Doreen lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in München. Aufgewachsen ist sie auf dem Hof Fallera im Osten Deutschlands. Damals wollte sie unbedingt weg, sich ein eigenes Leben aufbauen. Jetzt kommt sie zurück. Zurück zu ihren Großeltern, die beschlossen haben zu sterben. Die Großmutter ist schwer krank, hat keinen Lebenswillen mehr. Ihr Großvater möchte nicht ohne seine Frau sein, baut auch immer mehr ab. Doreen kehrt nicht nur in ihre Heimat zurück, sondern auch an einen Ort, der nie mehr so sein wird wie in ihrer Erinnerung.
Ein stiller Roman über Abschied, Selbstbestimmung und Heimat. Doreen ist hin- und hergerissen. Sie sehnt sich nach ihrer Kindheit auf dem Dorf. Hat sich aber auch in München ein Leben aufgebaut. Sie kann die Großeltern nicht verstehen, möchte nicht ohne sie sein und versucht verzweifelt sie umzustimmen.
Hanna Heim schreibt sehr atmosphärisch. Die Pferde, der Stall, der Geruch von Sommerregen, war für mich fast spürbar. Erzählt wird eher ruhig, ohne dramatische Wendungen. Einzig in den Dialogen wird die Sprache manchmal dramatischer. Die Beschreibungen des Pferdehofs sind fast schon zärtlich. Doreens emotionale Verbindung wird gerade dadurch sehr deutlich. Die Verbindung zwischen ostdeutscher und persönlicher Geschichte ist toll umgesetzt. Wandel, Verlust, Familie, Dorfgemeinschaft. Richtig stark. Ich bin in der DDR aufgewachsen, am Wochenende auf dem Dorf. Da kam mir einiges sehr bekannt vor. Der Wunsch nach dem selbstbestimmten Tod der Großeltern lässt sicher keinen Leser kalt und regt zum Nachdenken an. Manchmal bedeutet Liebe vielleicht auch Loslassen.
Ein intensiver und berührender Roman, der nachdenklich macht. Empfehle ich euch sehr gern weiter.