Frida ist Mutter einer kleinen Tochter und versucht, nachdem ihr Mann sie verlassen hat, ihrem Job und ihrer Rolle als Mutter gerecht zu werden. Eines Tages begeht sie einen schweren Fehler: Übermüdet und überfordert lässt sie ihre 1-jährige Tochter allein zu Hause. Aus den geplanten wenigen Minuten werden zwei Stunden. Die Nachbarn rufen die Kinderschutzbehörde und was nun folgt, ist ein Albtraum. Wir befinden uns nämlich nicht in der Realität, sondern in einem futuristischen Amerika. In dieser Welt ist Kindererziehung keine Privatangelegenheit mehr. Jede menschliche Schwäche wird kriminalisiert und Eltern, vor allem Mütter, sollen durch strenge Reglementierung völlig gleichgeschaltet werden. Und so wird Frida ihre Tochter weggenommen und kommt erst Mal zu ihrem Ex-Mann und seiner neuen Frau. Frida wird nun überwacht, wird mehrmals von der Kinderschutzbehörde verhört und darf ihr Kind nur noch wenige Mal in Begleitung einer Dame vom Jugendamt sehen. Bei diesen Treffen wird unmögliches von Kind und Mutter erwartet. Schließlich muss Frida an einem neuen staatlichen Programm teilnehmen und kommt ins "Institut für gute Mütter". Die Frauen sollen dort lernen, eine gute Mutter zu werden. Das Programm besteht nur, wer seine individuellen Bedürfnisse komplett aufgibt und bedingungslos dem staatlich verordneten Idealbild einer perfekten Mutter entspricht. Letztendlich geht es um Gleichschaltung und Selbstaufgabe. An sich habe ich die Dystopie gern gelesen. Der Schreibstil ist angenehm und man kann sehr gut in Fridas Gefühlswelt eintauchen. Gerade ihre Ohnmacht und Verzweiflung wird sehr gut transportiert. Stellenweise war die Geschichte auch schwer auszuhalten und viele Szenen haben mich super wütend gemacht und emotional sehr aufgewühlt. Vor allem das Ende hat mich sehr bewegt. Die Gefühle, die dieser Roman hervorruft, und die beklemmende Atmosphäre, die er erzeugt, halten den Leser bei der Stange. Trotzdem war die Dystopie meiner Meinung nach nicht ganz rund. In erster Linie haben mir die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe gefehlt, die zu dieser dystopischen Welt geführt haben. Es wird zwar ein paar Mal angedeutet, dass die Kinderschutzbehörde aggressiver agiert, weil in der Vergangenheit viele Kindswohlgefährdungen falsch eingeschätzt wurden oder zu spät eingegriffen worden ist, aber das ist mir zu kurz gedacht. So wie hier vorgegangen wird, wäre es schon interessant gewesen, die Rolle des Staats zu erfahren oder wie es zu diesen Machtstrukturen gekommen ist. In diesem Zusammenhang wird nämlich auch nicht klar, was jetzt genau die Gesellschaftskritik des Romans ist. Geht es hier um den Leistungsruck auf Eltern oder nur auf Mütter speziell? Es gibt nämlich auch noch ein entsprechendes Institut für Väter. Diese werden also schon auch vom System kontrolliert. In ein, zwei Nebensätzen erfährt man aber, dass mit den Vätern lascher umgegangen wird. Oder geht es um staatliche Kontrolle und Überwachung? Auch Rassismus wird angeschnitten. Der Mittelteil des Romans ist sehr repetitiv. Einerseits verstehe ich das als gelungenes Stilmittel, weil es die langen, nie enden wollenden Tage im Institut unterstreicht. Andererseits war der Roman dadurch stellenweise ein bisschen langatmig. Das Ende hingegen fand ich grandios, beklemmenden und berührend. Eine spannende Dystopie mit einem interessanten Thema, die allerdings nicht ganz ausgegoren ist.