Band 4 der historisch-kritisch bearbeiteten Gesamtausgabe der Werke von Hans Kelsen (1881-1973) enthält dessen Schriften aus den Jahren 1918 bis 1920, darunter die Monographie "Das Problem der Souveränität und die Theorie des Völkerrechts" und den der Philosophie Vaihingers gewidmeten Beitrag "Zur Theorie der juristischen Fiktionen".
Hans Kelsen's Complete Works (HKW) contains 17 of Hans Kelsen's texts - wide-ranging in terms of their genre, style and content - from the revolutionary period following the collapse of the Austro-Hungarian monarchy in October 1918 until the permanent establishment of the federal Republic of Austria in 1920. In these writings he deals with questions, pivotal at that time, of constitutional law such as the legal status of the Länder or issues in electoral law. This volume also contains Kelsen's first studies leading to The Essence and Value of Democracy. In the more theoretically oriented works in this volume, Kelsen consolidates the groundwork of the Pure Theory of Law. The writings which fall into this category include On the Theory of Juridical Fictions, in which he discusses Vaihinger's Philosophy of the As-If, and The Problem of Sovereignty and the Theory of International Law, which is Kelsen's first major work on the theory of international law. Band 4 der HKW vereinigt insgesamt 17 von Format, Stil und Inhalt her sehr unterschiedliche Beiträge Kelsens aus der Zeit unmittelbar nach Auflösung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie im Oktober 1918 bis zur Konsolidierung der Ersten Republik unter dem Bundes-Verfassungsgesetz vom Oktober 1920. Das Augenmerk des Verfassungsberaters von Staatskanzler Karl Renner richtet sich in dieser Zeit in besonderem Maße auf die aktuellen staatsrechtlichen und staatspolitischen Probleme - sei es die Stellung des unter der Republik erstmals eingerichteten Amtes des Staatskanzlers oder ganz grundsätzlich die Organisation der Exekutive, seien es Fragen nach dem Anschluss Deutsch-Österreichs an das Deutsche Reich oder die Stellung der Länder im künftigen Verfassungswerk, seien es Fragen des (Verhältnis-)Wahlrechts, dem er in rascher Folge allein vier Beiträge widmet. In dieselbe Schaffensphase - und in spürbarem Zusammenhang mit den Wahlrechtsbeiträgen - fallen die ersten systematischen Studien Kelsens zu Wesen und Wert der Demokratie, die 1929 in der berühmten Zweitauflage des gleichnamigen Werkes ihren vorläufigen Abschluss finden werden. Mit den beiden Grundlagenarbeiten "Zur Theorie der juristischen Fiktionen", in der sich Kelsen mit Hans Vaihingers "Philosophie des Als Ob" auseinandersetzt, und "Das Problem der Souveränität und die Theorie des Völkerrechts", in der er erstmals auch das Völkerrecht in seine rechtstheoretische Feldvermessung einbezieht, führt Kelsen den Reifungs- und Konsolidierungsprozess seiner im Jahre 1911 begründeten und in "Das Problem der Souveränität . . ." erstmals als "rein" bezeichneten Rechtslehre fort.