Kaffee wird kalt, Nachrichten laufen im Hintergrund und plötzlich sitzt man da mit diesem Buch und merkt, wie unangenehm real sich alles anfühlt. Kein Katastrophenfilm, kein übertriebenes Szenario. Eher dieses leise Gefühl im Bauch, dass Europa gerade ziemlich ohne Sicherheitsnetz auf dem Drahtseil balanciert.
Jana Puglierin schreibt nicht dramatisch, sondern klar. Genau das macht es so wirkungsvoll. Da werden Abhängigkeiten von den USA auseinander genommen, militärische Lücken aufgezeigt und plötzlich versteht man, warum Verteidigungspolitik nicht nur etwas für Generäle und Talkshows ist. Beim Lesen denkt man immer wieder, verdammt, das klingt erschreckend plausibel.
Was richtig stark ist, ist der Blick aufs Ganze. Konventioneller Krieg, Cyberangriffe, nukleare Abschreckung, politische Trägheit. Alles greift ineinander. Keine Panikmache, eher ein nüchterner Weckruf mit Nachdruck. Man merkt, hier schreibt jemand, der sich auskennt und keine Lust mehr auf Schönreden hat.
Manchmal ist der Text ziemlich dicht. Das ist kein Buch zum nebenbei Durchblättern. Konzentration ist Pflicht. Dafür bekommt man aber Substanz statt Schlagworte. Und genau deshalb bleibt am Ende dieses Gefühl hängen, dass man gerade etwas Wichtiges gelesen hat.
Unterm Strich ein unbequemes, kluges und erstaunlich fesselndes Sachbuch. Kein Wohlfühlstoff, aber ein Buch, das man eigentlich gelesen haben sollte, gerade wenn man wissen will, wie stabil Europas Sicherheitsgefühl wirklich ist.