Sputnik Sweetheart als Buch (gebunden)
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Sputnik Sweetheart

Originaltitel: The Sputnik Sweetheart.
Buch (gebunden)
Cooler Realismus und Fantastik verbinden sich in der Geschichte von Sumire und Miu. Die eine ist eine junge weltfremde und romantische Möchtegernautorin, die andere eine siebzehn Jahre ältere erfolgreiche Geschäfsfrau. Unempfänglich ist Miu für das B … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Sputnik Sweetheart
Autor/en: Haruki Murakami

ISBN: 3832156968
EAN: 9783832156961
Originaltitel: The Sputnik Sweetheart.
Übersetzt von Ursula Gräfe
DuMont Buchverlag GmbH

1. August 2002 - gebunden - 234 Seiten

Beschreibung

Cooler Realismus und Fantastik verbinden sich in der Geschichte von Sumire und Miu. Die eine ist eine junge weltfremde und romantische Möchtegernautorin, die andere eine siebzehn Jahre ältere erfolgreiche Geschäfsfrau. Unempfänglich ist Miu für das Begehren der jungen Frau, von der sie "süßer Sputnik" genannt wird. Auf einer Reise durch Frankreich und Italien bis auf eine kleine griechische Insel verschwindet Sumire plötzlich - alle Spuren ihres Schicksals verlieren sich. Ein junger Lehrer, der die betörende Sumire liebt, findet Aufzeichnungen bizarrer Vorfälle und Geschichten in Geschichten, die auch ein Geheimnis von Miu in der Schweiz aufdecken. Mit Haruki Murakamis neuem Roman "Sputnik Sweetheart" geraten wir an die Ränder der Wirklichkeit, aber auch wenn die Menschen auf getrennten Umlaufbahnen einsam wie ein Sputnik ihre Bahnen ziehen, gibt es noch eine andere Seite des Lebens: "Wir brauchen nur zu träumen."

Portrait

Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.
Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt am Main Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, außerdem Yoko Ogawa und Hiromi Kawakami. Für DuMont überträgt sie die Romane Haruki Murakamis ins Deutsche.

Leseprobe

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Pressestimmen

Und wieder ist es die Liebe, die den japanischen Autor Haruki Murakami in seinem neuen Roman "Sputnik Sweetheart" in ihren Bann zieht. Keine einfache Liebesgeschichte, das wäre zu trivial. Es sind drei Personen, die Murakami um sich selbst und umeinander kreisen lässt. Sumire, 22 Jahre, hat ihr Studium an den Nagel gehängt und widmet sich einzig und allein dem Schreiben und ihrem exzentrischen Lebenswandel. Sie scheut nicht davor zurück, nachts ihren Freund und ehemaligen Kommilitonen aus dem Bett zu klingeln und ihm am Telefon von ihren neuesten Schreibversuchen zu berichten. Im übrigen ist er auch der einzige, der ihre dicken Manuskripte zu lesen bekommt. Doch über ein inniges platonisches Freundschaftsverhältnis geht ihre Beziehung, zumindest von Sumire aus, nicht hinaus. "Bei jeder unserer Begegnungen führten wir lange Gespräche. Nie bekamen wir genug davon, und nie gingen uns die Themen aus. Unsere Gespräche waren intensiver und intimer als die der meisten Liebenden und drehten sich um Literatur, Landschaft, Sprache, um Gott und die Welt." Dies ändert sich schlagartig, als Sumire die viel ältere, verheiratet Miu kennen lernt und sich rettungslos in sie verliebt. Sie beginnt in Mius Firma zu arbeiten, interessiert sich plötzlich für ihr Äußeres und das Schreiben rückt völlig in den Hintergrund. Sumire hat die Liebe gepackt und sie ist Miu abgöttisch ergeben, wobei Miu, die verheiratet ist, ihr Verhältnis auf rein freundschaftlicher Ebene belässt. Eine schwierige Situation, die auf einer Reise der beiden Frauen nach Griechenland schließlich eskaliert und damit endet, dass Sumire plötzlich spurlos verschwindet. Diesen verzwicken Liebesroman reichert Murakami sehr geschickt im Laufe der Handlung zunehmend mit geheimnisvollen Elementen an, die bis in das Reich der Träume und der Fantasien reichen. So gibt er dem Ganzen einen Hauch an Leichtigkeit und Unwirklichkeit, die den Roman zu einem besonderen Leseerlebnis machen. Nicht zu vergessen die wunderbare Sprache Murakamis, mit der er wieder seine Leser verwöhnt. Am Schluss noch eine Kostprobe: "Schließlich dreht sich die Erde nicht quietschend und knirschend um die Sonne, damit die Menschen etwas zu lachen haben und sich amüsieren." Aber vielleicht, damit sie sich von Romanen dieser Art bestens unterhalten lassen. © Manuela Haselberger

