Geheimnisvolle, außergewöhnliche Erzählung mit der möglicherweise seltsamsten Prota, die mir je in der Bücherwelt begegnet ist
Zu diesem etwas anderem Krimi griff ich beim Stöbern in meiner Stadtbücherei nur aufgrund des ungewöhnlichen Covers, das meine Liebe zu Pflanzen ansprach. Und tatsächlich spielen diese faszinierenden Lebewesen auch eine tragende, wenn auch finstere Rolle. Denn die Protagonistin, die Professorin Eustacia, widmet sich ganz ihrer Giftpflanzensammlung in ihrem geheimen Dachgarten, der nur mit Schutzkleidung betreten werden kann. Mit Menschen hingegen kommt sie nicht gut klar, beobachtet sie aber gerne heimlich von ihrem Garten aus. Doch ganz kann sie die Außenwelt dort nicht aussperren und dann geschieht ein Giftmord ...Beim Lesen schwankte ich immer wieder zwischen Schaudern und Faszination. Eustacia macht es mit ihrem übergriffigen Verhalten den Lesenden nicht leicht, sie zu mögen, und dennoch fühlte ich mich ihr ganz nah. Die Kriminalgeschichte ist sehr verwickelt, die verschiedenen Figuren nicht immer das, was sie zu sein vorgeben. Ein bisschen fühlte es sich für mich so an, als würde ich an der Seite Eustacias, die andere Menschen nicht gut verstehen kann, die anderen Handlungsfiguren erst schemenhaft wahrnehmen und dann immer mehr über sie lernen, was fast spannender war als die Kriminalhandlung. Eustacia war mir dabei oft unsympathisch, was merkwürdig war, da sie auf andere Menschen zwar seltsam, aber eher liebenswert seltsam zu wirken schien. Vielleicht ist es ihre negative Selbstwahrnehmung, die mich als Lesende beeinflusste.Nebenbei, und das gefiel mir sehr, konnte ich viel Spannendes über die Giftpflanzenwelt erfahren.Auf jeden Fall lesenswert und definitiv kein Nullachtfünfzehn-Krimi!