Weiß

von Han Kang
Originaltitel: The White Book. 1. Auflage. Mit 5 Abbildungen sw mitlaufend.
Buch (gebunden)
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»Ich glaube, dass dies die besten Worte für einen Abschied sind. Bitte stirb nicht. Lebe.«

Während eines Aufenthalts in einer europäischen Stadt, die im weißen Winterschlaf liegt, überfällt die Erzählerin plötzlich die Erinnerung an ihre Schwester, di … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Weiß
Autor/en: Han Kang

ISBN: 3351037228
EAN: 9783351037222
Originaltitel: The White Book.
1. Auflage.
Mit 5 Abbildungen sw mitlaufend.
Übersetzt von Ki-Hyang Lee
Aufbau Verlag GmbH

18. August 2020 - gebunden - 151 Seiten

Beschreibung

»Ich glaube, dass dies die besten Worte für einen Abschied sind. Bitte stirb nicht. Lebe.«

Während eines Aufenthalts in einer europäischen Stadt, die im weißen Winterschlaf liegt, überfällt die Erzählerin plötzlich die Erinnerung an ihre Schwester, die als Neugeborenes in den Armen der Mutter starb. Sie ringt mit dieser Tragödie, die das Leben ihrer Familie bestimmt hat, ein Ereignis, das in Bildern von Weiß wieder und wieder aufscheint: das Weiß der Muttermilch, der Windel, der reiskuchenweißen Haut des kleinen Mädchens.

Nur eine Autorin wie Han Kang vermag es, aus einer so zutiefst persönlichen Erinnerung eine große literarische Erzählung zu erschaffen: »Weiß« ist ein Buch über Trauer und die Widerstandskraft des menschlichen Daseins - Han Kangs persönlichstes Buch und zugleich ihr literarisches Meisterstück.



»>Weiß< ist ein tiefgründiges und kostbares Werk. Die Sprache ist schmerzlich persönlich, jedes Bild wahrhaftig und tief bewegend. Eine ungeheure Leistung, Han Kang ist ein Genie.« Lisa McInerney

Portrait

Han Kang ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, seitdem erschienen zahlreiche Romane. Seit sie für "Die Vegetarierin" gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 den Man Booker International Prize erhielt, haben ihre Bücher auch international großen Erfolg. Auch der Roman »Weiß« war für den Booker Prize nominiert, »Menschenwerk« erhielt den renommierten italienischen Malaparte-Preis, zuletzt erschien bei Aufbau »Deine kalten Hände«. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul.

Pressestimmen

»Ähnlich wie in einer Kunstausstellung präsentiert sie anschauliche Impressionen, die häufig als Metaphern verstanden werden können.«

»Dieses Buch ist Beispiel einer neuen Weltliteratur wie sie auch Haruki Murakami schreibt.«

»Sie ist das Zentrum der empfindsamen Reflexionen, Träumereien und Erinnerungen, das Zentrum des Buches.«

»Kaum jemandem gelingt es so gut wie Kang, mit so wenigen Worten eine derart
bestechende Stimmung zu erzeugen. Keine angenehme, so viel ist sicher.«

»Ein poetischer Text zwischen Kurzprosa, Lyrik und Autobiografie, in dem die Beschreibung von weißen Gegenständen eine Rolle spielt.«

»Eine poetische Meditation über den Verlust einer Schwester, ein Text von kristalliner Klarheit und Offenheit ( ) Das Buch gewinnt seine Schönheit aus dem Zusammenspiel von Intimität, Verletzlichkeit und Intimität.«

»In diesem vierten Buch, das wiederum Ki-Hyang Lee einfühlsam übersetzt hat, beweist Han Kang einmal mehr, in welch schmerzender Intensität ihr Schreiben dem Leser unter die Haut geht.«

»Nur ein Wimpernschlag: Mit poetischen Mitteln trauert die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang um eine größere Schwester, die nur zwei Stunden lang gelebt hat. Eine Hommage ans Leben.«

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 27.08.2020

Die Toten kleiden sich in den aufziehenden Rauch

Bitte stirb nicht: Der Prosa-Bildband "Weiß" der koreanischen Erfolgsautorin Han Kang ist eine poetische Meditation über den Verlust einer Schwester, ein Text von kristalliner Klarheit und Offenheit.

Übel zugerichtete Körper und seelischer Schmerz sind die Themen der südkoreanischen Schriftstellerin Han Kang. Im Roman "Menschenwerk" (deutsch 2017) verleiht sie den Opfern des Massakers von Gwangju eine Stimme - 1980 wurden in dieser Stadt im Südwesten Koreas Studenten, die für Bürgerrechte demonstrierten, vom Militär ermordet, mit ihnen Teile der Bevölkerung, die sich solidarisierten.