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 02.11.2002

Kleidchen, Schleifchen, Schühchen
Scharfe Frauchen sind nicht scharf, scharfe Frauchen machen scharf: Haruki Murakami bringt in seinem Roman "Sputnik Sweetheart" Männchenblicke auf die Umlaufbahn

Drei Figuren, drei Liebende, drei Gesichter. Eine erfolglose Schriftstellerin liebt eine erfolgreiche Geschäftsfrau und wird dabei erfolglos von einem Lehrer geliebt. In dieses magische Dreieck spannt Haruki Murakami seinen Roman "Sputnik Sweetheart". Der japanische Erfolgsautor begibt sich darin unverzüglich auf jenes Terrain, das ihm in Japan gigantische Verkaufszahlen beschert hat und mit dem er bei uns in "Gefährliche Geliebte" für Aufregung sorgte: das Feld der erschriebenen, beschriebenen Erotik. Wieder sind es die Anziehungskräfte zwischen den Geschlechtern, die die Phantasie des Autors beflügeln und den Leser je nach Temperament begeistern - oder abstürzen lassen.

Der laszive Diskurs, um es einmal nobel auszudrücken, ist in diesem Roman allgegenwärtig. Der Leser muß sich den aufgeladenen Gesten und Gebärden, den Blicken und Sentenzen von der ersten Seite an stellen und sich zu einer Haltung durchringen: Soll man diesen süßen Zierat nun kurz und bündig als trivial und also als zwiespältiges Ergebnis eines überhitzten Gemüts abtun? Oder soll man die erotischen Requisiten als legitime Objekte im stilistischen Schriftstellerfundus akzeptieren? Am besten tut man beides und quittiert die Strategie mit einem spöttischen Seitenhieb: Warum denn so verschwenderisch, wenn es darum geht, den gefräßigen Männerblick zu bedienen? Wo immer möglich, malt sich Haruki Murakami nämlich die Kleidchen, Schleifchen und Schühchen seiner Protagonistinnen genüßlich aus. Auch sonst ist ihm voyeuristisches Kalkül nicht fremd: Vorzugsweise schwimmen Frauen nackt im Meer oder liegen ebenso an Stränden und auf Betten. Wie eigenartig also, daß es eher prüde zugeht, sobald die männliche Hauptfigur an der Reihe ist. Da wirkt die Phantasie des Autors plötzlich wie verdorrt. Ein Männerbuch, zweifellos, auch was den Grundriß angeht: eine Männerphantasie mit erschöpfender Tradition. Zwei Frauen, die sich lieben, und ein Mann, der sie beobachtet. So viel und nichts weiter zu den "Stellen".

Damit genug der Einwände. Denn dies ist auch ein Frauenbuch. Man würde lügen, wenn man behauptete, nicht gern eine nächtliche Lese-Séance einzulegen, nur um es in einem Zug lesen zu können. Seine Qualität liegt allerdings keinesfalls auf ästhetischem Gebiet. Murakamis Erzählkonzept ist schlicht, seine formalen Mittel sind eher begrenzt. Aber er kann erzählen wie kaum ein anderer. Dabei scheut er sich nicht, die Grenzen zwischen dem Realen und dem Phantastischen zu überschreiten.

Sumire, eine zweiundzwanzigjährige Möchtegern-Autorin, verliebt sich in eine um siebzehn Jahre ältere, verheiratete Geschäftsfrau. Es ist ein Lodern, Knistern und Ziehen zwischen den beiden von Anfang an. Die Schriftstellerin nennt die ehemalige Pianistin heimlich ihren "süßen Sputnik" und sieht dabei vor dem inneren Auge das Bild eines künstlichen Satelliten, der lautlos seine Bahnen im Weltall zieht. Während das Mädchen, Zynikerin und Romantikerin zugleich, den Boden unter den Füßen verliert, steuert die Erfahrene Miu kühl die Geschehnisse. Sie bittet Sumire, als Sekretärin in ihre Dienste einzutreten. Sie spüre, daß diese im Augenblick noch nichts Bedeutendes schreiben könne; sie werde eines Tages etwas Wunderbares schaffen, aber sie habe "noch nicht die Kraft, die Türe ganz aufzustoßen". Ihrerseits überrascht Miu Sumire mit einem rätselhaften Geständnis: Sie sei kein vollständiger Mensch. Was sie sehe, sei nicht ihr wahres Selbst. Und: sie habe vor Jahren die Pianistenkarriere abgebrochen, der sie alles geopfert hatte, einschließlich der Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Selbst technisch unterlegene Rivalen hätten ihr Publikum stärker in Bann zu schlagen vermocht als sie.

