der Schreibprozess war ein Wettlauf zwischen dem Perfektionismus des Sprachkünstlers und seinen schwindenden geistigen Kräften." Keine Frage, wer ihn gewonnen hat.

2015 kaufte das Harry Ransom Center in Austin, Texas den Nachlass des Nobelpreisträgers für 2,2 Millionen Dollar. Dort, unter rund einer Million Büchern und 42 Millionen Manuskripten, ruhen schon bedeutende Konvolute von James Joyce, Doris Lessing, Robert De Niro und David Foster Wallace. An diesem "Treffpunkt für neugierige Geister" (Eigenwerbung) wäre das letzte Werk des beliebtesten lateinamerikanischen Schriftstellers aller Zeiten aber wohl irgendwann als Raubkopie nach draußen gedrungen, das war auch der Familie klar. "Deshalb", sagt Rodrigo García, "haben wir es lieber selbst gemacht." Es war die richtige Entscheidung. PAUL INGENDAAY

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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Von mimitatis_buecherkiste am 11.07.2024

Diese eine Sehnsucht

Vor acht Jahren starb die Mutter von Ana Magdalena Bach und wurde gemäß ihrem letzten Wunsch auf einer Karibikinsel begraben. An jedem 16. August fährt die Tochter dahin, besucht das Grab und legt einen Strauß Gladiolen darauf. Sie bleibt über Nacht und fährt am nächsten Tag zu Mann und Kindern zurück. In diesem Jahr ist da ein Mann, der sie auf einen Drink einlädt, sie umgarnt, bis eines zum anderen führt und Ana Magdalena ihn mit auf ihr Zimmer nimmt. Liebe im reifen Alter, diese Überschrift könnte die Erzählung tragen, würde der Geschichte damit aber nicht gerecht. Eine Situation wird ausgenutzt, Verlangen entsteht und das prickelnde Gefühl von etwas Verbotenem liegt in der Luft. Innerhalb von Minuten entscheidet sich Ana Magdalena, etwas zu tun, was sie nie gereizt hat, und sie kommt auf den Geschmack, zumindest bis am nächsten Morgen eine bestimmte Tat den schalen Nachgeschmack einer Erniedrigung hinterlässt. Die folgenden Jahre reduziert der Autor auf die Besuche der Karibikinsel und ich bin fasziniert vom Gefühlschaos, das dieses Erlebnis bei der auf die Fünfzig zugehenden Frau hinterlässt. Das bisher unveröffentlichte Werk aus dem Nachlass des Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez wollte dieser zu Lebzeiten nicht veröffentlichen, dessen Erben entschieden sich Jahre später dafür und erläutern dies im Vorwort. Für mich war es die erste Begegnung mit einem seiner Bücher, aber sicherlich nicht die letzte, das kann ich versprechen, nachdem ich fertig geworden bin. Ich freue mich darauf.
LovelyBooks-BewertungVon uli123 am 16.05.2024
Es wäre schade gewesen, wenn dieser Kurzroman weisungsgemäß posthum nicht veröffentlicht worden wäre.