Vor allem aber schaut Han Kang auf versehrte weibliche Körper. So in ihrem bekanntesten, 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichneten Roman "Die Vegetarierin", in dem eine Frau sich der strukturellen Gewalt einer patriarchal dominierten Gesellschaft zu entziehen versucht. Auch in "Deine kalten Hände", im Original bereits 2002, in deutscher Übersetzung erst 2019 erschienen, erzählt Han Kang davon, wie soziale Normierungen physische und psychische Deformationen verschulden. Und nicht zuletzt davon, wie künstlerische Auseinandersetzung ebendamit erfolgen kann.

"Weiß" lautet der schlichte Titel von Han Kangs jüngst übersetztem Buch, das sich einer eindeutigen Gattungsbezeichnung entzieht - kurze Prosastücke, versetzt mit wenigen Fotos und Screenshots einer Performance. Eine Hand mit Salz ist darauf zu sehen oder eine Ansammlung weißer Federn. Der Schmerz und die Versehrtheit, die hier zur Sprache kommen, sind weniger sozial, sondern wohl autobiographisch grundiert - und vielleicht meint man gerade deshalb, diesen schmalen Band als eine Art Nukleus von Han Kangs Werk zu lesen, als dessen Kraftzentrum. "Weiß" ist eine Meditation über Trauer, eine poetische Installation über Verlust.

Am Anfang steht der beinahe lapidar formulierte Entschluss, über weiße Gegenstände zu schreiben, es folgt eine Liste: "Wickeltuch, Babyhemdchen, Salz, Schnee", die, endend mit dem "Totenhemd", einen Lebenszyklus zu umreißen scheint, ohne dass die namenlose Erzählerin bereits benennen kann, welche Bedeutung das Betrachten dieser Wörter haben könnte. "Sie würden in mir gedreht und gewendet werden und schließlich in Form von Sätzen herausvibrieren wie fremde, klagende oder schrille Töne, die der Geigenbogen einer Metallsaite entlockt."

In einer Hinsicht irrt die Erzählstimme: Schrill ist nichts an diesem Buch, vielmehr liegt über den großzügig gesetzten Seiten eine konzentrierte Stille, die längst nicht nur von den schneebedeckten Landschaften ausgeht, die Han Kang schildert. Auch die selbstgestellte Frage, ob es ihr gutes Recht sei, sich zwischen den Sätzen zu verstecken, erweist sich mit jedem neuen Prosastück mehr als gegenstandslos.

Das Konzept des Bandes mag experimentell anmuten und Weiß als Farbe der Avantgarde gelten - wie Friederike Mayröcker sie in ihrem jüngsten Proem "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete" verschiedentlich aufruft. Weiß sind aber auch die Gipsabdrücke, die der Künstler in Han Kangs Roman "Deine kalten Hände" von Frauenkörpern anfertigt, und die leere Formen bleiben. "Weiß" als Buch hingegen ist von kristalliner Klarheit und Offenheit und dabei so zurückgenommen und zart wie der Ausdruck "weißes Lächeln", den es, so schreibt Han Kang, wohl nur in ihrer Muttersprache gebe. Der Ausdruck beschreibe ein Gesicht, "das ein Lächeln - einsam und versonnen - nur andeutet, verbunden mit zerbrechlicher Reinheit". Und weiter: "Wenn es überhaupt auf jemanden angewendet werden kann, dann auf dich, die du darum kämpfst, zu lachen, während du geduldig erträgst."

"Weiß" erzählt über die verstorbene Schwester der Erzählerin, die selbst gestaltlos bleibt, in diesem Fall aber offenkundig mit der Autorin in eins genommen werden kann. Es handelt von der Trauer über einen Verlust, der selbst nicht erfahren wurde, aber das eigene Dasein bestimmt. Und mehr noch: der die eigene Existenz vielleicht allererst ermöglicht hat. Wie vermisst man, was man nicht kannte?

Die Schwester war das erste Kind der Eltern und verstarb kurz nach der unerwarteten verfrühten Geburt - die Mutter war allein in einem abgelegenen Haus ohne erreichbare Hilfe, als die Fruchtblase platzte. "Meine Mutter hat mir erzählt, dass ihr erstes Kind zwei Stunden nach der Geburt gestorben ist. Es war ein Mädchen, mit einem Gesicht wie ein weißer, mondförmiger Reiskuchen." Wiederholt werden die Geburt und das kurze Augenaufschlagen des Neugeborenen aufgerufen, wie auch die flehenden Worte der Mutter: "Stirb nicht, bitte stirb nicht!" Eine Erzählung, die sich in die Kindheit der Erzählerin einschreiben wird. Ein Jahr darauf stirbt, wiederum nach einer Frühgeburt, ein weiteres Kind, diesmal ein Junge. "Hätten diese beiden Leben die kritische Zeit sicher überstanden, würde es mich, die drei Jahre danach geboren wurde, nicht geben."