Schon nach kurzer Zeit brechen beide zu einer Europa-Reise auf, die abrupt auf einer griechischen Insel endet. Sumire ist über Nacht verschwunden. Miu wendet sich in ihrer Not an den Dritten im Bunde, einen jungen Lehrer. Sie bittet den Vertrauten und geschwisterlichen Freund von Sumire um Hilfe. Dieser begehrt zwar noch immer die exzentrische Freundin, fügt sich aber in die ihm zugewiesene Rolle. Er reist den beiden Frauen nach Griechenland hinterher. Vergeblich. Sumire taucht nicht wieder auf. Aber er findet Aufzeichnungen, die ihm Erklärungen liefern.

Eine banale Liebeskonstellation, möchte es scheinen. Die Raffinesse des japanischen Autors jedoch liegt im heimlichen Thema, das er dem Roman unterlegt hat. Nur vordergründig geht es um die Genese eines amourösen Wahnzustandes. Viel wichtiger sind die Bewegungen im Untergrund: Alle drei in diesem Spiel sind fragmentierte Persönlichkeiten. Aus unterschiedlichen Gründen haben vor allem die beiden Frauen ihre Sexualität abgespalten, geopfert oder nie wirklich entdeckt. Nun fahren sie wie drei Gestirne im Weltall aufeinander zu. Jeder von ihnen möchte vollständig werden; jeder gerät beim Zusammenprall in eine existentielle Krise, welche das verborgene Defizit grell aufdeckt. Bei den beiden Frauen kommt ein weiteres hinzu. Beide ahnen, daß sie auf künstlerischem Gebiet nur dann ihre eigenen Grenzen überschreiten können, wenn sie die libidinösen Quellen anzapfen. Die Konturen des Dritten, des Mannes, bleiben schattenhaft und werden vom Autor nicht recht erforscht; es ist, als hätte er die Figur zwar als notwendiges Übel im Gesamtkonstrukt akzeptiert, aber kein wahres Interesse für ihr Innenleben aufgebracht.

Die Falle schnappt zu, als die Beute erlegt ist. In einer Verführungsszene, die man sich denn doch etwas entschlackter von trivialen Einsprengeln wünschen würde, offenbart sich eines: Die Liebe ist zwar eine Himmelsmacht, nichtsdestotrotz eine Illusion; die erotische Verzückung ist eine Chimäre, das geliebte Objekt eine traurige Spiegelung der eigenen Wünsche und Defizite. Sumire begreift, daß Miu und sie zwar gute Reisegefährtinnen sind. Aber sie bleiben einsame Klumpen auf getrennten Umlaufbahnen. Vielleicht kreuzen sich ihre Wege, vielleicht verglühen sie aber auch.

Haruki Murakami schlägt Volte um Volte. Er treibt die Geschichte zur Eskalation und spannt zugleich den Leser auf die Folter. Immer wieder zieht er neue Karten aus dem Ärmel, baut unerwartete Klippen ein, verzögert das Tempo und beschleunigt es von neuem. Der Leser, gebannt vom Wechselbad der Gefühle, gezähmt durch immer neue Eskapaden, liest immer weiter. Erst am Ende eröffnen sich alle Zusammenhänge. In Einschüben bringt der Autor die schockhaften Erlebnisse zur Sprache, die das Leben der beiden Frauen zerstörten. Die tote Mutter Sumires. Die Vergewaltigung Mius. Der Verlust des Ichs unter dem Eindruck des verstörenden Erlebnisses. Die bürgerlichen Anpassungbemühungen der Frauen und damit die Verkrümmung der Charaktere. Aber er redet auch vom wilden Aufzucken des verschütteten Ichs und der zähen Kraft, welche Sumire und Miu am Ende doch zum Ausbruch aus dem zementierten Leben treibt.

Darin - in der Schilderung von Überschwang, Zerstörung, Kampf und Entkommen - liegen die Qualitäten dieses Romans, der einen an manchen Stellen zwar irritiert, aber am Ende doch Respekt fordert.

Haruki Murakami: "Sputnik Sweetheart". Roman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. DuMont Verlag, Köln 2002. 240 S., geb.

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