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Von Poesie und Politik

Briefwechsel 1907-1922.
Buch (gebunden)
Conrad Haußmann (1857-1922) war in der wilhelminischen Zeit einer der bekanntesten linksliberalen Politiker und Publizisten. Als Abgeordneter des Reichstages, dem er von 1890 bis zu seinem Tod angehörte, prangerte er in brillanten Reden das autokrati … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Von Poesie und Politik
Autor/en: Hermann Hesse, Conrad Haußmann

ISBN: 3518422588
EAN: 9783518422588
Briefwechsel 1907-1922.
Herausgegeben von Helga Abret
Suhrkamp

15. September 2011 - gebunden - 406 Seiten

Beschreibung

Conrad Haußmann (1857-1922) war in der wilhelminischen Zeit einer der bekanntesten linksliberalen Politiker und Publizisten. Als Abgeordneter des Reichstages, dem er von 1890 bis zu seinem Tod angehörte, prangerte er in brillanten Reden das autokratische Regime des Kaisers an. Mit diesem mutigen Stuttgarter Rechtsanwalt, der die satirische Zeitschrift "Simplicissimus" in zahlreichen Zensur- und Beleidigungsprozessen verteidigte, verband Hermann Hesse eine lebenslange Freundschaft, von der ihre hier erstmals vorgelegte Korrespondenz Zeugnis ablegt. Steht zu Beginn ihres Dialogs noch die Literatur im Vordergrund, so dominiert nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Politik.
Zu den Überraschungen dieses Briefwechsels zählen die Einblicke in Hermann Hesses Mitwirkung bei diplomatischen Geheimmissionen, die Conrad Haußmann in der Schweiz von 1915 bis Kriegsende mit Kontaktpersonen der Entente führte, um Deutschland einen rechtzeitigen und ehrenhaften Friedensschluß zu ermöglichen.

Portrait

Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.      Conrad Haußmann (1857-1922) war in der wilhelminischen Zeit einer der bekanntesten linksliberalen Politiker und Publizisten. Als Abgeordneter des Reichstages, dem er von 1890 bis zu seinem Tod angehörte, prangerte er in brillanten Reden das autokratische Regime des Kaisers an.Helga Abret, geboren in Breslau, Studium der Germanistik und Slawistik und Promotion in Heidelberg. Habilitation an der Sorbonne/Paris über den Münchner Verleger Albert Langen. Maître de conférences an der Universität Nancy, seit 1992 Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Paul Verlaine/Metz. Seit 2005 emeritiert.
Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen über Verlagswesen und Publizistik im Wilhelminischen Deutschland, zur utopischen und phantastischen Literatur um die Jahrhundertwende und zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts (u. a. Georg Drozdowski, Theodor Fontane, Hermann Hesse, Gustav Meyrink, Josef Mühlberger, Friedrich Torberg).

Pressestimmen

»Ein vorzüglich editierter Birefwechel ...«

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 19.07.2012

Über China und Indien, über Hölderlin und Goethe
Ein vorzüglich edierter Briefwechsel erhellt die Freundschaft zwischen Hermann Hesse und Conrad Haußmann

Hermann Hesse behauptete von sich gern, unpolitisch zu sein. Denn "Menschlichkeit und Politik schließen sich im Grunde immer aus. Beide sind nötig, aber beiden zugleich dienen ist kaum möglich." Über sein Leben während der Jahre des Ersten Weltkriegs in Bern, wo er eine Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene aufbaute, schrieb er in der Rückschau: "Ich lebte zwischen Diplomaten und Militärs, verkehrte außerdem mit Menschen aus vielen, auch feindlichen Nationen, die Luft um mich her war ein einziges Netz von Spionage und Gegenspionage, von Spitzelei, Intrigen, politischen und persönlichen Geschäftigkeiten - und von alledem habe ich in all den Jahren gar nichts bemerkt!"

Die Rolle des naiven Dichters war jedoch eine Maske; in Wahrheit war Hesse damals, was wenig bekannt ist, mit Unterstützung der Deutschen Gesandtschaft selbst in geheimer Mission tätig. Im Sommer 1915 knüpfte er "mit Wissen und Billigung der deutschen Regierung, aber völlig inoffiziell", so Hesse, Kontakte zwischen Mittelsmännern aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Beteiligt waren der französische Literaturprofessor Emile Haguenin, bis 1914 eine Art Kulturattaché in Berlin, der Schweizer Journalist Hermann Stegemann und Hesses Freund, der Reichstagsabgeordnete Conrad Haußmann (1857 bis 1922). Der linksliberale Politiker sollte in Bern sondieren, unter welchen Bedingungen Frankreich zu einem Friedensschluss bereit wäre. Eine ehrenvolle Mission also, die an der realitätsblinden deutschen Führung scheiterte, war man doch in Berlin an einem Friedensschluss nicht ernsthaft interessiert.