Als der Vater nach der dramatischen Geburt des ersten Mädchens nach Hause kommt, bleibt ihm nur, das Neugeborene zu begraben. Das Babyhemdchen - man sieht ein solches auch auf den Fotos im Band als Teil der Performance - wird zum Totenhemd, die Wickeltücher werden zu Leichentüchern.

Han Kangs Prosaminiaturen kreisen genau um diese Ambivalenz des Weißen als Symbol der Reinheit und zugleich als Ausdruck der Trauer und des Todes. Nicht nur zu Beerdigungen trägt man in Korea neben Schwarz auch Weiß. Han Kang beschreibt die Tradition, weiße Kleidung zu verbrennen im Glauben, die Verstorbenen würden sich in den dann aufziehenden Rauch kleiden. Vielleicht sollte man es also nicht Ambivalenz nennen, sondern das Vermögen zum Verschmelzen von Tod und Leben als Ineinandergreifen von Zerstörung und Neubeginn, das dem Weißen inhärent ist.

Eindrücklich in diesem Sinne wirkt auch der räumliche Rahmen, den Han Kang ihrem Schreiben gibt. "Weiße Stadt" nennt sie dessen Ort, der eigentliche Name der Stadt fällt nicht, aber augenscheinlich handelt es sich um Warschau - wo sich die Schriftstellerin dank eines Stipendiums aufgehalten hat. Am Anfang steht eine Art Initiationsritual: Die neu bezogene Wohnung wird komplett weiß gestrichen, bis hin zum Waschbecken und zu den auf der Wohnungstür eingravierten Zahlen. Tabula rasa.

In einer Gedenkstätte sieht die Erzählerin Luftbilder der von Hitler angeordneten Bombardierung Warschaus. Zu Beginn des Films, heißt es, wirke die Stadt weiß, wie verborgen unter einer mit Rußpartikeln gesprenkelten Schneedecke. Als das Flugzeug, das die Aufnahmen macht, an Höhe verliert, werden Einzelheiten sichtbar: "Die Stadt lag weder unter einer Schneedecke, noch gab es Verschmutzungen durch Ruß. Alle Gebäude waren im wahrsten Sinne des Wortes pulverisiert worden. Wohin das Auge auch blickte, überall waren weiß schimmernde Trümmerhaufen zu sehen, nur gelegentlich unterbrochen von den schwarzen Spuren des Brandes."

Diese zerstörte und wieder aufgebaute Stadt, in deren Getto die Menschen gegen die Repressionen des nationalsozialistischen Regimes aufbegehrten, eröffnet zudem eine weitere Ebene in Han Kangs poetischen Mediationen: die Frage nach den Ritualen und Praktiken der Trauer, individueller wie historischer. In Warschau manifestiert sich an den verbliebenen Fragmenten der Gettomauern das Gedenken der Nachgeborenen im öffentlichen Raum. Eine solche Manifestation ist auch dieses Buch, das seine Schönheit aus dem Zusammenspiel von Intimität, Verletzlichkeit und Universalität gewinnt.

WIEBKE POROMBKA

Han Kang: "Weiß".

Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. Aufbau Verlag, Berlin 2020. 151 S., Abb., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
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Ihrem Buchhändler
von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung Mainz Am Brand - 23.10.2020
Kangs ältere Schwester starb zwei Stunden nach der Geburt. Dieses Buch widmet Kang dieser Schwester. In wunderbar klarer und schlichter Sprache spricht sie über und zu ihrer Schwester. Bewegend!
Bewertungen unserer Kunden
Hoch poetisch, aber auch hoch pathetisch
von Manfred Fürst - 05.10.2020
In einer Mietwohnung in der Hauptstadt (Warschau?) eines der Erzählerin, wohl Han Kang, unbekannten Landes. Ein Mädchen, Han Kangs Schwester, wurde etwa zwei Monate zu früh geboren, die Mutter zweiundzwanzigjährig, völlig allein, schnitt sich selbst die Nabelschnur durch. Das Mädchen wurde nur zwei Stunden alt. Die traumatisierte Erzählerin schreibt in ihrer Mietwohnung an einer Liste weißer Dinge, um sich selbst zu therapieren. Han Kang ist Koreanerin und in fernöstlichen Kulturen wird der Tod mit der Farbe Weiß assoziiert. Das Weiße meist unscheinbar und bleibt oft unbemerkt. Dabei muss man die Nicht-Farbe nur genau betrachten und schon sieht man, welche Tragik in ihr stecken kann. In allen weißen Dingen werde ich dich spüren und in dir weiteratmen (Han Kang). Eine Handvoll Wörter auf weißem Papier, das nicht weiß ist. Welche Farbe hat es denn, wenn es überhaupt eine Farbe ist? Han Kang ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, seitdem erschienen zahlreiche Romane. Seit sie für Die Vegetarierin gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 den Man Booker International Prize erhielt, haben ihre Bücher auch international großen Erfolg. Auch der Roman »Weiß« war für den Booker Prize nominiert, »Menschenwerk« erhielt den renommierten italienischen Malaparte-Preis, zuletzt erschien bei Aufbau »Deine kalten Hände«. Derzeit lehrt sie kreatives Schreiben am Kulturinstitut Seoul. Han Kangs Roman Weiß ist eine poetische Meditation über den Verlust ihrer Schwester. 150 Seiten, Ich - Sie - Alles weiß, in 63 kurzen Kapiteln, ein Roman zwischen Kurzprosa, Lyrik und Autobiographie mit schwarzweißen Abbildungen aus einer Ausstellung. Auch wenn Han Kang in ihrer Mietwohnung zunächst alles weiß streicht, die Farbe der Seiten ihres Romans hat der Aufbau-Verlag augenfreundlich hellgrau gestaltet. Für lyrische Leserinnen und Leser, die Gefallen finden an leiser und melancholischer Literatur.
Großartige sprachliche Bilder unter dem Deckmantel der Trauerfarbe weiß
von Lesendes Federvieh - 28.08.2020
In einer europäischen Stadt, die sich im weißen Winterschlaf befindet, wird die Erzählerin von einer Woge der Trauer in Erinnerung an ihre Schwester erfasst, die als Neugeborene nach wenigen Atemzügen in den Armen der Mutter starb. Diese Tragödie hat das Leben der Familie bestimmt und sorgt bei ihr noch heute für schmerzhafte Migräneattacken, bis sie sich in weißen Bildern mit dem verfrühten Tod ihrer Schwester auseinandersetzt, das im Weiß der Muttermilch oder der reiskuchenweißen Haut des Mädchens wieder und wieder erscheint. Han Kang gehört zu den wichtigsten literarischen Stimmen Koreas, ihr Roman Die Vegetarierin wurde mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet und doch bin ich erst durch Weiß auf sie aufmerksam geworden. Dabei unterscheidet sich dieses Werk von ihren bisherigen Romanen, da es sich um eine eingehende Auseinandersetzung mit dem frühen Tod ihrer Schwester und der damit verbundenen Trauer handelt. Han Kangs Sprache strotzt nur so vor ausdrucksstarker Kraft und Schönheit, in ihren Worten schwingt eine unnachahmliche Poesie mit, die Gefühle der körperlich spürbaren Traurigkeit, der lähmenden Melancholie und des schmerzhaften Verlustes aufkommen lässt. Mit jeder Zeile haucht sie scheinbar unbedeutenden Dingen, welche lediglich die koreanische Trauerfarbe weiß als Gemeinsamkeit teilen, Leben ein, sodass deren Zerbrechlichkeit für einen kurzen vergänglichen Augenblick bemerkbar werden. Das Herabsegeln eines Taschentuches beschreibt sie beispielsweise folgendermaßen: Die Ränder waren nach oben gebogen, wie die Federn eines Vogels im Sinkflug. Wie eine Seele, die vorsichtig einen Platz sucht, um sich niederzulassen. (S. 83) Jedes der kurzen Kapitel trägt dabei den Namen eines weißen Gegenstandes oder einer entsprechenden Erinnerung. Doch egal ob sie von Wellen, Wickeltüchern oder mondförmigen Reiskuchen erzählt, stets sind ihre Worte von spürbarer Traurigkeit durchzogen. Was zunächst wie ein unstetes Fließen ihrer Gedanken als Aneinanderreihung an Bildern, Momentaufnahmen und Erinnerungen anmutet, bekommt durch die Aufteilung in drei Abschnitte einen gewissen Rahmen: Während die Erzählerin in Ich aus selbiger Perspektive den Anfang ihres Aufarbeitungsprozesses beschreibt, lässt sie ihre verstorbenen Schwester in Sie die Schönheit der weißen Dinge entdecken. Hierbei lässt sie ihre Gedanken allerdings gar so weit treiben, dass diese stellenweise ausschweifende Umwege nehmen, was für meinen Geschmack manchmal ein wenig zu viel des Guten war. Besonders eindringlich ist der abschließende Abschnitt Alles weiß , denn durch den abermaligen Wechsel der Perspektive findet man sich mitten im Dialog mit ihrer verstorbenen Schwester, was sich geradezu intensiv intim anfühlt. Mit geradezu außergewöhnlich berührender Poesie erzählt Han Kangs Weiß von persönlicher Trauer, innerem Schmerz sowie der Heilsamkeit von Literatur und brilliert dabei mit großartigen sprachlichen Bildern unter dem Deckmantel der koreanischen Trauerfarbe weiß.
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