Drei Zeilen. Mehr braucht es nicht. Und plötzlich stehe ich unter Kirschblüten, höre irgendwo einen Kuckuck und friere mir im nächsten Moment im Schneegestöber fast die Gedanken ein. Dieses Buch macht genau das es schubst einen sanft mitten hinein in die Jahreszeiten, ohne großes Tamtam, aber mit einer Wucht, die leise daherkommt.
Haiku der Jahreszeiten aus dem Reclam Verlag ist kein Buch, das man durchliest. Es ist eines, das man aufschlägt, innehält, nochmal liest. Und dann noch einmal. Bashô, Buson, Issa, Shiki große Namen, klar. Aber was mich wirklich gepackt hat, war diese Mischung aus knappen Worten und diesen unglaublich intensiven Farbholzschnitten. Wort und Bild führen hier keinen Wettstreit, sie nicken sich eher zu. Fast so, als würden sie sagen: Schau genau hin.
50 Haiku, japanisches Original und deutsche Übersetzung und ich ertappe mich dabei, wie ich die Zeichen anstarre, obwohl ich kein Wort verstehe. Und trotzdem fühlt es sich bedeutungsvoll an. Verrückt eigentlich.
Dieses Buch entschleunigt. Kein Drama, kein Pathos, kein lautes Weltverbessern. Nur ein Moment. Ein Blatt im Wind. Sommergras. Schnee auf einem Ast. Und plötzlich wird einem klar, wie viel in einem einzigen Augenblick steckt.
Beim Lesen hatte ich ständig diesen Gedanken: Warum hetzt man eigentlich so durchs Jahr? Die Haiku machen es vor stehen bleiben, atmen, wahrnehmen. Mehr braucht es nicht. Und genau deshalb ist dieses Buch nicht nur schön gestaltet, sondern ehrlich berührend.
Ein kleines, stilles Meisterwerk. Und ja das ist eines dieser Bücher, das man verschenkt. Oder besser noch: erst selbst behält.