Wiederentdeckte Bücher finde ich einfach großartig, daher hat mich Gegen Wind von Gerti Tetzner sofort angesprochen. Dass das Buch damals kurz vor der Veröffentlichung von der Stasi verboten wurde, hat mein Interesse noch vergrößert und ich bin froh, dass der Aufbau-Verlag diesen Roman nun allen zugänglich machen kann.
Der Text, der lose auf einer wahren Geschichte einer Freundin der Autorin basiert, erzählt von der Kindergartenleiterin Kristina. Diese möchte die starren Vorgaben des DDR-Staates nicht blind befolgen und findet Mittel und Wege, um vor ihrem Kinderhaus einen grünen Garten, einen Zufluchtsort für ihre Kinder, zu erschaffen, frei von Kontrolle und Drill. Doch als das sozialistische System schließlich doch auf ihren Garten aufmerksam wird, richtet sich die bürokratische Härte des staatlichen Machtapparats gegen Kristina.
Das Buch lässt mich ein bisschen zwiegespalten zurück. Einerseits ist dies definitiv ein wichtiges literarisches Zeitzeugnis aus der DDR, thematisch wichtig und vielschichtig. Doch vielleicht ist auch hier das erste Problem: Der Text wirkt sehr überfrachtet
Außerdem war ich (vor allem anfangs) etwas irritiert, dass hier aus einer männlichen Perspektive erzählt wird und nicht direkt aus Kristinas Sicht. Das hat mir den Lesefluss bzw. das Hineinversetzen in die Hauptfigur Kristina ziemlich erschwert.
Außerdem bleibt vieles im Vagen, verliert sich in Andeutungen hier hätte ich mir etwas mehr Klarheit bzw. Direktheit bezüglich der Überwachungsmechanismen und Machtstrukturen in der DDR bzw. auch hinsichtlich der Figuren gewünscht. So blieb die Geschichte für mein Empfinden etwas schwer zugänglich.
Am beeindruckendsten fand ich, wenn ich ehrlich bin, das 2025 entstandene Nachwort von Gerti Tetzner vielen Dank hierfür!
Ich habe mich nicht so sehr damit beschäftigt, ob der Roman veröffentlicht werden kann, er musste einfach raus. Ich fand den Text immer ein bisschen überfrachtet mit den vielen Problemen. Aber das kam wahrscheinlich daher, weil alles totgeschwiegen wurde. Es gab keine öffentlichen Debatten über diese Themen. Und deswegen, ohne dass ich es gemerkt habe, wurde alles in dem Text untergebracht. Später, als ich das Buch fertig geschrieben hatte, hatte ich das Gefühl: So, jetzt hast du das runtergeschrieben, du hast dich befreit. Ich habe diese Art von Schreiben nicht besonders geschätzt, aber es ging nicht anders. Ich habe immer nach einer anderen Art zu schreiben gesucht. »Gegen Wind« war in meinen Augen auch teilweise Öffentlichkeitsersatz. In meiner Vorstellung, wie man schreiben müsste, habe ich immer gedacht, Poesie muss ganz anders sein. Das darf nicht so eine Polemik sein. Das muss ein weiterer Raum sein. Jetzt könnte ich das, glaube ich. Aber damals war dies die einzige Möglichkeit, sich zu befreien.
Insgesamt vergebe ich für dieses interessante, aber nicht ganz einfach zu lesende literarische Zeitdokument 3 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für das digitale Rezensionsexemplar!