Haußmann hatte sich schon vor dem Krieg für eine deutsch-französische Aussöhnung engagiert und das "Wettrüsten" in Europa angeprangert. Berühmt machte den Stuttgarter seine Rede im Reichstag zur "Daily Telegraph"-Affäre, in der er "das persönliche Regiment" des Kaisers anprangerte. Nach Kriegsausbruch drängte Haußmann in Berlin immer wieder darauf, die Chance auf einen rechtzeitigen Friedensschluss zu für das Deutsche Reich günstigen Bedingungen nicht zu verspielen, und hoffte auf eine deutsche Nachkriegs-Rolle "als Führer oder doch starker Mitführer eines einiger werdenden Europas".

Über die jahrzehntelange Freundschaft zwischen Hesse und Haußmann informiert nun ein vorzüglich edierter Briefwechsel. Wie der von Helga Abret unter dem Titel "Von Poesie und Politik" herausgebene Band zeigt, stießen mit dem Dichter und dem 20 Jahre älteren Politiker, als sie sich 1907 kennenlernten, Gegensätze aufeinander: War Hesse introvertiert und zu Depressionen neigend, so war Haußmann ein warmherziger Optimist. Kam der Dichter aus einem pietistischen Elternhaus (in dem Haußmann als "Unruhestifter" und "Verführer" galt), so stammte der Politiker aus einer schwäbischen Demokratenfamilie; der Vater war nach 1848 auf dem Hohenasperg inhaftiert gewesen. Sechs Jahrzehnte später verteidigte sein literarisch interessierter Sohn als Anwalt Albert Langens Satire-Zeitschrift "Simplicissimus" bei Zensur- oder Beleidigungsprozessen.

Der Münchner Verleger Langen war es auch, der den Kontakt zwischen seinem Mitarbeiter Hesse (der damals mit dem "Peter Camenzind" seinen Durchbruch feierte) und Haußmann herstellte. Bald darauf war Hesse für den literarischen Teil der neu gegründeten kulturpolitischen Zeitschrift "März" verantwortlich, Haußmann für den politischen. Hesse erinnerte sich später, sie hätten sich bei ihren Begegnungen mehr "über China und Indien, über Hölderlin und Goethe, über Metrik und Melodik" unterhalten als über Politik. Der Briefwechsel, soweit erhalten geblieben, bestätigt das. Haußmann war selbst literarisch ambitioniert, schrieb Gelegenheitsgedichte, kommentierte ausgiebig jedes neue Werk Hesses und übersetzte (nach französischen Übertragungen) chinesische Lyrik.

Dass der Dauerrezensent Hesse ausgerechnet die beiden Lyrikanthologien des "Nachdichters" Haußmann nicht besprach, deutet freilich darauf hin, dass er diesen Teil von Haußmanns Schaffen nicht ernst nahm. Als Haußmann seinem Freund 1920 stolz seine zweite Anthologie "Uralte Lieder aus dem Morgenland" nach Montagnola schickte, wurde Hesse deutlich: Für "rein ästhetische Werke" besitze er keine Maßstäbe mehr, er ziehe inzwischen "stärker nebeneinander gestellte Kontraste" vor. Der große Umbruch in Hesses Schaffen nach dem Krieg im Zuge der Trennung von seiner Familie und seiner Psychoanalyse führte vorübergehend zu einer Entfremdung zwischen den Freunden; auf Werke wie "Klein und Wagner" oder "Klingsors letzter Sommer" reagierte Haußmann bemüht, aber letztlich hilflos. Seine Hoffnung, sein Freund werde nach dem Krieg in seine schwäbische Heimat zurückkehren, erfüllte sich nicht; dass er Hesses neue Wahlheimat Montagnola regelmäßig in Italien verortete, war symptomatisch.

Dennoch erlebte ihre Freundschaft Anfang der zwanziger Jahre noch einmal einen Neubeginn. "Schon daß ich glaube, Dich ganz zu verstehen ... läßt mich meinen, daß ich Dir ab und zu das lastende Gefühl des Allein- oder Vergessenseins unterbrechen könnte", schrieb Haußmann in seinem letzten Brief vom 23. November 1921, wenige Wochen vor seinem Tod. Hesse antwortete: "Es gibt nicht viele, die mich so gut kennen wie Du ... Ich weiß, was ich an Dir habe, und bin froh daran."

OLIVER PFOHLMANN

Hermann Hesse, Conrad Haußmann: "Von Poesie und Politik". Briefwechsel 1907-1922.

Hrsg. v. Helga Abret. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011. 407 S., geb.

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